Netzwelt-Ticker Street View? Harmlos gegen Webcams und Luftbilder!

Die allgemeine Aufregung über Google Street View drängt die Beachtung anderer, viel weitergehender Dienste in den Hintergrund. Außerdem: Sky setzt auf Kabelkooperation und Apple wendet grässliche Gefahr durch einen Eierbecher ab. Das und mehr im Überblick.

Street View: Was sind Straßen- im Vergleich zu Luftbildern oder Blicken ins Kinderzimmer?
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Street View: Was sind Straßen- im Vergleich zu Luftbildern oder Blicken ins Kinderzimmer?


Street View und kein Ende: Derzeit überbieten sich Politiker mit markigen Forderungen gegen Googles Straßenfotodienst, dabei stellt der Service des Suchmaschinisten nur ein Angebot unter vielen dar. Die meisten Deutschen wissen überhaupt nicht, was alles so an Geodatensammlungen existiert. Dass es noch weitere Straßenfotofirmen gibt, die Angebote wie Sightwalk, Prima-facie oder Norc unterhalten, mag noch dem einen oder anderen bewusst sein. Aber die Bildersammelwut geht längst darüber hinaus, und ihre wichtigsten Protagonisten sind Otto Normalverbraucher - und der Staat selbst.

Die "FAZ" weist darüber hinaus auf ein Medium hin, das nicht nur Motive von irgendwann online stellt, sondern die Netzgemeinde in Echtzeit versorgt: Webcams. Die gibt es inzwischen auch in Deutschland an den unterschiedlichsten Orten, an Straßenkreuzungen, Hauseingängen, Tiergehegen im Zoo, in Kinderzimmern. Fast alle Gefilmten bekommen nichts davon mit, dass sie gerade zu Online-Stars avancieren. Schlimmer noch wird es, wenn Hacker in die Rechner argloser Schüler eindringen und ihre Webcams auf 24-Stunden-Betrieb umstellen.

Wie sehr inzwischen auch der Staat in der elektronischen Bilderwelt mitmischt, zeigt die Flensburger "SHZ". Denn schon seit Jahren fliegen im Auftrag der Landesregierungen Flugzeuge mit hochauflösenden Kameras übers Land und lichten jedes Detail ab.

Allein für Schleswig-Holstein gilt: "Alle zwölf Monate wird so etwa ein Fünftel der Landesfläche erfasst", wie das Landesvermessungsamt in Kiel gegenüber der "SHZ" erklärte. Die Fotoflieger sollen dabei vor allem nicht genehmigte Schwarzbauten aufspüren und damit dem Fiskus zusätzliche Einnahmen bescheren (hier ist Google Earth zwar noch effektiver, aber weniger aktuell: der Bildbestand ist in der Regel mehr als zwei Jahre alt). Auch das Landwirtschaftsministerium war sehr daran interessiert, betrügerischen Bauern beim Subventionsbetrug mit der Stilllegungsprämie auf die Schliche zu kommen.

Doch damit sind die Verdienstmöglichkeiten noch längst nicht ausgeschöpft. Die Landeskinder und ihre Liegenschaften werden ohne ihr Wissen richtiggehend vermarktet. Luftbilder und dazugehörige Daten werden zum Wohle des Geomarketing an private Interessenten verkauft. So plane die Stadt Kiel, ein fotografisches Kataster sämtlicher Hausdächer für 91.000 Euro anzubieten. Zur Freude der Solarindustrie.

Die bundesweit gesammelten Daten über den Fahrzeugbestand der Deutschen werden vom Kraftfahrtbundesamt in Flensburg versilbert. Die "SHZ": "Dabei werden jeweils rund 20 Haushalte zusammengefasst, über die das Amt verrät, welche Automarken sie fahren, wie viele Neu- und Gebrauchtwagen vorhanden sind und wie viel PS die haben." Und schon wissen Banken und Geomarketer mehr übers Stadtviertel als die Einwohner selbst.

Dass nun gerade Google mit seinem Street-View-Angebot so in die Schusslinie gerät, habe psychologische Gründe, wird Schleswig-Holsteins Datenschützer Thilo Weichert zitiert. "Schlimm ist für die Leute nur, was sie sich vorstellen können". Da sei Street View sehr konkret. Welche Daten jedoch von den Bürgern sonst schon jetzt vorhanden seien und wie sie verwertet werden könnten, davon "haben nicht einmal die Politiker, die jetzt Kontrollgesetze verabschieden wollen", eine Ahnung, so Weichert.

Kabel-Kooperation soll Sky retten

Beim Pay-TV-Anbieter Sky (und seinen Vorgängern) hat die Farbe Rot schon Tradition, denn in dieser Farbe schreibt das Unternehmen seit seiner Gründung in der Regel seine Bilanzen (in 20 Jahren Firmengeschichte von Premiere, DF1, Premiere World und Sky gab es nur wenige Quartale mit positivem Ergebnis). Trotzdem halten die Verantwortlichen unverdrossen an der Vision blühender Bezahllandschaften fest.

Umso mehr, weil sich Sky jetzt durch die Zusammenarbeit mit deutschen Kabelfirmen Zugriff auf deren Kundenstamm erhofft. So sollen endlich Neu-Abonnenten in nennenswerter Zahl gewonnen werden. Derzeit verhandele Sky mit einer Reihe von Kabelanbietern, "darunter auch Kabel Deutschland und Unitymedia, aber auch mit anderen potenziellen Distributionspartnern. Wir sind zuversichtlich, dass die Verhandlungen in den nächsten Monaten positiv abgeschlossen werden", so Sky-Vorstandschef Brian Sullivan zum "Handelsblatt". Die neue Kooperation solle mehr Effizienz im Wettbewerb mit der Deutschen Telekom bringen. Dazu seien erstklassige Inhalte im TV-Angebot vonnöten, "solche Inhalte können nur wir liefern", so Sullivan.

Die Pläne könnten sich tatsächlich für beide Seiten rechnen. Sky darf von Millionen potentieller Neukunden träumen, die Kabelnetzbetreiber könnten dagegen endlich eine schmerzliche Lücke schließen und Spiele der Fußball-Bundesliga ausstrahlen. Über entsprechende Rechte verfügt neben Sky auch der rosarote Riese Telekom, der den Kabelanbietern mit seinem IPTV-Angebot Konkurrenz machen will.

Gesichtserkennung mit dem Handy vorgestellt

Biometrische Zutrittskontrolle ist inzwischen ein alter Hut, aber jetzt macht Nokia die Gesichtserkennung mobil. Gemeinsam mit Forschern der Universität Manchester wurde eine Software entwickelt, die mit der Kamera erfasste Gesichter live erkennen und verfolgen kann. Für den Handybesitzer soll diese biometrische Gesichtserkennung die umständliche Passworteingabe zum Beispiel für den eigenen E-Mail-Account ersetzen.

Wie "Heise" berichtet, bestand die besondere Herausforderung sowohl in den eher bescheidenen Rechenkapazitäten handelsüblicher Handys als auch in deren begrenzter Bildqualität.

Mexikanische Stadt führt flächendeckende Iris-Scans ein

Von den Vorteilen biometrischer Überwachung zeigt sich der Bürgermeister im mexikanischen León überzeugt. Mit Hightech-Hilfe wolle er die Millionenstadt zur sichersten Stadt der Welt machen. Die Iris-Sensoren sollen dabei in der Lage sein, Menschen auch dann zu identifizieren, wenn sie in Bewegung sind.

In einem ersten Schritt sollen die Geräte in Gerichtsgebäuden, Polizeiwachen und Gefängnissen installiert werden. Doch die Pläne gehen weiter. Nach und nach sollen auch Banken, Busse, Krankenhäuser und öffentliche Plätze in das Überwachungsnetz einbezogen werden. Straftäter würden obligatorisch eingescannt, ihre Daten in einer städtischen Datenbank gespeichert.

Doch auch unbescholtene Bürger sollen das System nutzen können und sich einscannen lassen. "In Zukunft wird das, was man öffnen will - das eigene Haus, das Auto, die Tür zum Büro - mit einem einzigen Schlüssel zugänglich sein, der Iris", so Jeff Carter, Chef des Biometrie-Unternehmens Global Rainmakers, das mit León zusammenarbeitet.

In der Biometrie-Branche gilt der Iris-Scan derzeit noch als eine der sichersten Identifizierungsmethoden. Neueste Forschungen deuten aber darauf hin, dass der Augen-Scan durchaus kein unveränderliches Merkmal erfasst: Nicht nur Erkrankungen können Merkmale der Iris verändern, offenbar verändert sich die Iris auch sukzessive im Laufe des Alterungsprozesses. Um den Sicherheitsstandard von Iris-Scans zu wahren, müsste man demnach periodisch neuen Bilder erfassen.

GEZ will Gebühren von Katze

Die GEZ hat großen Geldbedarf. So groß, dass sie ungeprüft auch von Adresshändlern gekaufte Daten zu Zahlungsaufforderungen nutzt. Dabei geraten die erstaunlichsten Adressaten ins Visier der Gebühreneintreiber. Nach toten Kindern und einem toten Dackel ist es nun eine Berliner Katze namens Moni, die endlich zahlen soll.

Der Stubentiger war wohl in die Datenbank geraten, weil ihre Besitzerin einmal ihren Namen bei einem Onlinekauf benutzt hatte. Und die GEZ war beharrlich, zum Ärger der Katzenfreundin, die der "BZ" erzählte: "Das ist jetzt der vierte an Moni adressierte Brief der GEZ, in der sie aufgefordert wird, Gebühren zu zahlen." Jedes Mal, wenn wieder ein Brief angekommen sei, hätte sie der GEZ mitgeteilt, dass Moni eine Katze sei. "Doch die haben gar nicht reagiert. Nach einem Jahr kam der nächste Brief."

Verwechslungsgefahr von iPod und Eierbecher gebannt

Wer kennt schon einen deutschen Haushaltswarenhersteller mit Namen koziol und seinen Eierbecher "eiPOTT"? Selbst hierzulande wohl die wenigsten - bisher jedenfalls.

Denn der Rechtsabteilung des Unterhaltungselektronikers Apple entgeht nicht der kleinste Angriff auf ihre Markenrechte. Also strengte sie vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg ein Verfahren an und erwirkte eine einstweilige Verfügung. Die untersagt es koziol bei Strafe von 250.000 Euro, den Eierbecher noch unter dem alten Namen zu verkaufen. Der sei zwar witzig, aber eine schützenswerte Schöpfungshöhe könne das Gericht darin nicht erkennen.

Auch wenn die "gravierende Gefahr für die Marke Apple", wie Koziol in einer Mitteilung lästert, nun gebannt ist, verwunderlich sei der Gerichtsentscheid schon, denn koziol dürfe "zwar jedes andere Produkt seines Sortiments eiPOTT nennen, nur eben keinen Eierbecher".

Az: 5 W 84/10

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