Netzwelt-Ticker Sony legt ein Ei

Das ist Disco: Sonys neuester MP3-Player sieht aus wie ein Ei, wackelt mit den Ohren und tanzt zur Musik. Wie soll das bloß in der Tokioter U-Bahn funktionieren? Außerdem im Nachrichtenüberblick: Apples erste Million, Youtube für Wissenschaftler und das Ende eines PR-Blogs.


Es ist kein Ei, es ist ein Sony-Ei. Der japanische Unterhaltungselektronik-Konzern hat in Tokio tatsächlich ein geflügeltes Ei vorgestellt, das tanzen kann. Sein Name: Rolly! Der ungewöhnliche Musikplayer in Eiform verfügt über ein Gigabyte Speicher, flügelförmige Ausklapp-Lautsprecher, kleine Rädchen und Leuchtdioden. Ein Fliwatüdeldü?

Sonys Musik-Ei "Rolly": 10,4 Zentimeter lang und 6,5 Zentimeter im Durchmesser spielt der eingebaute Player Musik in den Formaten MP3, AAC und ATRAC ab.
AFP

Sonys Musik-Ei "Rolly": 10,4 Zentimeter lang und 6,5 Zentimeter im Durchmesser spielt der eingebaute Player Musik in den Formaten MP3, AAC und ATRAC ab.

Von Werk aus mit sechs unterschiedlichen "Tanzbewegungen" ausgestattet, rollt, klappt und blinkt Rolly beim Abspielen von Musik über den Tisch – und lässt sich per Software mit neuen Bewegungsabläufen füttern. Die entwirft man entweder selbst am PC oder lädt sie von der Rolly-Communityseiteherunter.

Sony erwartet sicherlich keinen allzu großen Erfolg mit dieser Neuvorstellung, den Musikmarkt wird sie kaum revolutionieren. Aber vielleicht nimmt Rolly ja einen Trend vorweg: Anwender passen Konsumgüter und Unterhaltungsartikel den eigenen Wünschen an. Zauberwort Individualisierung. Bei Autos ist das längst gang und gäbe.

Apples erste Million

Erfolgsmeldung aus Cupertino: Apple hat am vergangenen Wochenende, 74 Tage nach dem Verkaufsstart, das einmillionste iPhone verkauft. Damit läuft die Handy-iPod-Kombi besser als erwartet – Apples Aktienkurs legte umgehend um 3,8 Prozentpunkte zu.

Die frohe Botschaft kommt Apple sehr gelegen: Nach der letztwöchigen Preissenkung des iPhone um 200 Dollar auf 399 Dollar fiel der Aktienkurs zunächst. Die Anleger sahen die Preissenkung wohl als Zeichen schwacher Nachfrage und einer zukünftig deutlich geringeren Gewinnspanne.

Zum Vergleich: Apple brauchte ganze zwei Jahre um eine Millionen iPods zu verkaufen, so Apple-Boss Steve Jobs in einem Statement. Doch eine Million iPhones hin oder her, gegenüber den Verkaufszahlen von Handy-Konkurrent Nokia nimmt sich die Apple-Erfolgsmeldung geradezu lächerlich aus. Nokia verkaufte im letzten Jahr 348 Millionen Mobiltelefone, davon 70 Millionen Musikhandys…

EU fördert Computerspiele

Seit langem wünschen sich europäische Spieleentwickler eine Förderung durch die Politik, schreibt Golem.de. Die Europäische Kommission nimmt sich jetzt dieser boomenden Unterhaltungsbranche an und finanziert sie zusammen mit anderen Multimedia-Projekten aus einem eigenständigen, aber kleinen Fördertopf.

Das Medien-Förderprogramm Media2007 zielt mit einem Budget von nur 1,5 Millionen Euro nun auch auf "interaktive Werke" ab. Vor allem Prototypen von Spielen für PCs, Konsolen, Handhelds und Handys sind damit gemeint. Entwicklerstudios soll bei der Konzeption, der Suche nach Partnern, beim Rechte-Erwerb, dem Design, der Programmierung und der Entwicklung von Marktstrategien unter die Arme gegriffen werden.

Spielefirmen, die seit dem 1. Januar 2005 bereits ein Produkt erfolgreich entwickeln konnten, einen Hauptsitz in Europa oder Media2007-Teilnehmerländern haben, können sich zunächst bis zum 15. November 2007 für die Unterstützung bewerben. Ein zweiter Antragszeitraum läuft zwischen dem 16. November 2007 und dem 15. April 2008. Zwischen 10.000 und 100.000 Euro gibt es pro Projekt. Konzepte, die die kulturelle Vielfalt Europas thematisieren, werden besonders gefördert. Die Details führt die European Games Developer Federation und die Medienförderungs-Webseiten der Europäischen Kommission auf.

Und wieder ein PR-Blog dahin

A propos Youtube: Letzte Woche platzte mal wieder eine all zu schöne Internetblase, als sich herausstellte, dass die hübsche Sängerin und Gitarrenspielerin Marié Digby doch gar nicht so ein blutiger Amateur ist, für den sie sich bei Youtube und MySpace ausgab. Sie hat viel mehr einen Vertrag beim Disney-Label Hollywood Records, einen professionellen Plattenvertrag, ein professionelles Management und einen professionellen Produzenten. Das "Wall Street Journal" schrieb die Details auf.

So sinnierend fällt einem dann plötzlich auf, dass vor genau einem Jahr ja das Lonelygirl aufflog. Doch an die pseudoauthentische Youtube-Soap kann man sich heute kaum noch erinnern…

"The Register"ätzt nun ein wenig gegen den Wahnsinn, der in manchen Blogs über diesen Skandal ausgebrochen ist, stellt aber im gleichen Atemzug die wichtige Frage: Was ist Authentizität und kann es sie im Popgeschäft überhaupt geben?

SciVee.tv: Wenn Wissenschaftler Videos drehen

Dramatische Streicher aus dem Synthesizer – dann setzt die E-Gitarre ein. "Regelmäßigkeit in spontanem Verhalten" heißt das Video. Als Zuschauer rückt man nach vorne auf dem Stuhl. Werden Anarchisten gleich den Tod der Gesellschaft ausrufen? Stürmen halbstarke Jugendliche begleitet von einer Videokamera eine Party?

Währenddessen hat eine nicht weniger dramatische Stimme allerdings schon die Erwartungen zurechtgerückt: Es geht um Fruchtfliegen. Und darum, ob sie einen freien Willen haben. Das Video gilt nur als Unterstützung des wissenschaftlichen Texts zu seiner Rechten.

Björn Brembs vom Institut für Biologie an der Freien Universität Berlin erforscht Lernverhalten und teilt seine Ergebnisse und Funde mit anderen Forschern auf dem Videoportal Scivee.tv – einer Art Youtube für Wissenschaftler.

Das funktioniert erstaunlich gut. Die Autoren selbst führen per Video und Illustrationen durch ihre Forschungsarbeiten, die es auch in Textform getrennt zum Download gibt. Das ist besser als eine Powerpoint-Präsentation und erhellender, als dröger Text allein je sein kann.

Nur: Für den Laien sind die oft locker und munter dargestellten Präsentationen meist kaum zu verstehen. Auf Scivee.tv geht es erstaunlich ernst um Wissenschaft, verpackt mit den Möglichkeiten des Internets: Channels, Tags, Community und Teamarbeit. Und ganz ehrlich: Scivee.tv ist clever und interessant gemacht. Im Gespräch mit Ars Technica erklärt Scivee-Gründer Philip Bourne, wie er das hinbekommen hat.

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