Netzwelt-Ticker Telekom bespitzelte auch Ex-ZDF-Chefredakteur Bresser

Immer neue Details fördern die Ermittlungen im Telekom-Schnüffelskandal zutage. Nun kommt heraus: Auch Ex-ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser wurde bespitzelt. Außerdem: Knöllchen für Datensünder, Geld für Online-Inhalte, Hansenet sträubt sich gegen Vorratsdatenspeicherung. Das und mehr im Überblick.

Der Image-Gau der Telekom: Die Spitzelaffäre sorgt weiter für negative Schlagzeilen
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Der Image-Gau der Telekom: Die Spitzelaffäre sorgt weiter für negative Schlagzeilen


Seit die Telekom ihre Bespitzelungsaffäre aufarbeitet, hat Firmenchef René Obermann oft Gelegenheit, demütige Entschuldigungsbriefe an die Betroffenen zu verschicken. Jüngster Adressat: Der ehemalige ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

Unter der Ägide des einstigen Telekomvorstandschefs Kai-Uwe Ricke sollten interne Lecks enttarnt werden, die die Presse mit vertraulichen Inhalten belieferten. Dazu wurden Unternehmensvorstände ebenso bespitzelt wie Journalisten. Bresser geriet dabei wohl eher zufällig ins Visier der von der Telekom beauftragten Detektei. Ein Bekannter des Obermainzelmannes, der in den USA lebte, war das eigentliche Schnüffelziel. Seine Verbindungsdaten wurden ausspioniert, darunter fanden sich auch einige Telefonate mit Bresser.

Auf die Vorgänge angesprochen, reagierte der überraschte Bresser stocksauer: "Es ist ein ungeheuerlicher Vorgang, dass man unter privaten Bekannten nicht telefonieren kann, ohne dass das in irgendwelche Spitzelberichte eingeht."

Die neuen Details zu vormaligen Überwachungsaktivitäten des Magentariesen kamen offensichtlich im Gefolge von BKA-Ermittlungen im Auftrag der Bonner Staatsanwaltschaft ans Tageslicht. Das Verfahren war angestrengt worden, nachdem die Telekom 2008 Strafanzeige erstattet hatte.

Kostenpflicht für Online-Artikel

Beinah zeitgleich proben diesseits und jenseits des Atlantiks zwei größere Zeitungen den Schritt zum Bezahlinhalt im Netz. Ein Schritt zurück dürfte es auf jeden Fall für die "New York Times" sein, schon vor vier Jahren hatten die Amerikaner ausgewählte Artikel mit ihrem "TimesSelect"-Angebot nur gegen Bezahlung zur Verfügung gestellt. Die anfänglichen Hoffnungen auf ergiebig sprudelnde Finanzquellen trogen allerdings, das Angebot wurde bald wieder beerdigt.

Nun überlegt Chefredakteur Bill Keller, ob und welche Wege zu gehen sind, um wieder Bezahlinhalte einzuführen. Eine Entscheidung innerhalb der nächsten Wochen steht wohl auf alle Fälle an. "Und es ist eine viel schwierigere und kompliziertere Entscheidung, als sich das die Experten am grünen Tisch vorstellen können. Es gibt keine klare Übereinstimmung, welcher der richtige Weg ist."

Diese Entscheidungen werden umso dringlicher, als auch die ohnehin niedrigeren Werbeeinnahmen aus dem Onlinegeschäft nicht mehr wie vordem fließen. Im dritten Quartal erfuhren die Zahlen einen heftigen Einbruch, der digitale Reklameerlös fiel um 19 Prozent. Ob nun sogenannte Premium-Inhalte vermarktet werden sollen oder gegen Bezahlung zeitlich begrenzter Zugang gewährt wird, das alles steht derzeit noch in den Sternen.

Da ist man in Berlin schon weiter. Beim Springerblatt "Welt am Sonntag" soll noch in diesem November eine digitale Monatsausgabe herausgebracht werden. Für 1,50 Euro erhält der Leser exklusive Beiträge, angereichert mit Videoberichten und sonstigen Multimediainhalten. So die Infos, die das "Pottblog" aus Redaktionskreisen erfahren haben will.

Damit experimentiert der Springer-Verlag, inwieweit Leser überhaupt bereit sind, für Online-Inhalte die Geldbörse zu zücken. Viel dürfte davon abhängen, ob die angebotenen Texte wirklich exklusiv oder doch nur Zweitverwertungen aus dem Printbereich sind. Eine technikaffine Zielgruppe wird allerdings schon von Anfang ausgeschlossen: iPhone-Nutzer müssen leider draußen bleiben, weil das WamS-E-Mag flash-basiert sein soll.

Datenschützer will Knöllchen für Datensünder

Bundesdatenschützer Peter Schaar will bei Schlampereien und Verstößen gegen Datenschutzbestimmungen zukünftig auch Missetäter im Behördenbereich zur Verantwortung ziehen. Gegenüber der "Thüringer Allgemeinen" sagte er, er brauche "Möglichkeiten, das Gesetz auch gegenüber öffentlichen Stellen durchzusetzen". Das müsse notfalls eben auch mit Hilfe eines Bußgeldes geschehen. Und für derlei Maßnahmen bestehe durchaus Bedarf. So könne es zum Beispiel nicht sein, dass etwa bei der Bundesagentur für Arbeit Mitarbeiter bundesweit intimste Daten abrufen konnten. Sensible Daten zu Gesundheit oder Schuldenstand von Arbeitssuchenden seien einzig für den internen Gebrauch vorgesehen.

Hansenet: Vorratsdatenspeicherung? Nicht mit uns!

Seit Anfang 2008 gilt für Deutschlands Telkos die gesetzliche Pflicht zur Vorratsdatenspeicherung. Doch das Hamburger Telekommunikationsunternehmen Hansenet sträubt sich weiterhin, Telefon- und Netzdaten zu speichern.

Noch im September hatte das Verwaltungsgericht Köln die Nordlichter per Beschluss dazu verpflichtet, die entsprechenden Vorgaben einzuhalten. Nun legte Hansenet beim Oberverwaltungsgericht Münster Beschwerde gegen diesen Beschluss ein. Wohl mit Blick auf anhängige Klagen beim Bundesverfassungsgericht heißt es laut Heise.de: "Bis zum Zeitpunkt einer endgültigen Entscheidung werden wir die Vorratsdatenspeicherung nicht vollumfänglich umsetzen."

Nicht wenige halten diese Verweigerungshaltung weniger durch edle Motive zum Datenschutz begründet, sondern durch den schnöden Mammon. Denn bekanntlich steht Hansenet kurz vor dem Verkauf. Und da wollen sich die Verantwortlichen kurz vor Toresschluss nicht noch die teure Infrastruktur zur Datenüberwachung ans Bein binden, die den Verkaufserlös deutlich senken würde.

Creative mit eigenem E-Book-Reader

Amazon preschte mit dem Kindle vor, inzwischen rennt so ziemlich jeder hinterher, der irgendwie Chips, Chasis und Displays miteinander verschrauben kann: Angeblich bringt nun auch Unterhaltungselektroniker Creative ein eigenes Lesegerät heraus.

Ein entsprechender Prototyp wurde bei einer Konferenz in Singapur vorgestellt. Im Unterschied zur Konkurrenz von Amazon kann das Gerät nicht nur Text anzeigen, das berührungsempfindliche Display ist außerdem auch noch farbig und kann Videosequenzen abspielen. Außerdem beherrscht der E-Reader die Sprachausgabe von Texten - zumindest vorerst: Amazon hatte entsprechende Features eingedampft, nachdem Hörbuch-Verleger mit Klagen gedroht hatten. Wem diese Möglichkeiten nicht reichen, der kann sich per Internetzugang neue Inhalte aufs Lesegerät holen.

Um das Angebot von Anfang an auch mit Inhalten zu füllen, verhandelt Creative derzeit mit mehreren Verlagen, die Romane, Nachrichten, Magazine und Lernmaterial für die Schule bereitstellen könnten.

Außerdem:

Korrektur: Telefonate des ehemaligen ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser wurden nicht abgehört, wie es fälschlicherweise in diesem Text hielt. Vielmehr wurden die Verbindungsdaten eines Bekannten von Bresser in den USA ausspioniert.



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