Netzwelt-Ticker Sony ruft 400.000 Kameras zurück

Etwas Abwechslung: Statt explodierender Akkus ärgern Sony jetzt schneidende Kameras, der Bundestrojaner hat einen neuen Namen, und Windows Vista wird billiger - in China. Das und mehr im Nachrichten-Überblick.

Als ob Sony nicht schon genug Probleme mit brennenden und explodierenden Notebook-Akkus hätte, nun gibt es auch noch Ärger mit einer Digitalkamera . Die Japaner haben gestern eine Rückrufaktion für das Modell "DSC-T5 Cyber-shot" gestartet, von der Aktion sind über 400.000 Geräte betroffen.

Bei einigen der seit September 2005 verkauften Kameras hatte sich die Bodenplatte verformt, so dass eine Kante überstand und für den Fotografen Verletzungsgefahr durch Schnittwunden bestand. Bisher haben sich an die 30 Betroffene gemeldet, vor allem aus Japan selbst.

Allerdings wurde der größte Teil der mangelhaften Charge mit den Seriennummern 4500001 bis 4569350 nicht in Japan verkauft, sondern ging nach China, Europa und in die USA. Wer eine dieser fehlerhaften Kameras besitzt, soll sich mit dem Sony-Kundendienst in Verbindung setzen, der für einen kostenlosen Ersatz der defekten Metallplatte sorgt.

BKA tauft Bundestrojaner um

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat erstmals technische Details zur Funktionsweise des sogenannten Bundestrojaners veröffentlicht. Das Schnüffelprogramm, mit dem Beamte die Computer Verdächtiger ausspähen wollen, soll eine Art aufgebohrter Keylogger sein. Die Software schneidet alle Tastatureingaben mit und umgeht so auch eine etwaige Verschlüsselung – das behaupten BKA-Vertreter im Gespräch mit dem Computer-Magazin "Chip". Die Beamten versichern, die Software würde nicht über E-Mails und Sicherheitslücken des betroffenen PCs eingeschleust.

Die Standard-Vorgehensweise sei, dass Beamte unbemerkt in die Wohnung des Verdächtigen eindringen, die IT-Ausstattung analysieren und das weitere Vorgehen darauf abstimmen. In der Regel das "Remote Forensic Software" (RFS) genannte Schnüffelprogramm bei einem zweiten Einbruch installiert, seine Erkenntnisse würde es dann unbemerkt an BKA übertragen. (lis)

30 Jahre Knast für Spammer

Lange galt er als König der Spammer, jetzt steht er ganz oben, was die Länge der Haftstrafe angeht: Der Amerikaner Christopher William Smith wurde von einem Bundesgericht in Minneapolis zu einer Gefängnisstrafe von 30 Jahren verurteilt . Mit seiner im Jahr 2005 aufgeflogenen Masche hatte er umgerechnet 17,5 Millionen Euro verdient. Der 27-Jährige wurde nun für schuldig befunden, in großem Umfang Spam-Werbung für Arzneien betrieben und Medikamente illegal verkauft und gefälscht zu haben. Dass er sich der Verfolgung zunächst durch Flucht in die Dominikanische Republik entzogen hatte, dürfte sein Strafmaß ebenso erhöht haben wie seine Versuche, eine frühere Partnerin durch Erpressung und Bedrohung ihrer Kinder von einer Aussage abzuhalten. Die hatte sich den Behörden als Kronzeugin angeboten, was sich nun bei der Strafzumessung sehr günstig auswirkte, ein Jahr auf Bewährung und 40 Stunden gemeinnützige Arbeit waren der Lohn. Überdies hatte Smith noch versucht, sich mittels eines Auftragskillers seiner Ex-Ehefrau und deren neuen Partners zu entledigen.

Windows Vista halb so teuer - in China

Wie immer tritt Microsoft mit dem Anspruch des Weltkonzerns an, der seine Produkte rund um den Globus verkauft. Da macht Windows Vista keine Ausnahme, nur mit dem Hindernis, dass sich die 100 Euro für die Basisversion in vielen Gegenden der Welt nur wenige leisten können. Also geben die Redmonder jetzt tüchtig Rabatt, ehe ein möglicher Konkurrent in lokale Märkte einbrechen kann. Beispiel: China. Dort übersteigen die Kosten für die teureren Vista-Versionen schnell das durchschnittliche Monatsgehalt, weshalb seit dem 1. August neue Endverbraucherpreise gelten: alles für die Hälfte . Angefangen bei Vista Home Basic, das jetzt für 50 Euro zu haben ist, bis zur Ultimate-Version mit 240 Euro ist die ganze Palette betroffen. Mit diesem Schritt will Microsoft dem bisher mehr als schwächelnden Verkauf im Reich der Mitte auf die Beine helfen, seit dem Verkaufsstart konnte selbst einer der größten Händler des Landes nicht mehr als 4000 Lizenzen an den Mann bringen. Der Erfolg der Aktion ist allerdings fraglich: Immerhin gibt es in China eine wohlorganisierte Raubkopiererszene, die für ausreichend günstige Alternativen sorgt. Wer will, bekommt die Piratenversion von Vista auf der Straße schon für 50 Cent.

Festnetz teurer, Handy und Internet billiger

Das Statistische Bundesamt hat heute neue Zahlen für die Preise bei Telekommunikationsdienstleistungen veröffentlicht . Demnach sanken die Kosten für Internetnutzung von Juli 2006 bis Juli 2007 um 5,8 Prozent, auch Telefonate mit dem Handy verbilligten sich in diesem Zeitraum um 2,8 Prozent. Dagegen scheint im Festnetzbereich vorerst das Ende des Preisverfalls erreicht zu sein, hier stieg der Preisindex sogar wieder leicht an: um 1,7 Prozent. Vor allem die Inlandsferngespräche schlagen wieder deutlich teurer zu Buche, Kunden mussten dafür drei Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr.

Rassismus: Facebook verliert Vodafone als Anzeigenkunden

Schon wieder schlechte Nachrichten für die Online-Plattform Facebook: Der britische Telko Vodafone hat seine sämtlichen Anzeigen storniert, nachdem diese auch auf dem Profil der "British Nationalist Party" erschienen waren . Diese rechtsextreme Gruppierung hat es sich unter anderem zum Ziel gesetzt, alle nicht weißen Menschen aus Großbritannien "zurück in die Heimat" zu schicken. Ein international operierender Konzern wie Vodafone hat verständlicherweise nicht das geringste Interesse, in einem Atemzug mit einer Gruppe von Rassisten genannt zu werden - in welcher Weise auch immer.

Entsprechend sauer ist man bei den Mobilfunkern jetzt auf Facebook - wie auch auf die Anzeigenagentur OMD, die für die Schaltungspanne verantwortlich ist. Andere Konzerne scheinen die Angelegenheit entspannter zu betrachten: Unternehmen wie T-Mobile, Virgin Media oder Orange scheuen sich scheinbar weniger vor Werbeauftritten auf der Facebookseite der "British Nationalist Party". Auf jeden Fall bleibt die Erkenntnis, dass man im Zeitalter der sozialen Netzwerke sorgfältig darauf achten sollte, in welchem Umfeld man sich bewegt. Der Weg in den übelriechenden und rufschädigenden Morast ist kürzer, als mancher denkt.

Googles Macht

Kaum ändert Google seinen Suchalgorithmus, fallen die Zugriffe auf andere Seiten, die auf Google-Referrern beruhen. Answers.com-Chef Bob Rosenschein zum Beispiel stellte unmittelbar nach den Veränderungen bei Google einen um 28 Prozent verringerten Datenverkehr fest . Für werbefinanzierte Seiten kann sich das zu einer empfindlichen finanziellen Delle auswachsen, hängen die Anzeigenpreise doch unmittelbar am realisierten Traffic. Google kontrolliert also auch die Finanzmärkte - wer hätte das gedacht?

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