Netzwelt-Ticker Schluss mit dem Telefon-Werbeterror

Nervtötende Reklamefritzen am Telefon werden in ihre Schranken gewiesen, Imame sind nicht wie Pfarrer vor Überwachung sicher, Durchbruch bei der Websuche für lesefaule Augenmenschen. Das und mehr im Überblick.


Millionen genervter Telefonkunden können aufatmen: Wenn Ende des Jahres wie geplant das verschärfte Gesetz gegen unlautere Telefonwerbung in Kraft tritt, ist es vorbei mit den nervenden Werbeanrufen. Nach den Plänen von Justizministerin Brigitte Zypries und Verbraucherschutzminister Horst Seehofer sollen unerwünschte Reklameanrufe für die Verantwortlichen künftig mit einem 50.000-Euro-Knöllchen zu Buche schlagen. Auch sei die Rufnummernunterdrückung nicht mehr zulässig und führe zu einem Bußgeld von 10.000 Euro, wobei allerdings noch unklar ist, wie ein anonymer Anruf überhaupt verfolgt werden kann.

Gesetz gegen unlautere Telefonwerbung: Harte Strafen für Reklameanrufe
DPA

Gesetz gegen unlautere Telefonwerbung: Harte Strafen für Reklameanrufe

Darüber hinaus gilt das zweiwöchige Rücktrittsrecht nun auch für telefonisch bestellte Zeitungsabos, die wie alle anderen Kaufverträge schriftlich gekündigt werden können. Mit den gestärkten Verbraucherrechten soll nicht zuletzt auch Bauernfängern das Geschäft verleidet werden, die arglosen Zeitgenossen schon mal gerne den Wechsel zu einem anderen Telefonanbieter aufschwatzen. Das wird in Zukunft nur mit schriftlicher Einwilligung des Kunden möglich sein.

Online-Durchsuchung: Pfarrer sind tabu, Imame nicht

Es hat ja ein Weilchen gedauert, aber nach mehrwöchigem Hickhack sind traditionell mit Berufsgeheimnis versehene Beschäftigungen wie die von Ärzten oder Geistlichen nun doch von den laut neuem BKA-Gesetz erweiterten Überwachungsmaßnahmen ausgenommen. Doch halt, nicht sämtliche Geistliche: Das Privileg des Schnüffelschutzes gilt nur für Geistliche anerkannter Religionsgemeinschaften, und dazu gehört der Islam in Deutschland nicht.

Ein Imam hat also kein Zeugnisverweigerungsrecht und kann wie jeder Otto Normalverbraucher überwacht werden. Die deutschen Muslime sind nicht begeistert, Ayyub Axel Köhler, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, ist empört und beklagt sich in der "taz": "Unsere Imame dürfen nicht Geistliche zweiter Klasse sein." Hält man sich jedoch die Tatsache vor Augen, dass die vom Verfassungsschutz wegen extremistischer Umtriebe beobachtete Gemeinschaft "Milli Görüs" mehrere hundert Moscheen unterhält, dürfte im Lande die Zustimmung für diese Ausnahme von der Ausnahme recht groß sein.

USA: Polizisten gegen "Polizei-Spickmich"

In Deutschland werden Lehrer online von ihren Schülern auf der "Spickmich"-Seite bewertet und wehren sich dagegen vor Gericht. Ganz ähnliches geschieht nun amerikanischen Polizisten. Wie der Sender ABC15 berichtet, befürchten die Gesetzeshüter Gefahr für Leib und Leben, auch ihrer Angehörigen, wenn sie mit Namen und Dienstnummer auf der Seite "ratemycop.com" erscheinen.

Diese Befürchtungen mögen angesichts der Tatsache, dass die Namen und Dienstnummern der über 120.000 auf der Seite erfassten Polizisten in jedem Polizeirevier erfragt werden können, etwas übertrieben wirken. Allerdings scheinen sie überzeugend genug vorgetragen worden zu sein. Die Seite ratemycop.com ist mittlerweile nicht mehr erreichbar.

ProSiebenSat1 bringt TV-Sendungen als Online-Stream

Was die Öffentlich-Rechtlichen schon seit längerem anbieten, können jetzt auch die Privaten, jetzt auch die der ProSiebenSat1-Gruppe: Die aktuellen Folgen einiger ausgewählter Sendungen stehen eine Woche lang online als Gratisvideo zur Verfügung. Danach wandert das Stream-Angebot ins Maxdome-Archiv. Wer sein dringendes Bedürfnis nach Formaten wie "Ich Tarzan, Du Jane" oder Heidi Klums "Germanys next Topmodel" immer noch nicht gestillt hat, wird dann allerdings zur Kasse gebeten.

Konkurrent RTL versucht genau das schon seit längerem: Auch hier finden sich im "rtl now"-Angebot zahlreiche Eigenproduktionen wie die jeweils aktuellste Bohlen-Show "DSDS" oder der deutsche CSI-Abklatsch "Post Mortem" kostenfrei. Das offenbar hochwertigere Original gibt es dann gegen Zahlung (1,99 Euro pro Folge) im On-demand-Angebot.

SearchMe: neue visuelle Suchmaschine

In den USA ist mit "SearchMe" eine neue Suchmaschine an den Start gegangen, die ihre Suchergebnisse mit einer originellen Visualisierung präsentiert. Gefundene Seiten werden nicht einfach als dröge Links aufgelistet, sondern tanzen vor dem Auge des Betrachters gleichsam dreidimensional über den Bildschirm. Wer sich nicht am manchmal etwas dopingverdächtigen Stil der Sprecher stört, dem sei das erklärende Einführungsvideo empfohlen.

Flinker Fuchs: Neue Firefox-Betaversion

Die vierte Beta des beliebten Firefox-Browsers ist draußen - und bietet damit neue Beschäftigung für die Testergemeinde. Die neueste Version soll im Vergleich zu ihren Vorgängern ziemlich schnell laufen. Bei entsprechenden Benchmarks lässt der Testbrowser auch die Konkurrenten Internet Explorer und Opera weit hinter sich.

Flickentag: Microsoft stopft Excel- und Outlooklöcher

Auch bei Microsoft hat sich einiges getan. Am Dienstag war Patch-Day. Diesmal wurden Flicken für kritische Lücken in Excel und Outlook verteilt. Vor allem die Tabellenkalkulation aus Redmond wies mit gleich sieben Sicherheitslücken erhebliches Gefahrenpotential auf. Insgesamt wurden zwölf als kritisch eingestufte Lecks geschlossen.

Auch das Office für Apple-Jünger erfuhr Updates. Sowohl Mac Office 2008 wie auch die Vorgängerversion 2004 bedurften einiger Flicken für aufgetretene Sicherheitsprobleme (vor allem Mac Office 2004). Die gab es jedoch auch für das erst kürzlich veröffentlichte Mac Office 2008, außerdem sollen einige Reparaturen lästige Stabilitätsprobleme beim Büropaket beheben.

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