Netzwelt-Ticker Shooter-Figuren lesen die Nachrichten

"Half-Life 2"-Figuren lesen künftig vollautomatisch die Nachrichten, Mozilla liegt beim Thema Lücken knapp vor dem neuen Internet-Explorer, China verurteilt wieder Cyber-Dissidenten, AllOfMp3 wurde gehackt, Wired kennt die kürzesten Geschichten der Welt. Das und mehr im Überblick.


Bugs und Browser Wars

Seitdem Microsoft und Mozilla – freilich mit Hilfe einer ganzen Industrie von Sicherheitsfirmen samt Presse – das Thema Sicherheit zur Hauptattraktion ihrer Programme gemacht haben, gelten Sicherheitslöcher und Bugs als wichtigstes Anzeichen für einen problembeladenen Browser. Da verwundert es auch kaum, dass bereits wenige Tage nach Erscheinen des Internet Explorer 7 und von Firefox 2 schon die ersten Sicherheitsprobleme aufgedeckt wurden – zumindest vermeintliche. Eine Meldung über einen von einer älteren Version übernommenen (und dort bereits behobenen) Mangel im Firefox 2 wehrt Mozilla klar ab. Der Vorfall sei untersucht, das Problem längst behoben. Allerdings habe man einen damit verbundenen Bug entdeckt, der den Browser abschmieren lässt, berichtet "CNET News.com". Nicht ganz sicher sei man sich bei einer anderen Bugmeldung – zu wenig Informationen lägen vor, noch sei also kein Anlass zur Untersuchung gegeben.

Nicht ganz so rosig sieht es dafür beim Internet Explorer 7 aus – zumindest auf den ersten Blick. Die Sicherheitsfirma Secunia hat, ebenfalls laut "CNET News.com", eine Methode vorgeführt, wie man mit dem eigentlich gegen Phishing geschützten IE7 doch falsche Websiten-Tatsachen vorspiegeln kann. Das erinnert allerdings mehr an einen Zaubertrick als an Programmiermagie. Ein Pop-Up könnte einen Teil der Adressleiste so überdecken, dass dem User eine falsche URL untergejubelt werden könnte – wenn diese nicht auf der Phishing-Blacklist von Microsoft steht. Denn dagegen helfen auch keine Taschenspielertricks.

Shooter-Frau liest News

"Half-Life 2"-Figuren: Automatische Nachrichtensprecher

"Half-Life 2"-Figuren: Automatische Nachrichtensprecher

Werden in Zukunft computergenerierte Persönlichkeiten unseren ganz persönlichen Nachrichtenüberblick vortragen – nur für uns, auf unsere Interessen abgestimmt und mit einer etwas roboterhaften Stimme? Das "News at Seven"-Projekt von Forschern der Northwestern Universität in Illinois zeigt genau das bereits jetzt. Wie Newsciencetech.com schreibt, benutzt das Entwickler– und Forscherteam Charaktere aus dem Computerspiel "Half-Life 2", die Nachrichten vor einer virtuellen Bild– und Videowand vortragen, die ein Rechner im Hintergrund aus dem Netz zusammensucht. Aus Nachrichtenseiten, RSS-Feeds und Blogs kommen Nachrichten und Meinungen, passend zu Keywords sucht sich das System zudem Bild– und Videomaterial bei verschiedenen Videoseiten wie YouTube. Was die künstliche Nachrichtensprecherin schließlich vorliest, wirkt in den Demo-Videos äußerst fortgeschritten und gut. Das liegt auch daran, dass die Nachrichtentexte fernsehgerecht geformt werden: weniger Text, mehr Emotion, aktivische Sätze. Hier ein ernstes Nachrichtenthema, hier ein weniger ernstes, sogar mit zwei Nachrichtensprechern im Pingpong-Modus.

China: Drei Jahre Haft für Internet-Dissident

Da er einen kritischen Essay gegen die Beschränkung der politischen Freiheit in Hongkong im Internet veröffentlichte, ist der chinesische Dissident Li Jianping nun von einem chinesischen Gericht wegen "Subversion" zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Li, so eine Nachricht von Reuters, sei bereits bei den Demonstrationen auf dem Platz des himmlischen Friedens aktiv gewesen, seit Jahren schrieb er China-kritische Texte für ausländische Websites. Ein Text aus dem Jahre 2003 wurde ihm nun mit der Begründung "Aufhetzung zur Subversion gegen die Staatsmacht" zum Verhängnis.

Nirgendwo anders in der Welt werden offiziell mehr Journalisten weggesperrt als in China. 32 Journalisten und 50 Aktivisten, die im Netz veröffentlichen, sind im Gefängnis, so Reporter ohne Grenzen. Erst letzte Woche hat ein chinesisches Gericht den Dissidenten Guo Qizhen zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, ebenfalls wegen "Subversion", da er Internetartikel veröffentlichte, in denen er Mao Zedong anprangerte und die chinesische Regierung wegen der Missachtung von Bürgerrechten als "böse" bezeichnete.

Allofmp3-Angebot geknackt

Der Druck auf den russischen Musik-Discounter Allofmp3.com wird größer. Zunächst von der Plattenindustrie, der amerikanischen Regierung und der WTO, nun auch noch von Crackern. Die haben nämlich ein Programm entwickelt, mit dem sich die DRM-Maßnahme "MusicforMasses" von Allofmp3 aushebeln lässt.

Nachdem Visa das Geschäft mit Allofmp3 aufgegeben hat, ging die russische Website dazu über, ihre Songs kostenlos gegen Werbung ins Netz zu stellen. Dazu muss man sich einen Audioplayer herunterladen, der die speziell geschützte MP3-Dateien dann abspielt, solange eine Internetverbindung besteht. Dieses Programm wurde nun umgangen, Songs lassen sich mit Hilfe des Programms MusicForMe oder eines kleinen Eingriffs quasi als freie MP3 exportieren, wie Downloadsquad.com ausprobiert hat. Dort wird jedoch auch hervorgehoben: Es ist vielleicht nicht ganz klar, ob Allofmp3 legal ist – die Benutzung von MusicForMe ist es sicherlich nicht!

Disneys eigener Videoplayer

Mit der ganzen Aufregung um tragbare Multimedia-Player, die Audio und Videos abspielen können, sei es nur sinnvoll, so schreibt die New York Times leicht spöttisch, dass Content-Anbieter wie Walt Disney ihre Marken schnappen und sie auf Gadgets kleben. Und so kommt es auch. Der Disney Mix Mac Personal Media Player (DMMPMP) soll etwas größer als der iPod nano werden und MP3s und WMA-Dateien abspielen. Punkten will er jedoch mit einem 2,2-Zoll-Display, das in TV-Qualität Videos und Filme von Disney anzeigen soll. Die werden auf speziellen Speicherkarten für 15 Dollar ausgeliefert, normale SD Memory-Karten nimmt das Gerät jedoch auch an.

Ab nächsten Monat soll der Player für 100 Dollar auf Disneys Shoppingseite erhältlich sein – samt 512 Megabyte internem Speicher und einem Akku, der über den USB-Port eines Computer geladen wird (alte, aber gute Idee, die noch immer nicht verbreitet genug ist). Die Steuerbuttons, so zeigen Bilder, formen einen Mickey-Mouse-Schädel. Einzig besorgniserregend: Das Gerät hat nur einen Audio-Ausgang – damit dürfte es recht schwer werden, seine Filme mit Freunden zu teilen.

Größter iPod, kürzeste Geschichten

Angeblich wurde Ernest Hemingway einst gebeten, eine Geschichte in nur sechs Wörtern zu erzählen. Es gelang ihm: "Zu verkaufen: Baby-Schuhe, nie benutzt." Eine Flickr-Gruppe zum Thema hat sich längst gegründet, und die Nerd-Überzeitung "Wired" hat nun 33 Autoren und fünf Designer gebeten, ihre kurzen Kurzgeschichtenaufzuschreiben. Darunter William Shatner (Abi gescheitert. Kein Stipendium. Erfand Rakete), James Patrick Kelly (Wir küssten. Sie schmolz. Mop, bitte!), Eileen Gunn (Computer, haben wir Batterien mitgenommen? Computer?) und viele mehr. Insgesamt sind es 92 Kurzgeschichten, ein paar davon richtig gut. Die Flickr-Gruppe "Sixwords" hat da mehr zu bieten – im Guten und Schlechten.

Und da ein Bild mehr sagt als sechs Worte, noch eine Meditationsvorlage kurz vor dem Wochenende: der größte iPod des Universums?

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