Netzwelt-Ticker Telefon ersetzt Navi

Werden Navis bald arbeitslos? Nachdem auch Tomtom eine App fürs iPhone veröffentlicht hat, wird das immer wahrscheinlicher. Google-User sind neugieriger als die Nutzer anderer Suchmaschinen und die Deutschen sind Europameister beim Kauf von Videospielen. Das und mehr im Überblick.


Die Navigationsexperten von Tomtom verbünden sich mit Apple: Seit heute gibt es diverse Regionalversionen der Navigationssoftware im App Store, und zwar für Australien, Westeuropa, USA und Kanada, Neuseeland, sowie D-A-CH (Deutschland, Österreich, Schweiz). Während die virtuelle Europakarte 100 Euro kostet, gibt's den deutschsprachigen Raum schon für 70 Euro. Zunächst war das Angebotsbündel nur im iTunes Store Neuseeland zu bekommen, doch inzwischen bieten auch weitere App Stores das Programm an.

iPhone als Navigationsgerät: Tomtom ohne eigene Hardware

iPhone als Navigationsgerät: Tomtom ohne eigene Hardware

Darüberhinaus plant Tomtom auch eine Halterung zu verkaufen, mit der das iPhone, auf welches die Navigation geladen wurde, im Auto ebenso befestigt werden kann wie ein zusätzlicher GPS-Empfänger zur Verbesserung der Geolokalisierung (siehe nebenstehende Abbildung).

Schon vor einigen Wochen hatte Tomtom-Konkurrent Navigon eine Navi-App herausgebracht, die in der Europa-Version mit 80 Euro zu Buche schlägt. Tomtom arbeitet derweil an der Einsatzfähigkeit seines Programms nicht nur auf dem iPhone, sondern auch anderen Geräten wie dem iPod Touch. Damit dürfte sich schon bald die Notwendigkeit erledigt haben, noch ein eigenes Navigationsgerät anschaffen zu müssen. Mit dem navigierenden iPhone ist der Nutzer der eierlegenden Wollmilchsau wieder ein Stückchen näher gekommen - andere Handys, etwa die Smartphones von Nokia, sind ohnehin schon seit einiger Zeit mit (kostenpflichtigen) Navi-Diensten ausgestattet, die auch gesprochene Kurs-Kommandos drauf haben.

Und das Navi ist womöglich bald tot.

Google-Nutzer sind doppelt so neugierig

Durch Microsofts neue Suchmaschine Bing und die Zusammenarbeit der Redmonder mit Yahoo ist dem Platzhirsch unter den Suchmaschinisten neue Konkurrenz erwachsen. Trotzdem kann Google im Kampf um Marktanteile sehr beruhigt sein, und das nicht zuletzt auch wegen der Art der Suchmaschinennutzung. Die Marktforscher von Comscore haben sich das Verhalten der Nutzer genauer angeschaut und festgestellt, dass im Vergleich zur Konkurrenz bei Google pro Nutzer mehr als doppelt so viele Anfragen gestellt werden. Im Juni gab es bei der Google-Suche im Durchschnitt 54,5 Anfragen pro Nutzer, beim Kombiangebot von Microhoo waren es nur deren 26,9.

Erwähnenswert ist aber auch die Tatsache, dass zwar 84 Prozent der amerikanischen Suchmaschinennutzer auf Google setzen, aber schon 73 Prozent auch auf Microsoft und Yahoo.

Piratenpartei nun auch in Großbritannien

Die Piratenpartei entwickelt sich zunehmend zu einem europäischen Phänomen. Die ursprünglich aus Schweden stammende Gruppierung konnte nun auch in Großbritannien die offizielle Anerkennung als politische Partei erreichen. Nun gibt es auch auf der Insel eine Gruppierung, die sich für ein überarbeitetes Urheberrecht, gegen die Kriminalisierung von Tauschbörsennutzern und für Datenschutz einsetzt. Gegenüber dem "Register" erklärte der britische Oberpirat Andrew Robinson: "Es hat alle Erwartungen übertroffen. Wir haben zwischenzeitlich so viele Spenden bekommen, dass Paypal schon glaubte, wir würden eine Betrugsseite betreiben." Über die politischen Machtperspektiven gibt sich Robinson keinen Illusionen hin. "Wir werden in nächster Zeit sicher keine Parlamentssitze gewinnen, aber wir können Themen zur Diskussion stellen." Schon im Herbst wollen sich die Piraten Ihrer Majestät dennoch an der Vorwahl für einen freigewordenen Parlamentssitz in Glasgow beteiligen.

Keiner kauft so viele Videospiele wie die Deutschen

Noch zwei Tage, dann öffnet in Köln die gamescom ihre Pforten und will der Leipziger Games Convention den Rang als wichtigste Spielemesse in Europa ablaufen. Noch vor dem Beginn der Spielewoche publizierten Marktforscher Zahlen, die die derzeitige Situation der Branche beleuchten. Die amerikanischen Marktbeobachter von NPD veröffentlichten jetzt dramatische Werte. So fiel der US-Umsatz für Geräte und Programme im Spielebereich im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 29 Prozent, bei Konsolen war der Rückgang um 37 Prozent im Vergleichszeitraum noch dramatischer. Da geben die zumindest die Zahlen aus Deutschland Anlass zur vorsichtigem Optimismus. Wie stabil Stimmung und Konsum im Land angesichts der Krise geblieben sind, zeigt sich auch beim Videospielbereich. Da sind die Deutschen nämlich im ersten Halbjahr 2009 Europameister und stehen damit vor den Briten, deren Verkaufszahlen um ein Fünftel zurückgingen. Hierzulande veränderte sich der Absatz nicht, wie Media Control berichtet.

Studie: nur jeder 20. Europäer hat schon einmal für Netzinhalte gezahlt

Und noch eine Studie, und schon wieder geht's ums Geldausgeben. Damit haben es die Europäer online nicht so sehr, wenn man den Zahlen der EU-Kommission glaubt. Die hat im jüngsten "Europe's Digital Competitiveness Report" (PDF) bisherige Erfahrungen und die Bereitschaft abgefragt, für Inhalte im Internet auch zu bezahlen. Ganze fünf Prozent gaben an, sie hätten bereits für virtuelle Angebote die Geldbörse gezückt. Von den 95 Prozent Gratisfans erklärte die Hälfte, nichts könne ihre Bezahlunwilligkeit ändern. Immerhin 30 Prozent würden bei günstigeren Preisen ihre Haltung noch einmal überdenken und bis zu 20 Prozent würden bei einem qualitativ verbesserten Angebot auch einmal in die Tasche greifen. Was den Verfechter von Bezahlmodellen wie Rupert Murdoch oder Springer-Chef Mathias Döpfner sehr zu denken geben sollte: Wenn zum Beispiel Zeitungen ihre bisherigen freien Angebote hinter einer Kosten-Barriere verbergen sollten, wären nur 20 Prozent der Befragten bereit, diese nutzen. Bezahlinhalte, das scheint in Zeiten der Krise und knapper Kassen auch beim Verbraucher nicht das Ei des Kolumbus zu sein.

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