Netzwelt-Ticker Tausende Daten von Kindern frei zugänglich

Zur Abwechslung gibt es mal wieder ein Datenloch: Wegen klaffender Sicherheitslücken schloss eine Kinderwebsite komplett die Tore. In Großbritannien darf dafür wieder fotografiert, aus dem Iran aber nicht berichtet und auch mit Legospielzeug nicht gespielt werden. Das und mehr im Überblick.

Mitunter bekommt man empfindliche Daten schon ab, wenn man sich nicht wegduckt
Corbis

Mitunter bekommt man empfindliche Daten schon ab, wenn man sich nicht wegduckt


Der Chaos Computer Club (CCC) beschäftigt sich regelmäßig mit dem schlampigen Umgang von Unternehmen und Behörden mit ihnen anvertrauten Daten. Am Wochenende gab es wieder Anlass zur Kritik: Das Kinderportal Haefft.de hatte die persönlichen Daten Tausender dort registrierter Kinder nicht ausreichend vor unbefugtem Zugriff geschützt. Genauer gesagt, die Daten waren nach Angaben des CCC frei zugänglich.

Eigentlich sollte jeder Account durch ein eigenes Passwort geschützt sein. Tatsächlich aber konnte angeblich jeder Interessierte ohne weiteres Einblick in vertrauliche Informationen nehmen. Die umfassen "Fotos, Adressen, Freunde, Hobbys, Vorlieben und private Nachrichten von Schülern untereinander", wie der CCC erklärte.

Schlimmer noch: "Selbst die Administrationskonten der offenkundig ungesicherten Plattform waren frei zugänglich. Somit konnten sämtliche gespeicherten Daten aller Nutzer von jedem nach Belieben eingesehen werden, dem diese Lücke aufgefallen ist. Darüber hinaus konnte sich jeder als ein angemeldetes Kind ausgeben und als dieses in der Community agieren."

Zu gut Deutsch: das Kinderportal hätte zu jedem Zeitpunkt zu einer Spielwiese für Pädophile werden können. Bis zum Wochenende, denn dann wurde das Portal nach den entsprechenden Hinweisen des CCC bis auf weiteres geschlossen. In einer Mitteilung des Online-Angebots hieß es, Ursache der mangelnden Passwort-Sicherung sei "ein Programmierfehler", immerhin sei "nicht bekannt, dass Userdaten missbraucht worden sind".

Erneut stellt sich damit die Frage nach dem Geschäftsmodell von Online-Netzwerken, die sich an Kinder als Zielgruppe wenden. Schon die Datenskandale um StudiVZ und SchülerVZ ließen da aufhorchen - auch wenn der dort begangene Datenklau zwar quantitativ um einiges größer, qualitativ allerdings harmloser als der aktuelle Fall war.

Nicht nur der CCC fordert gesetzliche Regelungen, die das Datensammeln bei Kindern und Jugendlichen unterbinden.

Britische Polizei erlaubt Fotografien

Das kennt man ja von manchen Urlaubsreisen: Das Fotografieren von Brücken, Straßenkreuzungen und Regierungsgebäuden ist in manchen Ländern verboten. Als Grund fürs Knipsverbot wird gerne die dräuende Terrorgefahr angeführt. So bis jetzt auch in Großbritannien. Laut Paragraf 44 des "Terrorism Act" ist es Polizisten erlaubt, Personen auch verdachtsunabhängig zu durchsuchen. Das bezieht sich vor allem auf diejenigen, die gerne Bahnhöfe und sonstige große Gebäude fotografieren, zumeist Touristenattraktionen.

Mit der Zeit schliff sich bei den Polizeibeamten die Überzeugung ein, an solchen Stellen sei das Fotografieren überhaupt verboten. Entsprechend rüde sprangen sie denn auch mit harmlosen Touristen um, selbst wenn sie nur Sehenswürdigkeiten wie den Buckingham Palace ablichteten. Zuletzt hatte es Beschwerden gehagelt, nun vollzieht die Polizei eine 180-Grad-Wende, wie der "Independent" berichtet.

In einem internen Ukas weist die Polizeiführung die Beamten an, "dass Personen nicht angehalten und durchsucht werden dürfen, weil sie Fotos gemacht haben. Es ist völlig inakzeptabel, wenn Fotografieren unnötigerweise unterbunden wird, seien es Touristen oder Profis". Polizeisprecher Andy Trotter fügte hinzu, natürlich sei die Bedrohungslage real, aber dennoch müssten die Polizeibeamten Augenmaß an den Tag legen.

China: Halali und bis zu tausend Euro für Schmuddelseiten im Netz

Im ewigen Kampf um ein sauberes Internet setzen Chinas Behörden nicht mehr nur auf die Effektivität der Zensur, die die Bürger vor unliebsamen Web-Angeboten schützen soll. Nun können auch die Untertanen im roten Riesenreich selbst tatkräftig am Ziel des schmuddelfreien Internets mitarbeiten. Um den entsprechenden Arbeitseifer zu erzeugen, winken Belohnungen von bis zu tausend Euro für jeden, der den Behörden illegale pornografische Web-Seiten meldet, berichtet "Xinhua".

Dies ist der jüngste Streich im zu Jahresbeginn ausgerufenen Kampf um die "körperliche und geistige Gesundheit der Jugend". Dessen Auswirkungen haben bereits eine ganze Reihe von Web-Seitenbetreibern zu spüren bekommen. Suchmaschinisten wie Google oder Baidu gerieten wegen Verlinkungen zu unerwünschten Seiten ins Visier der Behörden. Seit dem Sommer wird auf öffentlich zugänglichen Computern ein Filterprogramm namens Green Dam installiert, das nicht genehme Inhalte abblocken soll. In einem weiteren Schritt haben die Behörden am Wochenende Hunderte von Tauschbörsenseiten geschlossen, bei denen vor allem Videoclips getauscht wurden. Die Seiten wurden entweder komplett abgeschaltet oder ihre Besitzer dazu gezwungen, sämtliche Links zu Kinofilmen oder Fernsehserien zu entfernen.

Drei-Tages-Maulkorb für ausländische Medien im Iran

Auch im Iran stehen die Zeichen auf Sturm, was freie Meinungsäußerung angeht. Die Regierung hat von heute an sämtlichen ausländischen Journalisten für die Dauer von drei Tagen ein Arbeitsverbot verordnet. Dies gilt besonders für die Innenstadt von Teheran und soll naheliegenderweise jede unabhängige Berichterstattung über Demonstrationen unterbinden. Denn von heute an werden wieder Proteste gegen den Präsidenten Ahmadinedschad erwartet, wie sie schon in den zurückliegenden Wochen regelmäßig stattfanden. Und tatsächlich: Schon am Montagnachmittag tauchten bei YouTube wieder erste Handyvideos von Massendemonstrationen in Teheran auf.

Die von der Studenten und der Opposition veranstalteten Proteste richten sich vor allem gegen die Unregelmäßigkeiten bei den jüngsten Präsidentschaftswahlen. Die Opposition wirft dem Lager des Wahlsiegers Ahmadinedschad Wahlfälschung vor. Am 7. Dezember wird üblicherweise dreier 1953 vom damaligen Schah-Regime getöteter Studenten gedacht, dieses Datum wird seit einiger Zeit von Regierungsgegnern zu Kundgebungen genutzt.

Amazon vor Eröffnung eigener Ladengeschäfte

Das Geschäft beim Online-Händler Amazon läuft gut, aber wie alle Kaufleute hätten auch die Amazonen nichts dagegen, wenn es noch besser liefe. Also planen sie die Eröffnung von Ladenlokalen in der richtigen Welt, zunächst in Großbritannien.

Wie die Londoner "Times" berichtet, sei das Unternehmen gerade dabei, im Lande nach geeigneten Immobilien in guten Einkaufslagen zu suchen. Dabei sollen die Amazon-Läden als Abholstationen für zuvor online georderte Waren fungieren. Ein Amazon-Kenner erklärte der "Times": "Als Amazon nur Bücher und CDs verkaufte, die leicht durch den Briefschlitz passen, war es völlig ausreichend, sich aufs Online-Geschäft zu beschränken. Aber jetzt erstreckt sich das Geschäft von Kinderfahrrädern bis zu Elektrogeräten, und Amazon glaubt, die Verkaufszahlen dadurch steigern zu können, indem Kunden Abholstationen angeboten werden."

Apple kauft Musikanbieter Lala

Unterhaltungselektroniker Apple hat den Musik-Service Lala übernommen. Der vor vier Jahren gegründete Dienst bietet seinen Kunden via Streaming den werbefreien, mit Preisen ab zehn Cent pro Titel dennoch günstigen Zugriff auf mehr als acht Millionen Songs. Wer seine Musik ganz klassisch herunterladen und abspeichern möchte, zahlt 79 Cent pro Song und erhält dafür eine DRM-freie MP3-Datei. Zusätzlich können die Nutzer Titel aus der eigenen Musiksammlung hochladen und mit anderen Anwendern teilen.

Über den Preis der Übernahme vereinbarten die Partner Stillschweigen. Allzu hoch dürfte der nicht gewesen sein, schreibt Lala doch seit seiner Gründung rote Zahlen. Aber immerhin ist Apple nun einen potentiell lästigen Konkurrenten fürs hauseigene iTunes-Angebot losgeworden.

Lego -Pistole online bestellt, vom Swat-Team besucht

Wer hätte gedacht, dass das Spielen mit Lego-Steinen für Erwachsene eine gefährliche Angelegenheit sein könnte? Der Kanadier Jeremy Bell ist von entsprechenden Zweifeln geheilt. Der 29-Jährige hatte im Internet die Replik einer Pistole aus schwarzen Lego-Steinen bestellt. Die wurde ihm ins Büro in Toronto geliefert, wo der freudige Empfänger sein Paket auch sofort auspackte und mit der Plastikimitation herumspielte.

Das sah zufällig ein Mann im Haus gegenüber, der die Waffe für echt hielt und sofort die Polizei rief. Umgehend rückte ein Swat-Team aus, um den vermeintlichen Übeltäter samt seiner gefährlichen Waffe dingfest zu machen. Das Sondereinsatzkommando stürmte ins Büro, legte dem verdutzten Bell Handschellen an und fixierte ihn an der Wand. Es brauchte eine Weile, bis die schwerbewaffneten Polizisten einsahen, dass es sch bei der bedrohlichen Waffe nur um ein Lego-Spielzeug handelte, das obendrein schon wieder auseinandergebrochen war. "Immerhin haben Sie jetzt was zu erzählen", witzelte einer der Polizisten, als sie wieder abzogen.

Außerdem:

Rückgang beim Geschäft mit Festnetztelefonie stärker als erwartet.

Studie: Gamer suchen Freundschaft, nicht Gewalt.

Ebay verklagt Craigslist.



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