Netzwelt-Ticker Tunesiens Ex-Regierung hat angeblich Passworte mitgelesen

Die ehemalige Regierung Tunesiens soll im großen Stil Internet-Passworte ihrer Bürger gestohlen haben. Außerdem im Überblick: Mozilla und Google proben mehr Datenschutz und der "Hitchhiker's Guide to the Galaxy" sucht ein neues Heim.

Lauscher im Netzwerk: Haben Tunesiens Behörden Passworte im großen Stil abgegriffen?
Corbis

Lauscher im Netzwerk: Haben Tunesiens Behörden Passworte im großen Stil abgegriffen?


Die ehemalige tunesische Regierung unter Präsident Zine El Abidine Ben Ali soll in einer beispiellosen Aktion Passworte ihrer Bürger ausgespäht haben. Betroffen gewesen seien die sozialen Netzwerke von Facebook und Yahoo sowie Googles E-Mail-Dienst, behaupten verschiedene Sicherheitsexperten. Facebook-Sicherheitschef Joe Sullivan erklärt im " Atlantic", er habe Schadcode gefunden, mit dem Benutzernamen und Passworte tunesischer Mitglieder von Facebook, Google Mail und Yahoo abgeschöpft wurden. Die Angriffe fielen ihm zuerst Ende Dezember auf, etwa zur selben Zeit, als Demonstranten die Absetzung des damaligen tunesischen Präsidenten Ben Ali forderten.

Laut Danny O'Brien, Internet-Rechtler des Journalistenverbandes CPJ (Committee to Protect Journalists), habe die Regierung eine bereits im Einsatz befindliche Zensur-Software - von tunesischen Surfern Ammar genannt - dahingehend modifiziert, dass sie Facebook-, Yahoo- und Google-Mail-Besucher auf präparierte Websites umleitete. Die dort eingegebenen Zugangsdaten sollen dann auf einen Regierungs-Server umgeleitet worden sein. Solche Phishing-Angriffe habe es schon seit Juni vergangenen Jahres gegeben, sagte O'Brien "The Register".

Zumindest bei Facebook fiel der letzte Hack auf, als sich im Dezember immer wieder tunesische Mitglieder beschwerten, dass sich jemand ihres Kontos bemächtigt und systemkritische Mitteilungen und Einträge gelöscht habe. Die Zensur-Software Ammar soll damals drauf und dran gewesen sein, den Passwort-Schatz eines ganzen Landes zu stehlen.

Mozilla und Google proben mehr Datenschutz

Die Ohrfeige der amerikanischen Regulierungsbehörde FCC zeigt Wirkung: Die Browser-Entwickler Mozilla und Google bemühen sich um mehr Schutz vor Online-Werbern. Google hat mit "Keep your opt-outs" eine Erweiterung für den Chrome-Browser veröffentlicht, mit der Surfer mit nur einem Klick allen Websites erklären können: Mein Surf-Verhalten soll nicht mit "Tracking Cookies" aufgezeichnet, meine Kaufwünsche nicht per "Behavioural Targetting" beurteilt werden. Mozilla wiederum denkt in einem Blog-Eintrag laut über Möglichkeiten nach, den Datenschutz zu verbessern, wenn möglich grundlegend. Ein konkreter Do-Not-Track-Vorschlag liegt auch schon vor.

Solch ein Ein-Klick-Verfahren (Ein "Cookies? Nein, danke!" für alle Websites) und eine schärfere Selbstkontrolle hatte die FCC nachdrücklich von Browser-Herstellern und Web-Werbern gefordert. Der Haken: Das System beruht auf der Vertrauenswürdigkeit der Werbetreibenden. Es ist im Grunde die Selbstverpflichtung, Surfer nicht mit Schnüffel-Werbung zu behelligen, wenn sie sich ausdrücklich dagegen aussprechen (Opt-Out). 15 der größten Werbe-Netzwerke haben sich dem Programm bereits angeschlossen. Gegen die im Grau- und Schwarzbereich tätigen Werber helfen Googles und Mozillas Ansätze wenig.

Was ist von den Datenschutz-Erweiterungen zu halten? Nicht viel, schimpft das Lästerblog Valleywag: "Lasst euch nicht von Googles angeblichem neuen 'Datenschutz' hereinlegen!" Kaum jemand werde die Software installieren, die zahnlos gegen Tracking-Cookies ist und ausgerechnet von Google, dem Oberschnüffler, betrieben wird, meckern die Valleywag-Blogger.

Der beste Datenschutz ist es immer noch, den Browser im Privat- oder SafeBrowsing-Modus zu starten und regelmäßig mit Cookie-Putzsoftware auch hartnäckige Cookies zu entfernen.

Der Anhalter muss gehen

Die BBC räumt auf - und will die legendäre H2G2-Community wegwerfen, veräußern, absondern; über die Begrifflichkeiten sind sich die Verantwortlichen selbst nicht einig. Nick Reynolds, Social-Media-Beauftragter der BBC, versucht nun eine neue Heimat für die stets aktive und wunderliche Community zu finden, die seit 1999 an einer verqueren Beschreibung der Welt arbeitet.

H2G2 steht für "The Hitchhiker's Guide to the Galaxy", den englischen Titel der fünfteiligen Science-Fiction-Trilogie "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams, die in einigen Teilen des bewohnten Universums längst Kultstatus hat.

H2G2 wollte in der wirklichen Welt das sein, was der in Adams Büchern beschriebene intergalaktische Reiseführer indessen Fantasie-Universum war: Ein Kompendium allen Wissens der Welt, zumindest des wirklich notwendigen Wissens. Der Grund: Weil der Planet Erde in der galaktischen Enzyklopädie des Romans nur einen äußerst kurzen Eintrag zugewiesen bekam, "Weitgehend harmlos", sollten echte Menschen im echten Internet diese unerhörte Leerstelle füllen (und damit dem Planeten Erde eine weitaus wichtigere Rolle zuschreiben als galaktisch vertretbar).

Allerdings erschien zwei Jahre nach dem Start von H2G2 die Wikipedia und machte an anderer Stelle Adams Traum wahr. Allein: Der H2G2 ist so etwas wie eine Anti-Wikipedia: Es geht um Randwissen, verquere Weltsichten und Humor. Je abseitiger, je irrelevanter, desto besser; die 250 Einträge zum menschlichen Verhalten sind aufgeteilt in "Misanthropie" und "Philantropie".

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