Netzwelt-Ticker Schuldspruch wegen Internet-Mobbing

Weil eine Frau eine 13-jährige in den Selbstmord mobbte, verurteilte sie ein US-Gericht nun wegen Verstoß gegen die MySpace-AGBs. Außerdem: Das erste Major-Label verkauft mehr Musikdateien als CDs, ein neues Filesharer-Urteil und in Japan steht ein Roboter auf der Bühne. Das und mehr im Überblick.


Im weltweit ersten Prozess um Internet-Mobbing mit Todesfolge ist eine Frau schuldig gesprochen worden - wenn auch für ein minder schweres Vergehen. Die 49-jährige wurde von einem Gericht in Los Angeles am Mittwoch wegen illegaler Nutzung des sozialen Netzwerkes MySpace verurteilt. Allerdings konnten sich die Geschworen nicht auf einen Schuldspruch wegen Verabredung einer Straftat einigen.

Opfer Megan: Gezielt in den Selbstmord getrieben?

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Laut Anklage habe die Frau zusammen mit ihrer Tochter einer komplexbeladenen 13-jährigen Bekannten der Tochter einen Internetfreund vorgespielt. Der virtuelle Brieffreund schrieb dem Mädchen nach einem Flirt, dass die Welt ohne sie schöner wäre. Die 13-Jährige nahm sich daraufhin das Leben.

Bei einem Schuldspruch wegen Verschwörung zu einer Straftat hätten der Angeklagten laut AFP bis zu 20 Jahre Haft gedroht. Wegen Verstoßes gegen die Nutzungsvorschriften von MySpace könnte sie nun zu einer Geldstrafe von bis zu 300.000 Dollar (232.000 Euro) und drei Jahren Haft verurteilt werden. Ein Datum für die Urteilsverkündung stand zunächst nicht fest.

Die Frage nach Schuld und Verantwortung der Mutter, ihrer Tochter und auch von MySpace beschäftigte in den letzten Monaten viele Internetnutzer. Das Weblog der Los Angeles Times wälzt nun die Frage, ob das aktuelle Urteil Auswirkungen auf die Sicherheit der Nutzer auch in anderen sozialen Webdiensten hat. Das Wired-Blog "Threat Level" berichtete ausführlich über Ereignisse und Erkenntnisse während der Gerichtsverhandlung.

Die fünf wichtigsten Erfindungen der nächsten fünf Jahre

Angesichts der Ereignisse in Indien sollten hartgesottene Technologie-Propheten mal wieder ihre Versprechungen überdenken. Technik wird die Welt nicht retten können. Bei IBM denkt man natürlich anders: Technischer Fortschritt = Goldene Zukunft. So sieht das zumindest aus, wenn man einen Blick in die neue IBM-Liste der wichtigsten fünf Erfindungen, die in den nächsten fünf Jahren Arbeit und Freizeit entscheidend verändern werden, wirft: Photovoltaik-Zellen zum Ausdrucken, Computer, die zuhören, Handys, die uns das Erinnern abnehmen, dank Genanalyse allwissende Ärzte und Umkleidekabinen mit Beratungsfunktion. Wenn das mal nicht Stoff für die ganz, ganz großen Gesellschaftsutopien ist ...

Digitale Musik: Plattenlabel verkauft mehr MP3s als CDs

Apropos Utopia: Das Atlantic-Label hat im letzten Quartal mehr Musik übers Internet verkauft als auf physischen Tonträgern. Der digitale Verkauf machte laut "New York Times" 51 Prozent der Gesamteinnahmen im vierten Geschäftsquartal aus, das im September 2008 endete. Seltsam: Die Atlantic-Muttergesellschaft Warner Music Group machte nur 27 Prozent ihrer US-Einkünfte mit digitaler Musik.

Doch die gute Nachricht für MP3-Enthusiasten kommt mit einer Einschränkung: Zwar steigt der Anteil der digitalen Verkäufe, aber Analysten von Forrester Research vermuten, dass die Einkünfte am US-Musikmarkt in den nächsten fünf Jahren um fast eine Milliarde Dollar schrumpfen werden. 2013 sollen in den USA "nur" noch 9,2 statt 1999 14,6 Milliarden US-Dollar mit Musik erwirtschaftet werden können.

Filesharing-Urteil: Kläger muss Versand von Abmahnschreiben beweisen

Das "WB-Law.de"-Blog schreibt: In Deutschland gab es allein im Jahr 2007 schätzungsweise 200.000 Filesharing-Abmahnungen. Dass bei dieser Vielzahl von Verfahren schon einmal Schriftstücke verwechselt oder Zahlen verdreht werden, scheint unausweichlich. Eine klagende Kanzlei sollte nun in einem Prozess um Up- und Download eines Pornofilms vor dem Landgericht Erfurt den Versand einer Abmahnung beweisen. Ihre Beweise überzeugten die Erfurter Richter nicht. Die Klägerin muss nun die Verfahrenskosten aufgrund eines Streitwertes von 30.000 Euro tragen (Urteil, PDF-Datei, 133 Kb).

Japanisches Robotertheater

Erst tanzten sie, dann hüteten sie das Haus und jetzt gerieren sie sich auch noch als Schauspieler auf japanischen Bühnen: In der Osaka University, Japan wurde die erste Theater-Produktion mit Mensch und Roboter auf einer Bühne aufgeführt. Die Maschinen, schreibt "BBC News", wurden darauf programmiert, Dialoge mit menschlichen Schauspielern zu führen und zusammen mit ihnen über die Bühne zu wandeln.

Der Stückschreiber Oriza Hirata will mit dem Stück Fragen über die Beziehung von Menschheit und Technologie aufwerfen. Das Stück heißt Hataraku Watashi (Ich, der Arbeiter) und spielt in der nahen Zukunft. Ein junges Paar hält zwei Haushaltsroboter, von denen einer die Lust an der Arbeit verliert und darob Konversation mit seinen Besitzern führt. Was mag als nächstes kommen?

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