Netzwelt-Ticker Sichere Unterwäsche dank RFID-Wächter

Merkwürdige Ideen aus der IT-Welt: HP will Webseiten Drucker-gerecht gestalten, Taipeh sein Wifi-Netz ausbauen, weil es unbeliebt ist. Außerdem im Nachrichtenüberblick: ein RFID-Bewacher aus Amsterdam, Lügentests am Telefon und wieder mal Google-Ärger in China.


Eine Gruppe niederländischer Forscher an der Vrije Universität in Amsterdam entwickelt ein tragbares Lesegerät zur Überwachung von Funketiketten, so genannten RFID-Chips. Der RFID Guardian soll anzeigen, wann und von wem RFID-Chips ausgelesen werden. Auf Wunsch blockiert das Gerät dann den Austausch zwischen Chip und Lesegerät oder unterbindet spezielle Funktionen. So können zum Beispiel Kreditkarten– oder Smartcard-Besitzer einstellen, wer welche Information über sie erhalten kann. Um das zu ermöglichen, kann sich der RFID-Guardian als RFID-Chip tarnen.

Damenunterwäsche: Benetton wollte sogar BHs und Slips mit RFID-Funketiketten ausstatten
DPA

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Die Lauscher-Chips sorgen für große Bedenken bei Datenschützern. Eine davon ist Kathrine Albrecht, sie beschrieb in ihrem Buch "Spychips", dass der Modekonzern Benetton plante, solche Chips in Damenunterwäsche einzuarbeiten.

Bisher gibt es den RFID Guardian nur als Prototypen, der auf der Emerging Technology Konferenz letzte Woche vorgestellt wurde. Wie der in der Realität funktioniert, zeigen diverse Demo-Videos auf der Projekt-Website.

Google entschuldigt sich

Wieder einmal sorgt Googles Engagement in China für Aufregung. Nach den Vorwürfen, chinesische Zensoren all zu bereitwillig zu unterstützen, erregt nun ein kleines Programm die Aufmerksamkeit von Bloggern: der Pinyin Input Method Editor (IME). Google benutzt die Software, um die Pinyin-Variante der chinesischen Schriftzeichen ins Hochchinesisch zu übertragen. Sie greift auf eine Datenbank von Googles Konkurrenten Sohu.co zurück - ohne Erlaubnis allerdings. Zu 96 Prozent soll sich Googles Datenbank mit der von Sohu.com decken.

Zwei Tage nach Bekanntwerden dieses peinlichen Details zog Google das Programm zurück und ersetzte es durch eine neue Version – die aber immernoch den alten Fehler machte, so "Ars Technica". Am selben Tag forderte Sohu.com dann Google auf, das Wörterbuch ganz offline zu nehmen und sich für den Datenklau zu entschuldigen. Man prüfe außerdem rechtliche Schritte.

Taipeh-WLAN mit Wachstumsschmerzen

In Taipeh sollte das größte drahtlose Netzwerk (WLAN) der Welt entstehen. Seit dem Start vor 15 Monaten wurden 4200 Antennen für ein stadtweites Funknetz aufgestellt. Allein: Die Begeisterung scheint bei den Bewohnern nicht angekommen zu sein. Gerade einmal 30.000 regelmäßige User zählt das WIFLY-Netz – weit weniger, als die angepeilten 200.000 Abonnementen. Schuld daran sind laut San Francisco Chronicle vor allem angebliche Performance-Probleme und die Konkurrenz durch kostenlose Hotspots. Noch mehr Antennen und Signalbooster sollen WIFLY nun erfolgreich machen.

Der endgültige Erfolg von WIFLY dürfte ähnliche Pläne in anderen Städten beeinflussen. Statt ein einziges kostenpflichtiges stadtweites Funknetz einzurichten wie Taipeh, könnte es sinnvoll sein, viele kleine Netze zu fördern. In Estland hat das funktioniert: 600 Hotspots decken dort 45.000 Quadratkilometer ab.

Mit Lügendetektoren gegen Sozialhilfe-Betrug

In einem Pilotprojekt im Londoner Stadtbezirk Harrow sollen per Stimmanalyse vermeintliche Sozialhilfe-Betrüger erkannt werden. Eine Software soll den Stresslevel von Anrufern bei der Stadtverwaltung feststellen und auf Veränderungen hin untersuchen. Diese Software wird bereits von Versicherungsunternehmen zur "Stimmen-Risikoanalyse" eingesetzt.

Konkret soll das in Harrow nun laut Pressemitteilung so ablaufen: Wer dort wegen Sozialleistungen oder Steuererleichterungen anruft, muss zunächst neutrale Fragen beantworten, aus denen ein Stimmprofil samt Stresslevel erstellt wird. Darauf wird der Anrufer mit tiefschürfenden Fragen konfrontiert. Sollte ihn das besonders stressen, merkt die Software dies, kennzeichnet ihn als möglichen Lügner und leitet ihn an besonders geschultes Personal weiter.

Eine deutsche Zusammenfassung des gespenstisch anmutenden Projekts gibt es im Rabenhorst-Blog.

Hewlett-Packard will den Netz-Drucker

"Ich brauche keinen Drucker" – das sollen die magischen Worte gewesen sein, die Vyomesh Joshi, Senior-Vizepräsident von Druckerhersteller Hewlett-Packard dazu bewogen haben, sich ein paar grundsätzliche Gedanken zum Thema Internet und Drucker zu machen. Der Ausspruch soll von seiner Tochter kommen.

Das Problem: Webseiten werden nicht im DIN A4-Format gestaltet, MySpace-Profile könnte man höchstens auf Endlospapier zu Papier bringen und wer will überhaupt zwei Tage alte Weblog-Kommentare für die Ewigkeit oder zumindest den Altpapiercontainer erhalten? Für viele junge Computeruser ist der Drucker höchstens noch das Mittel, um E-Mails per Schneckenpost an die Eltern verschicken zu können. Und das, wo eben diese jungen User immer weniger private E-Mails verschicken, sondern per Instant Messenger mit Freunden in anderen Städten – oder dem Mitbewohner eine Tür weiter – in Kontakt bleiben.

"Ich brauche keinen Drucker." Wie soll eine Firma, die ein Drittel ihrer Einnahmen mit dem Verkauf von Druckern erwirtschaftet, auf solch eine Aussage reagieren? Vyomesh Joshi hat seine Antwort auf einer Mitarbeiter-Konferenz ausgeführt: Wenn es jungen Leuten unsinnig oder schwierig erscheint, etwas aus dem Netz auszudrucken, muss man es ihnen eben leichter machen. Zum Beispiel durch eine Software, die Webseiten umgestaltet, damit sie auf Standard-Druckerpapier passen, wie der International "Herald Tribune" auf der Konferenz erfahren hat. Ob das seine Tochter überzeugen wird?

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