Netzwelt-Ticker Strom, Bild und Daten aus dem Superkabel

Ein neuer Kabelstandard soll Schluss mit dem Kabelchaos machen, ein Tiefseekabel Westafrika mit schnellem, billigem Internet versorgen und ein Programmier-Hack zeigen, dass etwas an Apples Antennen-Entschuldigung faul ist. Das - und das Ende der Hauptsätze der Thermodynamik - im Überblick.

Universalkabel HDBaseT: Alles in einem, inklusive Strom

Universalkabel HDBaseT: Alles in einem, inklusive Strom


Fernsehsignale, Internetdaten, sogar Strom kann ein neues "Superkabel" leiten, das ab Herbst dieses Jahres unter dem unhandlichen Namen HDBaseT das Kabelchaos hinter Fernsehbänken und Heimkino-Setups eindämmen soll. HDBaseT, ein Standard eines Tech-Konsortiums, in dem LG, Samsung, Sony und Valens vertreten sind, soll unkomprimierte Full-HD-Videosignale, Audio, Daten mit 100 Mbit bis zu 100 Meter weit übertragen (PDF-Datei, 84 KB).

HDBaseT soll darüber hinaus alle möglichen Multimedia-Geräte in Adhoc-Netzwerken zusammenbringen können. Doch der wahre Clou dürfte die Stromversorgung sein. Zwar ist Energie via Datenkabel beispielsweise via USB-Kabel überhaupt nicht neu. Ein USB-Anschluss aber versorgt Handys und MP3-Player nur mit bis zu 9 Watt, Firewire schafft potentiell gerade 60 - doch das HDBaseT-Kabel versorgt Endgeräte mit bis zu 100 Watt elektrischer Energie, genug für einen mittelgroßen LED- oder LCD-Fernseher.

Im Gegensatz zur Kabelkonkurrenz (HDMI, DiiVA, DisplayPort) setzt HDBaseT auf weit verbreitete Cat5e/Cat5-Kabel, wie man sie im Elektromarkt kaufen kann. Und auch der Stecker ist eine klassische Netzwerk-Tatze, wie man sie aus dem Büro kennt.

Doch wem ein neuer Kabelstandard nicht gerade kitzlige Finger zaubert, wer brauchbare Kabelchaoshilfe sucht, der sollte die vielen Kabel-Organisier-Tipps vom Blog für lebenspraktische Fähigkeiten Lifehacker.com studieren: Dort steht, wie ein Baumarkt-Besuch das Ende des Kabelchaos einläuten kann.

Tiefseekabel: Breitband für Westafrika

Pünktlich zum Wochenende wurde ein Unterseekabel zwischen Afrika und Portugal in Betrieb genommen, das einem der weltweit am schnellsten wachsenden Telekommunikations-Märkte einen günstigen und zuverlässigen Internetzugang gewähren soll. Damit wurde Phase eins des gewaltigen 14.000-Kilometer-Projekts der afrikanischen Kabelfirma MainOne Cable erfolgreich abgeschlossen und rund 7000 Kilometer Unterseekabel verlegt.

Als erste afrikanische Staaten profitieren Ghana und Nigeria vom Breitbandzugang, der laut Pressemeldung der Kabelfirma MainOne Cable bis zu "hundertmal schneller" sein soll, als die bis dahin typischen Internetzugänge. In einer zweiten Phase soll das Kabel Kapstadt erreichen, Abzweigungen sollen entlang der Strecke in Marokko, auf den Kanaren, im Senegal, der Elfenbeinküste, in Gabun, der Demokratischen Republik Kongo und in Angola eingerichtet werden.

Das neue Kabel überträgt Daten mit einer Bandbreite von 1,92 Terabyte pro Sekunde, zehnmal mehr als mit dem aktuellen South Atlantic Terminal (SAT-3) möglich ist, Nigerias bisherigem Unterseekabel-Internetanschluss.

Eine feine Sache für Afrikas Westen, die man im Süden des Kontinents in den nächsten Wochen mit einigem Neid beobachten wird: Südafrika ist seit Dienstag in weiten Teilen offline, zumindest aber nur auf dem Daten-Fahrradweg unterwegs, nachdem eines der wichtigsten Seekabel, dass Südafrika mit dem Netz verbindet, ausgefallen ist.

Frash ist Flash für iPad und iPhone

Da gibt sich Apple so große Mühe, die Multimedia-Software Flash schlechtzureden - veraltet, sicherheitsanfällig, batterieraubend, nicht Touchscreen-geeignet sei diese - da zeigt ein Hobbyentwickler, dass Flash eigentlich ganz gut auf dem iPad (und bald auch dem iPhone) funktioniert. Wer seine Frash-Software auf so einem freigeschalteten ("Jailbreak") Gerät installiert, kann im iPad/iPhone-Browser Safari Mobile Flash-Inhalte abspielen.

Aber - und dieses Aber ist kein kleines - ausgerechnet mit Flash-Videos kann Frash nichts anfangen. Dafür wäre laut Entwickler "eine gehörige Portion Reverse-Engineering des Video-Dekoder-Frameworks des iPhones" nötig. Oder für Laien: Um Frash braucht man sich nicht zu kümmern, da der einzige triftige Grund für Flash auf iPhone und iPad eben YouTube-Clips, Streaming-Serien und Porno-Streifen wären. Von einem "Waterloo für Apple", wie Technologizer titelt, kann man also bestimmt nicht sprechen.

Sammelklagen gegen Apple, neue Probleme

Apropos Apple: Die Antennenprobleme des iPhone 4 ziehen jetzt tatsächlich gleich mehrere Sammelklagen nach sich. Valleywag zählt mindestens vier Klagen, die Apple wegen der Empfangsprobleme mit dem neuen Handy rannehmen wollen. Dabei hatte sich Apples PR-Abteilung doch noch vergangene Woche mit einer geradezu absurden Ausrede herauszureden versucht: Die Empfangsprobleme gebe es gar nicht, aufgrund eines fehlerhaften Algorithmus zeigte das Gerät einfach zu wenige Empfangsbalken an.

Doch ein noch in derselben Woche veröffentlichter Hardwaretest des IT-Blogs AnandTech straft Apple in gewisser Weise Lügen: Brian Klug und Anand Lal Shimpi hackten ihre iPhone 4, lasen die Empfangsstärke direkt von der iPhone-Software aus, bevor diese in grob fünf Empfangsbalken umgerechnet wurde. Die Kurzfassung eines langen, interessanten Tech-Artikels: Wer das iPhone 4 falsch hält, muss mit schlechtem Empfang rechnen. Aber insgesamt sei der Empfang besser als bei anderen iPhones und die Balken-Darstellung tatsächlich missverständlich - das Problem ist in signalstarken Gebieten unsichtbar und in signalschwachen überdeutlich.

Trotzdem: Ein Testbericht im Fscked-Blog beleuchtet schlechte Datenübertragungsraten, sobald die beiden Antennenhälften, die den iPhone-Mantel darstellen, überbrückt sind. Und offenbar ist die Antenne nicht die einzige Schwachstelle des iPhone 4: In Internetforen häufen sich die Berichte, wonach der Näherungssensor des iPhone 4 nicht zuverlässig sich ihm nähernde Gesichter registriert und daraufhin das Touchscreen-Display nicht deaktiviert. Folge: Wer sich das iPhone 4 beim Telefonieren zu nah ans Gesicht hält, tippt mit Ohr und Wange munter auf dem Touchscreen herum.

Surftipp: Jede Menge Mädelnamen, jede Menge Rohre

So richtig gut und lustig ist das Internet immer dann, wenn es monothematisch zugeht. Im Ernst: Um Einzelthemen können sich nur Privatpersonen mit der gebührenden Begeisterung kümmern - sie leisten Dinge, die kommerzielle Web-Unternehmen schlicht nicht auf dem Radar haben.

Wer käme zum Beispiel darauf, dass es ein so lohnenswertes wie unerschöpfliches Thema sein könnte, Bilder von allen möglichen Produkten zu sammeln, die Frauennamen tragen? Klingt doof? Ist es ja auch - vor allem in der Häufung: Erst wenn im Blog Damennamen die Strumpfhose Jasmin in einen visuellen Dialog mit dem Strandkorb (oder sollte man hier besser sagen: der Strandkörbin?) Jule, der Keksin Victoria, der Feuerzeugbenzinin Cora und der Süßkartoffel Carmy tritt, wird die ganze Absurdität des Themas offensichtlich. Monothematik kann aber auch lustig sein, wenn sie weniger subtil daherkommt - dann muss nur das Thema in sich doof genug sein, wie diese Sammlung von Bosozoku-getunten Fahrzeugen zeigt.

Und Ihre Surftipps? Schreiben Sie uns Ihre witzigsten Web-Funde: Wir sind gespannt, E-Mail genügt.

Blog Damennamen.de: Alles, was wie Mädchen heißt

Blog Damennamen.de: Alles, was wie Mädchen heißt

pat

Warum E-Demokratie so eine gute Idee ist

Die Regierung des Vereinigten Königreichs wollte Demokratie üben, befragte ihre Bürger per Website nach Gesetzen, die abgeschafft werden sollten. Tatsächlich gibt es dort viele - augenscheinlich - gute Ideen und durchdachte Vorschläge.

Die meisten erreichen nicht einmal Stammtischniveau. Viele sind erzkonservativ, demagogisch, zeugen von persönlichen Kränkungen, andere von Verbissenheit in absurde Details. Vielleicht aber erschien die Website vielen Bürgern auch als zu anbiedernd, als dass man sie ernstnehmen - oder auch nur ignorieren könnte.

Jedenfalls boykottieren sie das Angebot mit so kreativen wie wenig zielführenden - und von den Forumsmoderatoren eifrig bekämpften - Vorschlägen wie: "Schafft die Schwerkraft ab" oder "Widerruft den ersten, zweiten, gleich alle Hauptsätze der Thermodynamik!" Begründung: Gelte etwa der dritte Hauptsatz der Thermodynamik nicht, könnten Maschinen gebaut werden, die ewig halten und eine nie versiegende Quelle günstiger Energie sein könnten." Wär die Welt so einfach, dann wären wir es auch…

Weitere Meldungen



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Joseph Tura 06.07.2010
1. Wenn man keine Ahnung hat...
"Aber - und dieses Aber ist kein kleines - ausgerechnet mit Flash-Videos kann Frash nichts anfangen. Dafür wäre laut Entwickler "eine gehörige Portion Reverse-Engineering des Video-Dekoder-Frameworks des iPhones" nötig. Oder für Laien: Um Frash braucht man sich nicht zu kümmern, da der einzige triftige Grund für Flash auf iPhone und iPad eben YouTube-Clips, Streaming-Serien und Porno-Streifen wären. Von einem "Waterloo für Apple", wie Technologizer titelt, kann man also bestimmt nicht sprechen." Das ist der größte Käse den ich je gelesen habe. Erstens gibt es bei YouTube eine Beta, die Videos bereits in HTML5 abspielt, zweitens gab es schon Ankündigungen der großen Pornoanbieter, sich zukünftig auf HTML5 konzentrieren zu wollen und drittens geht es bei Flash doch nicht nur um Video. Im Gegenteil: Video ist so ziemlich der einzige Bereich, in dem HTML5 sofort Flash ablösen könnte. Aber man kann damit doch so viel mehr machen! Für Laien... dass ich nicht lache.
Wer ich wirklich bin, 06.07.2010
2. prima gerät
Man kann also mit dem iGerät kaum telefonieren und wenn es denn mal gehen sollte, dann "tippt" man mit dem Ohr wunderliche Dinge aufs Display. Flash kann es auch nicht und der App-Store ist prüde wie ein Taliban. Und das alles für nur 700 Euro! Wenn Microsoft sowas gebracht hätte, würde sich die Presse gar nicht mehr einkriegen.
enkidu78 06.07.2010
3. flash
"um Frash braucht man sich nicht zu kümmern, da der einzige triftige Grund für Flash auf iPhone und iPad eben YouTube-Clips, Streaming-Serien und Porno-Streifen wären." nur eine Randerscheinung ? Der Großteil medialer web-Inhalte wird nach wie vor als flash bereitgestellt. Auf die streaming-serien möchte ich zB. nicht verzichten. Wie gut oder schlecht das Format an sich ist, spielt auch keine Rolle. Bis es durch einen Nachfolgestandard ersetzt ist, will ich es natürlich trotzdem nutzen. Zu Systemabstürzen (wie Steve meint) hat es bei mir jedenfalls noch nicht geführt ^^ Außerdem hat Apple, das sein app-geschäft durch flash applikationen bedroht sieht, mit dem Formatkrieg nichts gewonnen. (vielleicht ein paar Ehen gerettet) HTML5 ist in dieser Hinsicht nämlich noch potenter: Google hat kürzlich in einem Projekt Quake2 als browsergame auf HTML5 laufen lassen.
orosee 07.07.2010
4. Thermodynamik...
"Begründung: Gelte etwa der dritte Hauptsatz der Thermodynamik nicht, könnten Maschinen gebaut werden, die ewig halten und eine nie versiegende Quelle günstiger Energie sein könnten." Naja, nicht ganz. Er meinte wohl den zweiten HS.
MaryAngel 07.07.2010
5. HDBaseT
Hallo, die Bezeichnung find ich nicht unhandlich, sie ist endlich mal konsequent. 100BaseT (bzw. in einer Abwandlung) hat doch fast jeder schon zu Hause - man nennt es umgangssprachlich nur Netzwerkkabel :)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.