Netzwelt-Ticker TV-Apps beglücken Anwender, erzürnen Anbieter
Apple iPad: Streit über Fernsehen auf dem Flachrechner
Foto: dapdIn den USA sorgt der Kabel-TV-Anbieter Cablevision für Aufregung. Am Wochenende hat das Unternehmen eine iPad-App veröffentlicht, mit der Cablevision-Kunden Zugriff auf die 300 TV-Sender und Video-on-Demand-Dienste des Unternehmens bekommen, meldet "Variety" . An einem ähnlichen Projekt hat sich zuvor schon Time Warner Cable die Finger verbrannt, sich Ärger mit diversen TV-Sendern eingehandelt.
Zwischen den Kabelnetzbetreibern und den TV-Sendern herrscht Uneinigkeit über die Frage, ob Apples Plattrechner als weiteres Empfangsgerät einzustufen ist, dessen Nutzung von den existierenden Verträgen abgedeckt ist. Cablevision argumentiert, die TV-Nutzung auf dem iPad sei ohnehin auf das heimische W-Lan-Netzwerk seiner Kunden beschränkt, via Internet sei der Dienst nicht zu nutzen.
Dieser Haltung setzen die TV-Sender die Überzeugung entgegen, man müsse generell über die Frage nachverhandeln, ob das Weiterleiten des TV-Programmes auf das iPad überhaupt von den Verträgen abgedeckt ist. Immerhin seien die laufenden Verträge geschlossen worden, lange bevor Apples Tablet eingeführt wurde. "Streng genommen hat Time Warner nur das Recht, die Signale der Sender auf sein Kabelmodem zu übertragen", zitiert die "Financial Times Deutschland" einen Medienanalysten.
Time Warner Cable aber will nicht nachgeben. Am Wochenende erweiterte das Unternehmen seine iPad-TV-App um 20 zusätzliche Kanäle. Man streite für "mehr Fernsehfreiheit auf mehr Bildschirmen", so ein Unternehmenssprecher. "Wir werden unsere Rechte aggressiv verteidigen. Jeder Sender, der zu uns zurückkommen möchte, ist herzlich willkommen."
iPhone-Betriebssystem erneut geknackt
Zwischen Apple und der Hackergemeinde läuft seit langem ein Hase-und-Igel-Rennen, was die "Befreiung" des iOS-Betriebssystems angeht. Nachdem Apple erst vor kurzem die iOS-Version 4.3.1 veröffentlichte, scheint nun die Gegenseite wieder die Nase vorn zu haben. Das iPhone Dev-Team stellt sein neues Jailbreak-Tool redsn0w zur Verfügung. Von der "Befreiung" ausgenommen ist lediglich das iPad 2. Dagegen soll der Jailbreak bei iPhone 3GS, iPhone 4, iPod touch der 3. und 4. Generation genauso funktionieren wie beim iPad 1 und dem Apple TV der 2. Generation .
Facebook kassiert Milliardenklage wegen Intifada-Seite
Letzte Woche löschte Facebook eine Seite, die auf dem Social Network alle Palästinenser zu einer "dritten Intifada gegen Israel" aufrief. Doch die Entfernung der Seite schützte die Betreiber nicht vor der Klage eines Amerikaners "jüdischer Herkunft", wie sich der Beschwerdeführer selbst beschrieb . Wegen offensichtlicher Nachlässigkeit beim Beantworten von Beschwerden sei nun eine Schadensersatzsumme von einer Milliarde Dollar fällig. Immerhin zählte der Intifada-Aufruf zum Zeitpunkt seiner Löschung am vergangenen Donnerstag bereits 500.000 Fans. Da hatte der israelische Informationsminister Yuli Edelstein Facebook-Chef Mark Zuckerberg bereits in einem Brief zum Handeln aufgefordert.
Facebook gab sich in der Angelegenheit gelassen. Bislang sei noch keine Klageschrift zugestellt worden, im Übrigen betrachte das Unternehmen die Klage als unbegründet und werde gegen sie vorgehen, so ein Sprecher.
CSU macht Druck für Vorratsdatenspeicherung
Die bayerischen Konservativen beharren bei der Vorratsdatenspeicherung auf altbekannten Positionen. Das bekam jetzt Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zu spüren, die erst jüngst die verdachtslose Aufzeichnung von Verbindungsdaten für verzichtbar erklärt hatte. Diese Sicht der Dinge sei unhaltbar, so Stefan Müller, parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag: "Die Bundesjustizministerin muss ihren Widerstand aufgeben und an den Verhandlungstisch kommen."
Nachdem das Bundesverfassungsgericht die Gesetzgebung zur Vorratsdatenspeicherung für nichtig erklärt hatte, ist nach Unionsauffassung eine Neureglung erforderlich. Immerhin müsse Deutschland eine EU-Richtlinie umsetzen. Würde die nicht zustande kommen, habe EU-Kommissarin Viviane Reding bereits ein Vertragsverletzungsverfahren angekündigt.
Auch Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) schloss sich dem Ansinnen an und erhöhte den Druck auf die Justizministerin: "Wir brauchen dringend wieder eine gesetzliche Befugnis zur Vorratsdatenspeicherung. In vielen Fällen von Menschenhandel über Kinderpornografie bis hin zu Terroranschlägen, ist der Zugriff auf gespeicherte Kommunikationsdaten die einzige Chance, Verbrechern auf die Spur zu kommen ."
Zur Problematik der Kinderpornografie im Netz nahm Müller ebenfalls die altbekannte Unionsposition ein. "Es gibt zwischenzeitlich belastbare Zahlen, die durchaus zeigen, dass das Löschen funktioniert, am Ende aber noch 20 bis 30 Prozent der Seiten, die von Deutschland an andere Länder gemeldet werden mit der Bitte zu löschen, nicht gelöscht werden", zitiert Heise den Politiker . Im Unterschied zur Justizministerin befürwortete Müller neben dem Löschen das Sperren einschlägiger Web-Seiten.
Der Handy-Panikknopf für Dissidenten
Auf modernen Handys kann man weitaus mehr speichern als nur ein paar Telefonnummern von guten Freunden. Dieser Umstand kann Dissidenten und Regierungsgegnern in Diktaturen zum Verhängnis gereichen, wenn sie verhaftet werden und die Behörden sich über die Informationen aus dem Handy freuen, die manches Verhör überflüssig machen könnten.
Um diese Gefahr zu bannen, basteln Experten des US-Außenministeriums an einer Smartphone-App, die gewissermaßen wie ein Panikknopf funktionieren soll. Drückt der Besitzer eine bestimmte Taste, so werden alle zuvor auf einer Liste erfassten Mitstreiter via SMS gewarnt. Sofort danach wird das Telefonbuch mit sämtlichen Einträgen ebenso gelöscht wie auch die Anrufliste .
Derzeit sind Apps für Android sowie für einfache Nokia-Handys in Arbeit. Vor allem Letztere sind in Entwicklungs- und Schwellenländern weit verbreitet. Eine Anwendung für das iPhone ist derzeit nicht geplant.
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