Netzwelt-Ticker Postboten streiken - Windows 7 kommt früher

Google bringt bald sein eigenes Handy heraus - sagen die Gerüchteköche. Privates Internet wird bald bis zu 120 Megabit schnell durch die Leitungen sausen, und Windows 7 kommt dank Postbotenstreik schneller als vom Hersteller gedacht. Das und mehr im Überblick.


Wenn der Postmann gar nicht klingelt, kommt Windows 7 früher. Klingt unlogisch, ist aber trotzdem so, zumindest in Großbritannien. Dort streiken nämlich ab dem 22. Oktober sämtliche Bediensteten der Royal Mail für voraussichtlich 48 Stunden. So lange wird nicht mal die kleinste Postkarte ausgeliefert. Zufälligerweise ist das aber auch der offizielle Starttermin für die Auslieferung von Microsofts neuem Betriebssystem, und der soll nicht gefährdet werden.

Also verlegte Microsoft die Veröffentlichung des neuen Windows in Großbritannien um einen Tag nach vorn auf den heutigen Mittwoch. Im Eifer des Gefechts scheinen einige Warensendung vorschnell auf den Weg gebracht worden zu sein, jedenfalls haben Berichten zufolge einige Briten ihr im Sommer bestelltes Windows-7-Paket bereits jetzt erhalten.

Gibt's bald doch ein eigenes Google Phone?

Neues vom Google Phone, einem alten Bekannten in der Gerüchteküche. Zwar sind auch in Deutschland schon einige Handys mit Googles Betriebssystem Android erhältlich, aber ein echtes Google-Telefon mit eigener Software, das gab es bislang noch nicht. Das könnte nun anders werden, denn ein IT-Analyst will in Gesprächen mit Google-Verantwortlichen erfahren haben, der Suchmaschinist plane, demnächst ein eigenes Handy herauszubringen. Das Unternehmen sei schon in Verhandlungen mit einem Hersteller. Noch in diesem Jahr solle das Mobiltelefon auf den Markt kommen und nicht über Telkos vertrieben werden, sondern im Einzelhandel erhältlich sein.

Damit würde sich Google, anders als der Konkurrent Apple, nicht an Exklusivpartner binden, sondern seine Strategie der offenen Standards weiter verfolgen. So hätten die Besitzer völlig freie Hand, mit welchen Zusatzprogrammen sie ihre Geräte ausstatten möchten und würden nicht durch die von einem Vertriebspartner vorgegebenen Beschränkungen ausgebremst.

Andere Wettbewerber im Android-Markt wie Motorola, Samsung oder Dell dürften sich da in Zukunft warm anziehen müssen. Sollten die Google-Pläne wahr werden, könnte ein preiswertes, internetfähiges Touchscreenhandy ohne Sim-Lock die Marktanteile gehörig durcheinanderwirbeln.

Privat-Internet mit bis zu 120 Mbit/s

Es tut sich was im Markt der deutschen Kabelanbieter. Beim Buhlen um neue Kunden haben die unterschiedlichen Anbieter eine möglichst hohe Breitband-Geschwindigkeit als Werbeträger entdeckt. Nur folgerichtig, dass Unitymedia jetzt mit einem entsprechenden Angebot in die Öffentlichkeit geht. Ab dem 2. November können Privathaushalte einen Triple-Play-Tarif buchen, der eine Geschwindigkeit von bis zu 120 Mbit/s verspricht.

Vorerst ist dieses Angebot auf Köln, Bergisch Gladbach und Aachen beschränkt, der genaue Preis unbekannt. Für die Umsetzung des Breitband-Services, der auch einen Upload mit bis zu fünf Mbit/s enthält, verwendet Unitymedia erstmals den Kabelstandard Data over Cable Service Interface Specifiction (DOCSIS) 3.0.

Auch andere Anbieter setzen auf Schnelligkeit. Kabel Baden-Württemberg vermarktet schon sein Cleverkabel 100, das eine Doppelflatrate mit 100 Mbit/s beinhaltet. Kabel Deutschland hat ein ähnliches Angebot angekündigt. Und damit ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Der DOCSIS-Standard erlaubt noch wesentlich höhere Durchsatzraten, Unitymedia teilte mit, bei Tests habe man Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 380 Mbit/s erreicht.

EU gestattet Breitband-Angebote auf normalen Handy-Frequenzen

Breitband-Datendienste fürs Handy gibt es bislang nur für einige UMTS-Frequenzen, jetzt hat die EU neue Möglichkeiten geschaffen. In Zukunft kann ein entsprechender Service auch in GSM-Netzen angeboten werden und "den Weg für eine neue Generation von Mobilfunkdiensten in Europa ebnen".

Kommunikationskommissarin Viviane Reding verspricht sich nur Gutes von der neuen Regelung: "Die neuen Vorschriften, die heute veröffentlicht wurden, ermöglichen eine Neuordnung der Funkfrequenznutzung im GSM-Band zugunsten neuer mobiler Dienste, stärken den Wettbewerb und ersparen der Mobilfunkbranche Kapitalkosten von bis zu 1,6 Milliarden Euro." Damit könne Europa seinen Wettbewerbsvorsprung bei den Drahtlosdiensten behaupten. Nun ist es an den nationalen Regulierungsbehörden, die EU-Richtlinie im kommenden halben Jahr umzusetzen und die GSM-Frequenzen für Datendienste zu öffnen.

Disney setzt auf Streaming

Micky, Donald & Co. könnten demnächst aus der Videothek um die Ecke komplett ins Internet umziehen. Filmkonzern Disney setzt auf Cloud Computing und verabschiedet sich vom Vertrieb auf festen Datenträgern. Beim Projekt "Keychest" erhält der Kunde lediglich einen Dateischlüssel, mit dem er den Film seiner Wahl überall ansehen kann, egal ob im Fernsehen, auf dem Computer oder dem Handy.

Damit erweist Disney sich und seinen Kunden gleichermaßen einen Gefallen. Der Mickymaus-Konzern spart sich den teuren Vertrieb, und die interessierten Filmfreunde müssen sich keine Sorgen mehr über irgendwann bis zum Rand gefüllte Festplatten machen - auch wenn der Preis für Speicherplatz im Sinkflug begriffen ist.

Der einheitliche Online-Musikmarkt in Europa kommt

Die EU will die urheberrechtlichen Regelungen, die in den einzelnen Mitgliedstaaten gelten, vereinheitlichen und damit Musikvermarktern wie Kunden das Leben erleichtern. Zu diesem Zweck traf die Europäische Kommission mit der Musikindustrie eine Vereinbarung, die zu einheitlichen Lizenzbestimmungen und Preisen führen soll. Damit könnte das bisherige Durcheinander von nationalen Downloadshops sein Ende finden. Alle Händler werden zukünftig wohl nur noch mit einem einzigen Rechteverwerter Verhandlungen führen. Zu den Unterzeichnern des Abkommens gehören zunächst Apple, Amazon und Nokia auf der Händlerseite und die Major Labels EMI und Universal Music. Man darf allerdings gespannt sein, ob die Schaffung eines europäischen Verwertungsmonopols tatsächlich im Interesse der Verbraucher ist, die sich nicht zuletzt auch über günstige Preise freuen würden. Ohne Wettbewerb dürfte es die nicht geben.

Gitarrenverstärker für Gitarrenhelden

Ein richtiger Rockstar klingt erst mit Verstärker gut, das weiß auch der gemeine Nerd. Für die computersüchtige, gleichwohl musikalische Zielgruppe gibt's jetzt von Altec Lansing einen 40-Watt-Lautsprecher, der genauso aussieht wie ein Stage Monitor, aber trotzdem keiner ist. Die Gitarre zumindest lässt sich dort nicht anstöpseln, aber auf jeden Fall eine Konsole. Zumindest auf Partys kann der Saitenheld, pardon, Tastenheld sich dann profimäßig verrenken und Eindruck schinden.

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