Netzwelt-Ticker Sicherheitslücke blamiert Facebook

Facebook steht in der Kritik - nun entdeckte ein Hacker auch noch eine peinliche Sicherheitslücke. Außerdem: Der Robin Hood von Riga wurde festgenommen und die Kriminalstatistik zeigt: mehr Betrug, weniger Kinderpornografie. Das und mehr im Überblick.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Wer mit wem - und warum auch nicht?

Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Wer mit wem - und warum auch nicht?

Foto: Marcio Jose Sanchez/ AP

Die Datenschutzprobleme bei Facebook reißen nicht ab: Der amerikanische IT-Sicherheitsexperte M.J. Keith hat herausgefunden, wie Hacker fremde Profilinformationen verändern könnten . Das Problem liegt dabei ausgerechnet bei einem Schutzmechanismus, der genau das verhindern soll - ein geradezu peinlicher Fehler: "Als ob man etwas mit Vorhängeschlössern sichern will, diese aber nicht abschließt."

Um sicherzustellen, dass nur vom Rechner eines eingeloggten Mitglieds Änderungen im Profil vorgenommen werden können, fordern Facebook-Server einen Datenausweis vom fraglichen Browser an. Stimmen diese Informationen in diesem Ausweis nicht mit denen des eingeloggten Mitglieds überein, wird die Änderungsanfrage zurückgewiesen. Wenn ein Hacker diese Überprüfung in einer fingierten Anfrage einfach weglässt, akzeptieren die Facebook-Server alle Änderungswünsche .

Sicherheitsexperte Keith: "Das ist ziemlich schlimm; man könnte viel Schaden damit anrichten." Facebook hat mittlerweile die Sicherheitslücke geschlossen  - aber noch lange nicht das Kapitel Datenschutzprobleme. Auch innerhalb der Firma scheint sich Widerstand gegen Facebook-Gründer Mark Zuckerbergs laxe Haltung zum Schutz der Privatsphäre zu bilden.

Wie das "Wall Street Journal" berichtet, haben Facebook-Angestellte in den letzten Tagen darüber beraten, wie ein besserer Datenschutz im 400-Millionen-Mitglieder-Netzwerk aussehen könnte . Angeblich schon in den nächsten Tagen sollen die Datenschutzeinstellungen vereinfacht werden.

Facebook zum zweiten: Einigung mit Spieleentwickler

Doch Zuckerberg muss noch an einer ganz anderen Front kämpfen: Mit all den Unternehmen, die via Facebook Geld verdienen wollen. Etwa das US-Unternehmen Zynga, das virale Spiele für Facebook entwickelt (FarmVille, MafiaWars, PetVille). Weil der hocherfolgreiche Spieleentwickler längst auch als Geldquelle wichtig für Facebook geworden ist, steckt das soziale Netzwerk im Zynga-Dilemma: Wie wichtig darf eine App relativ zur App-Plattform werden?

Zynga weiß um Facebooks Problem und ging in den vergangenen Wochen zum Angriff über: Wenn Facebook zickt, starte man einfach ein eigenes Spielenetzwerk! Nun die Umkehr: Wie beide Unternehmen gestern bekanntgegeben haben, werde man für fünf weitere Jahre zusammenarbeiten . Zynga akzeptiert das strittige Facebook-Credits-Bezahlsystem und gibt weiterhin 30 Prozent der Einnahmen an Facebook weiter. Was Facebook für die Netzwerkliebe aufzugeben bereit ist, geht aus der Pressemeldung nicht hervor. Gigaom kommentiert : Die beiden Unternehmen haben bemerkt, dass sie einander brauchen, auch wenn sie nicht immer gemeinsame Ziele verfolgen.

Facebook zum dritten: Kostenloser Mobilzugriff

Gleich noch eine Meldung von Facebook: Das soziale Netzwerk hat laut Firmenblog  Deals mit 50 Mobilfunkanbietern in 45 Ländern geschlossen, wonach Mitglieder künftig über die neu eingerichtete Seite 0.facebook.com kostenlos im Ausland mit ihren Mobilgeräten auf das Netzwerk zugreifen können. Deutschland ist bei dem Deal aber augenscheinlich nicht mit dabei.

0.facebook.com ist eine abgespeckte, schnelle Version von Facebook. Derzeit nutzen laut Firmenangaben hundert Millionen Menschen Facebook von ihrem Mobilgerät.

Hacker Neo: Festnahme des Robin Hoods von Riga

Er hackte sich in das lettische Finanzamt, veröffentliche Millionen von Datensätzen über die Einnahmen von Politikern und Amtsträgern: Neo, der Robin Hood von Riga, wollte etwas gegen die Korruption in Lettland unternehmen und für mehr Transparenz in der baltischen Republik sorgen. Jetzt ist der Hacker selbst enttarnt: Ilmars Poikans, ein 31-jähriger Mathematik-Forschungsstudent, steckt hinter den Skandalveröffentlichungen; ein netter, harmlos aussehender Kerl, kein Datenschurke .

Die Polizei - über die er auch peinliche Informationen verbreitete - nahm ihn vergangene Woche fest, ließ ihn aber nach zwei Tagen wieder auf Kaution frei. Jetzt wartet Poikans auf seine Verhandlung: Auf Hacking steht in Lettland eine Strafe von bis zu zehn Jahre Gefängnis. Auf einer Pressekonferenz gab er sich kämpferisch: "Ich wusste, dass mich die Polizei irgendwann abholt." Aber warum, fragte er, sollte er Angst davor haben, der Öffentlichkeit die Informationen zu geben, die sie braucht?

Doch der Vorfall zieht weitere Kreise: Weil sie über den damals noch anonymen Hacker berichtete, führte die lettische Polizei eine Hausdurchsuchung bei der lettischen Journalistin Ilze Nagla durch. ORF Futurezone berichtet  nun, dass das in Wien angesiedelte Internationale Presseinstitut (IPI) in der Polizeiaktion gegen die Journalistin einen Angriff auf die Pressefreiheit  sieht - IPI-Direktor David Dadge sagte, er sei "beunruhigt über das offensichtliche Hinweggehen über den Quellenschutz garantierende Gesetze". Die lettische Polizei hält entgegen, dass es bei der Durchsuchung nicht um die Aufdeckung der Quellen ging, sondern darum herauszufinden, ob Finanzamtdaten auf dem Computer der Journalistin gespeichert waren. Nagla teilte inzwischen über Twitter mit: "Wir haben einen Rechtsstreit begonnen - und es wird nicht der einzige sein!" 

Polizeiliche Kriminalstatistik: Mehr Betrug, weniger Kinderpornografie

Das Bundesministerium des Inneren (BMI) hat die polizeiliche Kriminalstatistik 2009  veröffentlicht (PDF-Datei, 1,13 MB). Netzwelt-relevant sind die Zahlen für Computerkriminalität, das BMI verzeichnet einen leichten Anstieg von 2008 auf 2009 von insgesamt 63.642 auf 74.911 Fälle. Straftaten, die das Ausspähen und Abfangen von Daten betreffen, zählte die Polizei 11.491-mal im Jahr 2009, im Jahr zuvor waren es 7727. Drastisch angestiegen sind die Fälle von Betrug mit rechtswidrig erlangten Daten von Zahlungskarten von 11.124 auf 17.072 Fälle. Straftaten im Zusammenhang mit Urheberrechtsbestimmungen nahmen deutlich ab: von 17.979 auf 11.943 Fälle 2009. Auch die Fallzahlen Besitz und Verschaffung von Kinderpornografie nahmen 2009 stark ab: um 43 Prozent auf 3823 Fälle im Vergleich zum Vorjahr.

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