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Netzwelt-Ticker Tausende Türken protestieren gegen Web-Zensur

Proteste gegen Kennwort-Anmeldung und Rundumüberwachung des Internets in der Türkei, Gebührenerhöhung bei Ebay, Dropbox-Dateien sind nicht so sicher, wie mancher denken mag. Das und mehr in unserem Überblick.
Demonstration gegen Netzzensur in der Türkei: "Fass mein Internet nicht an!"

Demonstration gegen Netzzensur in der Türkei: "Fass mein Internet nicht an!"

Foto: MURAD SEZER/ REUTERS

In Sachen Netzsperren zum Schutz der Surfer sind die Behörden in der Türkei einen Schritt weiter als hierzulande. Dort soll ab dem 22. August auf Weisung der Regulierungsbehörde BTK die Nutzung von Internetfiltern verpflichtend werden. Gegen diese Bestimmung gingen am Sonntag Tausende Demonstranten auf die Straße. In Istanbul, aber auch in anderen großen Städten wandten sich die Demonstranten gegen die Vorschrift, künftig nur mit einem von vier vorgeschriebenen Filtern online gehen zu dürfen. Ja nach eingestellter Kategorie (Standard, Familie, Kinder oder Haushalt) werden bestimmte Web-Seiten, zum Beispiel solche mit pornografischen Inhalten, blockiert. Jeder Surfer muss sich mit einem persönlichen Kennwort und Usernamen online anmelden. "Für Familien, die ihre Kinder schützen wollen, gibt es schon jetzt eine Menge Filterangebote, die kostenfrei angeboten werden", zitiert "Hürriyet" einen Demonstranten. "Deshalb bin ich gegen diese Zwangsanwendung. Wir wollen keine Filtersysteme, die die Leute rund um die Uhr überwachen ." Während sich Demonstranten in einer Reihe von Städten ungehindert äußern durften, verhinderte die Polizei eine Demonstration in Antalya.

Ebay wird für Privatverkäufer teurer

Einen Monat noch, spätestens dann gibt es bei Privatverkäufern beim Online-Auktionator Ebay wahrscheinlich lange Gesichter. Denn die Gebühren für Auktionsgewinne steigen ab dem 13. Juni an. Offiziell ist natürlich nicht von einer Erhöhung die Rede, sondern von einer Vereinheitlichung der Provisionsstruktur. Egal, was das alte Schätzchen gebracht hat, zukünftig werden neben der Einstellgebühr zusätzlich neun Prozent des Verkaufspreises fällig. Allerdings verhindert die Obergrenze von 45 Euro, dass die anteiligen Zahlungen bei mehr als 500 Euro teuren Produkten ins Uferlose steigen. Dafür wird die alte Gebührenordnung, die abgestuft nach dem Gewinn (bis 50 Euro, bis 500 Euro, mehr als 500 Euro) unterschiedliche Belastungen forderte, einkassiert. Das macht die Sache einerseits überschaubarer, aber eben auch teurer. Ein 80-Euro-Verkauf schlug bislang mit 5,50 Euro Gebühr zu Buche, ab Juni sind es 7,20 Euro. Und ein 500-Euro-Verkauf wird zukünftig nicht mehr 26,50 Euro kosten, sondern satte 45 Euro. Dass günstige Kleinverkäufe nur marginal höher belastet werden, dürfte die Anbietergemeinde nicht versöhnlich stimmen. "Golem" berichtet bereits von Unmutsäußerungen in einschlägigen Foren. Der Ärger wird nicht zuletzt auch dadurch befeuert, dass Ebay in den Augen der Betroffenen seine Quasi-Monopolstellung ausnutzt .

"Neue Zürcher Zeitung" plant flexible Paywall

Print verliert an Auflage, Online erwirtschaftet zumeist nur vergleichbar schmale Gewinne durch Werbegelder. Um diesem Dilemma zu entkommen, setzen manche Zeitungen auf die Bezahlpflicht vor der Lesefreude. Die "Neue Zürcher Zeitung" wird ihre Leser im Internet demnächst ebenfalls mit einem virtuellen Kassenhäuschen begrüßen. Allerdings soll den NZZ-Lesern keine starre Gebühr abgeknöpft werden. "Wir sind daran, eine Paywall einzurichten . Sie wird flexibel sein", sagte NZZ-Chef Albert Stäheli laut "persoenlich.com". Genauere Details verriet der Zeitungs-Manager jedoch nicht. Die Einführung einer Bezahlpflicht sei angesichts der wirtschaftlichen Lage von NZZ Online unvermeidlich. Man schreibe derzeit rote Zahlen in Höhe von einer Million Franken. Unlängst habe das Defizit sogar noch drei Millionen Franken betragen.

Dropbox-Files könnten FBI zugänglich gemacht werden

Wieder haben Kritiker mangelnder Datensicherheit in der Cloud Bestätigung gefunden. "Wired" berichtet, der Online-Speicherdienst Dropbox habe seine Nutzer über die Standards der Sicherheit und Verschlüsselung hochgeladener Daten nicht umfassend informiert. Das jedenfalls ist die Kernaussage einer Beschwerde eines Sicherheitsexperten  bei der amerikanischen Aufsichtsbehörde FTC. Nach Dropbox-Angaben sollten eigentlich nicht einmal die eigenen Firmenmitarbeiter Zugriff auf das hochgeladene Material haben. Die Kundendateien seien bei Dropbox sicherer als daheim auf dem eigenen Rechner. Tatsächlich hat ein Student schon vor einem Monat demonstriert, wie leicht Dropbox die Dateiinhalte einsehen konnte. Womit sich eine ganze Reihe unerwünschter Datenschnüffler für die Nutzer des Speicherdienstes und ihre Daten interessieren könnte, von neugierigen Dropbox-Angestellten über Unternehmen auf der Suche nach Urheberrechtsverletzungen bis hin zu Regierungsbeamten auf Ermittlungstour. Was für die 25 Millionen Nutzer von Dropbox nichts anderes bedeutet, als dass sie sich am besten selbst um eine sichere Verschlüsselung ihrer Daten kümmern.

Wenn ein Mann mehr ist als 600 Millionen

Der Drudge Report ist so etwas wie ein Dinosaurier der Medienwelt. Seit anderthalb Jahrzehnten versorgt Matt Drudge mit seiner Ein-Mann-Publikation die Welt mit Neuigkeiten, Klatsch und Tratsch aus der Politwelt. Niemand anderer als Drudge enthüllte seinerzeit die Affäre zwischen dem liebestollen US-Präsidenten Bill Clinton und seiner Praktikantin Monica Lewinsky . Manche halten den Polit-Blogger sogar für den einflussreichsten und mächtigsten Journalisten nicht nur der USA, sondern der ganzen Welt. Eine Einschätzung, die durch jüngst veröffentliche Zahlen über die Top 21 der Nachrichtenseiten im Web ihre Bestätigung finden könnte. Diese Zahlen verwertete die vor einer Woche veröffentlichte Studie des "Pew Research Center's Project for Excellence in Journalism". Dort ging es um die Frage, woher die großen News-Seiten ihre Leser bekommen. Zu 60 Prozent steuern die Leser diese Seiten direkt an, aber 40 Prozent landen dort, weil sie Verlinkungen von anderen Seiten gefolgt sind. Und welche sind das? Naheliegenderweise führt hier Google, das allein für 30 Prozent des Leseraufkommens sorgt. Doch wer gedacht hat, dass News-Aggregatoren wie Yahoo oder Social Networks mit Hunderten Millionen Mitgliedern wie Facebook oder Twitter die folgenden Plätze belegen, hat sich getäuscht. Diese Position wird vom Drudge Report gehalten, der immerhin 3,3 Prozent aller Leser von seiner Web-Seite zu den großen News-Angeboten schaufelt. Diese Ausnahmeposition wird angesichts der Tatsache noch erstaunlicher, dass Matt Drudge keine Videos anbietet, auf Suchmaschinenoptimierung verzichtet und mit einem geradezu steinzeitlichen Layout  aufwartet, wie die "New York Times" findet.

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