Netzwelt-Ticker Surfer sollen sich selbst überwachen

Wenn schon automatische Filter nicht funktionieren, sollte man sich wenigstens selbst kontrollieren, fordert ein Musik-Manager. Apple plant ein Ladengeschäft in München, das Innenministerium ein zentrales Melderegister. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.


Cary Sherman ist der Boss der RIAA, also des Verbandes der nordamerikanischen Tonträgerindustrie. Die versucht gerade durchzusetzen, dass Internet-Anbieter die Datenströme ihrer Kunden mit Filtersoftware auf Raubkopien hin durchsuchen. Ein Projekt, das zum Scheitern verurteilt scheint: Immer mehr Filesharer verschlüsseln ihre Daten. Durch Internet-Filter rauschen solche Daten einfach durch.

Kampagne gegen Raubkopien: Sollen sich die Anwender künftig selbst kontrollieren?
DDP

Kampagne gegen Raubkopien: Sollen sich die Anwender künftig selbst kontrollieren?

Deshalb hat RIAA-Boss Sherman einen neuen tollen Plan entwickelt: Nicht die Internet-Anbieter sollen ihre Kunden überwachen – nein, das soll der Kunde doch bitte selbst tun. Auf einer Konferenz in Washington D.C. sprach sich Sherman für die Selbstzensur der User aus ( Video). Doch die werden sich dagegen wohl sträuben. Sherman: "Warum sollte jemand so etwas auf seinen Computer packen? Sehr wahrscheinlich würde das niemand tun."

Eine Möglichkeit wäre, eine Filtersoftware in den DSL-Modems der Anwender zu installieren. Doch bevor sie da ankommen, könnten die Daten schon verschlüsselt sein und die Filter wären wieder wirkungslos. Ars Technica schätzt die Erfolgschancen der Selbstfilterei deswegen als ziemlich gering ein.

Apple plant Ladengeschäfte in Deutschland

Jetzt ist alles leugnen zwecklos: Der erste deutsche Apple Store wird in München entstehen. Das ist praktisch, hat das iPod-Unternehmen dort doch schon sein deutsches Hauptquartier aufgebaut. Das es entsprechende Pläne gibt, vermuteten Apple-Anhänger schon seit länger. Die Macgazette glaubt, jetzt den Beweis gefunden zu haben.

Der versteckt sich kaum auffällig auf einer Seite mit Jobangeboten für europäische Apple Stores. Neben den Läden in Großbritannien und Italien sind dort auch zwei Filialen in der Schweiz und - tataa - eine in München aufgelistet. Bewerbungen für die neuen Apple-Stellen sollen offenbar per Mail eingeschickt werden. Üblicherweise ist der Andrang auf solche Jobs sehr groß.

mak

Innenministerium plant zentrales Melderegister

Heise.de berichtet von Plänen der Bundesregierung ein zentrales Bundesmelderegister einzurichten. In dieser Datenbank sollen deutlich mehr Informationen über die rund 82 Millionen Einwohner Deutschlands gespeichert werden als heute in den Meldestellen.

Das gehe aus einem Referentenentwurf des Bundesinnenministeriums zum Meldegesetz vor. Auch die 5000 Meldestellen in den Kommunen sollen mehr personenbezogene Daten vorhalten. Die Behörden sollen Daten leichter abrufen und austauschen können. Durch zentralisierte Strukturen, so das Innenministerium, solle ein "effizienter und wirtschaftlicher Vollzug" erreicht werden. Die "Qualität der Daten" solle erhöht, den "zu Recht eingeforderten datenschutzrechtlichen Anforderungen" damit Rechnung getragen werden. Die gesamte Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion gibt es als PDF-Download. Darin werden auch weitere Fragen zum Melderecht und zur "Einführung des Datenaustauschformats X-Meld" beantwortet.

Datenschützer wie der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix kritisieren das zentrale Melderegister als "Rückfall in die Zeit des zentralen Einwohnerregisters der ehemaligen DDR mit seinen Personenkennzeichen: "Es darf kein Bundesmelderegister geben!"

Xbox als Mediacenter für Mac OS X

Film, Musik, Internet-Inhalte: Das Xbox Media Center (XBMC) kann einfach alles. Es ist ein Empfänger für Internet-Radio, spielt YouTube-Videos wie ein Fernsehsender, bringt sekundenaktuelle Nachrichten als RSS-Feed auf den Bildschirm. Aber das Xbox Media Center dürfte es eigentlich gar nicht geben: Denn es läuft nur auf einer gemoddeten, also hardwareseitig veränderten Version von Microsofts alter Xbox-Spielkonsole.

Doch was einst als alternatives Betriebsystem für die Microsoft-Konsole begann, ist längst einer der beste Medienspieler. Wer keine Xbox besitzt, musste sich bis letztes Jahr mit schlechteren Alternativen zufriedengeben. Dann kam eine Linux-Version – jetzt versuchen sich Entwickler an einer Variante für Mac OS X. Eine frühe Version gibt's für erfahrene User schon einmal zum Download. Im Interview mit 9to5mac.com erklären die Entwickler, wie's von da an weitergehen soll. Die wichtigste Aussage: Kein XBMC fürs Apple TV.

Pirate Bay blockiert Blockade

Nachdem die Musikindustrie dem dänischen Provider Tele 2 einen Web-Filter gegen die schwedische Bittorrent-Suchmaschine The Pirate Bay aufgezwungen hat, wehrt sich die Piratenseite nun. Auf www.thejesperbay.org gibt sie dänischen Surfern Tipps, wie sie die Internet-Sperre ganz einfach umgehen können. Andere Betreiber von Torrent-Suchmaschinen bekommen dort einen Programmcode, mit dem sie Tele-2-Surfer an The Pirate Bay weiterleiten können. Benannt wurde die Webseite nach Jesper Bay, dem Kopf der dänischen Sektion der IPFI, dem Weltverband der Phonoindustrie. Deren Ziel ist es nun, europaweit die Sperrung von Filesharing-Angeboten durch die Internet-Provider zu erreichen.

Fürs Wochenende

Das kann man doch zugeben: Es ist Samstag, der Montag so fern. Zeit, endlich mal etwas Sinnvolles zu tun. Und mal ganz ehrlich, da führt nichts an etwas intellektueller Unterhaltung aus dem Internet vorbei. Die einen gehen ihrer Luftpolsterfolien-Manie nach, die anderen sehen zwanzig Mal am Stück diesem höchst dramatischen Lemuren beim Starren zu.

Aber egal, was sie machen: Das Wochenende ist kurz. Der Montag ist nah. Aber wenigstens verbringt man doppelt so viel Zeit in seinem Leben mit Wochenenden wie mit Montagen. Zwei Siebtel versus ein Siebtel Lebenszeit, um genau zu sein.

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