Netzwelt-Ticker Post will 20 Cent Porto pro E-Mail

Wenn das mal keine Innovation ist: Die Post plant 20 Cent Porto für ihre Online-Briefe, ihr rechtsverbindliches Konkurrenzprodukt zur weltweit kostenfreien, aber unzuverlässigen E-Mail. Außerdem: In Österreich entscheidet bald das Stromnetz, wann gewaschen wird, Google bastelt Universalübersetzer.

Seit längerem bastelt die Post am rechtsverbindlichen elektronischen Brief, nun gehen die Vorbereitungen in die Zielgerade. In vier Monaten soll es so weit sein, dann soll das Projekt marktreif sein. Mit staatlichem Segen tritt an die Seite der so herrlich kostenlosen, aber informellen E-Mail die verbindliche Post-E-Mail. Die wird dann nicht nur sicherer sein und eine vertrauliche Kommunikation ermöglichen, nein, sie ermöglicht auch die virtuelle Entsprechung des Einschreibens: Die verifizierte Zustellung von Dokumenten, die auch nicht verändert werden können. Schluss also mit "Das hab ich nicht gekriegt!".

Was es den Verbraucher kosten wird, ist schon jetzt bekannt. Der sogenannte elektronische Brief soll mit 20 Cent zu Buche schlagen , wie die "Wirtschaftswoche" meldet. Mit dieser Preisvorstellung bewegt sich die Post kaum überraschend im obersten Segment der weltweit üblichen E-Mail-Gebühren für vergleichbare Produkte, die von acht Cent in Dänemark bis zu 22 Cent in Kanada reichen.

Der Posttarif läge auch über den Sätzen der Konkurrenz. 1&1-Vorstand Jan Oetjen, zuständig für web.de und GMX, sieht eher Preise von unter 15 Cent für die De-Mail-Version seines Unternehmens, selbst "einstellige Centbeträge pro De-Mail" seien denkbar. Endgültig festlegen mochte er sich aber noch nicht.

Die De-Mail, ein Projekt im Rahmen der e-Government-Initiative, soll vor allem von gewerblichen Kunden genutzt werden. Die De-Mail ist Teil des "Projekt Bürgerportale" und damit "Teil der High-Tech-Strategie der Bundesregierung und des auf der Kabinettsklausur in Meseberg verabschiedeten '12-Punkte-Plans für ein bürgerfreundliches Deutschland'."

Die Post fürchtet durch das behördliche Projekt einen Einbruch bei ihren Umsätzen, legte darum ein eigenes JKonkurrenzmodell auf, mit dem sie nuhn schneller auf dem Markt sein will als die Regierung und ihre akkreditierten De-Mail-Provider. Um die Geschäftswelt für ihr neues Angebot zu begeistern, will die Post mit ihrer Zuverlässigkeit und Kompetenz beim Datenschutz werben.

Intelligentes Stromnetz soll entscheiden, wann gewaschen wird

In Österreich wird bald nicht mehr der Bürger allein entscheiden, wann er seine Socken wäscht oder trocknet, sondern das intelligente Stromnetz wird dabei ein Wörtchen mitreden. Eine bessere Steuerungstechnik soll den Verbrauch über den Tag entzerren.

Derzeit gibt es eine stark ungleiche Verteilung des Stromverbrauchs im Tagesverlauf. Die größten Verbrauchsspitzen liegen frühmorgens und am Abend. In Zukunft sollen die Stromnetze Elektrogeräte in den Haushalten verstärkt in verbrauchsarmen Zeiten  einschalten. "Schon jetzt gibt es in vielen Haushalten Verbraucher, die mit einer Schaltuhr eingestellt sind - einen Wäschetrockner etwa, der vom Zeitpunkt x bis zum Zeitpunkt y arbeitet", zitiert der ORF den Chef des Stromversorgers Verbund, Wolfgang Anzengruber. Er erinnerte an eine vergleichbare Technik, die bereits vor Jahren die Wasserboiler vom E-Werk ausschaltete: "Da war nur festgelegt, dass zum Beispiel um 6.00 Uhr früh warmes Wasser verfügbar sein muss. Aber ob der Boiler nun von 22.00 bis 2.00 Uhr gearbeitet hat oder von 0.00 bis 4.00 Uhr, das war dem E-Werk überlassen."

Google Earth als Zeitmaschine

Schon jetzt bietet Google Earth über den Button mit dem Uhrsymbol den Blick auf ältere Karten an, die einen Vergleich bestimmter Gebiete zwischen der Gegenwart und zurückliegenden Jahren ermöglicht. Für einige ausgesuchte Städte reicht diese Funktion nun viel tiefer in die Vergangenheit. Für Hamburg, München, Berlin, Köln und andere Städte ist nun ein Blick auf Aufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg verfügbar.

Das Bildmaterial für mehr als 35 Städte zeigt die Auswirkungen des Bombenkrieges auf die gewachsene Struktur des jeweiligen Stadtbildes. Das Google LatLong Blog erklärt den Hintergrund für das Angebot zur Zeitreise : "Wir hoffen, dass uns diese Bilder aus dem zweiten Weltkrieg ermöglichen, unsere gemeinsame Geschichte auf eine neue Weise zu verstehen und noch mehr über die Auswirkungen des Krieges auf die Entwicklung unserer Städte zu erfahren."

Google bastelt am Universalübersetzer

Davon träumen nicht nur Trekkies: Egal, wohin es den Reisenden verschlägt, er zückt nur den Kommunikator und schon versteht er selbst die abseitigsten einheimischen Dialekte und kann fließend parlieren. Aus dieser Science-Fiction-Idee könnte dank Google bald Wirklichkeit werden. Wie die "Times" berichtet, sollen dabei die Technologie zur Spracherkennung und der hauseigene Übersetzungsdienst für geschriebene Texte miteinander kombiniert werden .

Der Textübersetzer Translate hat in den letzten Jahren dazugelernt. Durch die Verarbeitung immer weiterer Web-Seiten beherrscht der Service inzwischen 52 Sprachen mal mehr, meist aber weniger gut. Beim Konzept des "Translator Phone" sollen nun nicht mehr Einzelwörter übersetzt, sondern wie von einem menschlichen Dolmetscher ganze Bedeutungseinheiten, als "Pakete" übertragen werden.

Franz Och, Chef des Google-Übersetzungsdienstes, gibt sich optimistisch: "Wir glauben, die direkte Übersetzung von einer Sprache in die andere sollte in einigen wenigen Jahren möglich sein und einigermaßen gut funktionieren."

Automatische Übersetzungsdienste von Suchmaschinen, in den Neunzigern von Altavista mit dem Babelfish eingeführt, werden zum einen von Millionen Menschen genutzt, zum anderen aber nicht immer aus sachlichen Gründen: Viele der Übersetzungen klingen wie die berüchtigte koreanische Gebrauchsanweisung. Der Spaß ist allerdings wirklich langsam vorbei. Dreht man Franz Ochs oben zitiertes Statement durch die Google-Übersetzungsmühle, landet man zunächst bei "We believe the direct translation should be possible in a few years ago and works fairly well from one language to another". Zurückübersetzt ergibt das "Wir glauben, dass die direkte Übersetzung sollte in ein paar Jahren möglich und funktioniert recht gut von einer Sprache in eine andere" - und damit eine noch immer leidlich verständliche Version des eigentlich Gesagten. Könnte also klappen, irgendwann.

Innenminister kassiert gemeinsame Abhörzentrale

Thomas de Maizière

Der deutsche Innenminister hat sich gegen eine Abhörzentrale ausgesprochen, die nach britischem Vorbild wesentliche Ermittlungsdaten von Polizeibehörden und Verfassungsschutz zentral zusammenführt und zugänglich macht. Das bedeutet konkret, dass zum Beispiel der Verfassungsschutz nicht auf die Überwachungsinfrastruktur zurückgreifen kann, die dem BKA zur Verfügung steht.

Damit beerdigt de Maizière ein Projekt, das noch von seinem Amtsvorgänger Wolfgang Schäuble angestoßen worden war. Ursprünglich sollte sich der Verfassungsschutz ab 2013 an den entsprechenden technischen Einrichtungen beim Bundesverwaltungsamt beteiligen. Der Innenminister erklärte in einem Interview: "Ich halte es prinzipiell für richtig, das nach anderen Regeln funktionierende Abhören des Bundesamtes für Verfassungsschutz von dem Abhören von Bundespolizei und Bundeskriminalamt auch räumlich zu trennen." Und er fügte hinzu: "Das Abhören sollte zwischen Polizei und Verfassungsschutz jedoch getrennt stattfinden."

In der Vergangenheit hatten Oppositionspolitiker kritisiert, dass der Abhörservice in Köln sowohl dem Verfassungsschutz als auch den LKAs zur Verfügung gestellt werden sollte. Dies verstoße gegen das Trennungsgebot von Polizei und Nachrichtendiensten. Die FDP-Innenpolitik-Sprecherin Gisela Piltz  zeigte sich von der neuen Entwicklung entzückt: "Die Entscheidung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière ist richtig. Es zeigt sich, dass die längst überfällige Kehrtwende in der Innenpolitik nun erste Früchte trägt. (...) Der Bundesinnenminister kann sich der Unterstützung des liberalen Koalitionspartners sicher sein, wenn verfassungsrechtlich fragwürdige Entwicklungen gestoppt werden."

Außerdem:

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.