Netzwelt-Ticker Tod eines Scheintoten

Ende einer Legende: Der seit Jahren angekündigte Egoshooter "Duke Nukem Forever" wird wohl nie erscheinen. Außerdem im Überblick: Web-Sender Hulu knüpft Verbindungen, bei Apple löst weißes Pulver Giftalarm aus und Zypries will weniger Anonymität im Internet.

Der Videospielverlag Take-Two dreht dem Entwicklerstudio 3D Realms den Geldhahn zu. Die Zukunft der legendären Spielfigur Duke Nukem ist ungewiss. So lässt sich das Tohuwabohu zusammenfassen, das sich in den letzten Tagen nach der Veröffentlichung eines Insiderkommentars im Spielemagazin Shacknews entwickelte: "3D Realms macht dicht!" 

Jetzt meldete sich der Publisher Take-Two: "Wir hatten nur einen Publishing-Vertrag mit 3D Realms und der sah keine weiteren Zahlungen für die Entwicklung dieses Titels vor. Take-Two gehören aber nach wie vor die Veröffentlichungsrechte für Duke Nukem Forever." Ein 3D-Realms-Mitarbeiter fügte im Firmenforum hinzu: "Das ist kein Marketing-Gag."

Duke Nukem hat in Spielerkreisen Legendencharakter: Zwölf Jahre lang narrte der testosteronträchtige Muskelprotz die Computerspielerwelt. Das 1997 erstmals angekündigte Spiel "Duke Nukem Forever" sollte und wollte nicht erscheinen. "It's done, when it's done," antwortete Duke-Produzent George Broussard auf die Frage nach einem Veröffentlichungstermin. Immer und immer wieder verschob das Entwicklungsstudio 3D Realms den Veröffentlichungstermin für "Duke Nukem Forever" - so lange bis selbst die Entwickler einsehen mussten, dass der Duke zum Treppenwitze der Games-Branche verkam . Das Magazin "Wired" verlieh ihm da schon in schöner Regelmäßigkeit den "Vaporware"-Award. In den Gamer-Foren kursierten böse Gerüchte: Der Duke sei nur ein Mittel der Entwickler, Geld vom Spieleverlag Take-Two abzusaugen.

Wie es nun mit dem Duke weitergeht, ist nicht bekannt. Ein Gamasutra-Leser aber hat einen ganz handfesten Tipp: "Hoffentlich kauft jemand die Rechte an Duke Nukem auf, um das Spiel dann für immer zu verschieben." Wäre doch zu schade, wenn dieser Scheintote wirklich sterben sollte.

Hulu schließt internationale Verträge ab

Bald könnte auf dem Webvideo-Angebot Hulu Schluss sein mit den lästigen Hinweisen: "Tut uns leid, aber unsere Videos können nur innerhalb der Vereinigten Staaten angeschaut werden." Das Joint Venture von NBC Universal, Fox und Walt Disney hat laut "Financial Times"  (FT) die ersten Verträge mit internationalen Fernsehfirmen abgeschlossen. Es könnte der erste Schritt hin zur globalen Ausweitung des in den Vereinigten Staaten so erfolgreichen Angebots sein.

Andy Forssell, verantwortlich bei Hulu für Einkauf und Vertrieb, zur FT: "Wir verhandeln gerade über sechs bis acht neue Märkte - wir legen das Fundament." Schon bald sollen Serien aus Großbritannien sowie Bollywood-Streifen bei Hulu in den USA zum Abruf stehen. Bis Hulu auch in anderen Ländern sendet, dürfte noch etwas Zeit vergehen, erklärt Hulu auf der eigenen Website : "Dafür müssen wir für jede Show und jeden Film in jedem Land einen Deal abschließen - und das dauert."

Hulu ging vor eineinhalb Jahren als hochqualitative Konkurrenz zu YouTube und Co., vor allem aber als Web-Alternative zum TV-Programm ins Netz. Hulu zeigt Fernsehserien und Kinofilme in hoher Qualität als Webstream an, die beste Antwort auf illegale Streaming-Angebote wie Kino.to

Superschnelles Kurzstrecken-W-Lan kommt 2010

Bis 2010 will die "Wireless Gigabit Alliance", ein Konsortium aus 17 IT-Unternehmen, die Spezifikationen für ein superschnelles W-Lan zusammenstellen. Das Ziel ist es, auf einer Strecke von einigen Metern mindestens ein Gigabit pro Sekunde drahtlos zu übertragen, schreibt Golem . Vor allem im privaten Bereich soll die neue Technik Einzug halten.

Der "WiGig"-Allianz haben sich sowohl Chiphersteller als auch PC-, Handy- und Software-Anbieter angeschlossen. Darunter auch Schwergewichte wie Dell und Microsoft, LG, Nokia und Samsung. Geräte, die das WiGig-Logo tragen, müssen Daten mit ein bis sechs Gigabit pro Sekunde übertragen können.

Giftalarm bei Apple

Nachdem ein Briefumschlag mit einem weißen Pulver aufgetaucht war, hat die Computerfirma Apple am Mittwoch ein Gebäude auf dem Firmengelände in Cupertino evakuieren lassen. Laut "The San Jose Mercury News" betraten Feuerwehreinheiten in Schutzanzügen das Gebäude. Anthrax, Kokain oder Babypuder, war die Frage - nach einem ersten Test, schreibt The Register , hätte sich herausgestellt, dass die Substanz wenigstens nicht gefährlich sei. Was genau nun in dem Umschlag war, soll ein kriminaltechnisches Labor herausfinden. Die Überprüfung der Aufzeichnungen der Überwachungskameras habe jedenfalls keine weiteren Schlüsse auf den Ursprung des "mysteriösen Umschlags" ergeben.

Zypries will Anonymität im Internet weiter einschränken

Auf einer Konferenz zur Zukunft des Urheberrechts im Bundesjustizministerium hat Brigitte Zypries (SPD) klar gemacht, dass sie den deutschen Verlegern im Streit mit Google Books den Rücken stärken will, schreibt Golem . Im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen stellt die Justizministerin auch Bürgerrechte in Frage, überlegt, ob die Anonymität des Internets nicht weiter eingeschränkt werden sollte.

Grund für all die Aufregung: Der E-Book-Dienst Google Books, für den der Internet-Konzern Google unzählige Bücher einscannte und - mit Volltextsuche aber vorsichtshalber verstümmeltem Text - ins Netz stellte. Für Teile der Buchindustrie ein Unding. "Ich habe mit Google Gespräche geführt und klargemacht, dass diese Verstöße gegen das Urheberrecht nicht akzeptabel sind. Jeder deutsche Autor sollte daher auch prüfen, ob seine Bücher von der Scan-Aktion bereits betroffen sind" sagte Zypries.

Erst Ende November 2008 legte Google gegen eine Zahlung von 125 Millionen Dollar einen Streit mit US-amerikanischen Autoren- und Verlagsverbänden bei, sicherte sich so die Nutzung der kompletten Buchbestände der größten US-Bibliotheken. Seitdem macht Google Books Millionen Buchtitel online zugänglich.

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