Netzwelt-Ticker Twitter plant Gütesiegel für Promis

Der Mikroblogging-Dienst will gegen gefälschte Prominenten-Accounts vorgehen, Rechteinhaber haben keinen Anspruch auf die Herausgabe von Vorratsdaten, das nüvifone kommt, und China verstärkt seine Zensurmaßnahmen. Das und mehr im Überblick.


Wer zwitschert denn da? Der Dalai Lama, der Papst und Franz Müntefering oder doch nur ein anonymer Spaßvogel, der prominente Namen klaut? Weil die zahllosen Promi-Fakes auf Twitter zunehmend die Reputation des Mikroblogging-Dienstes beschädigen (und sogar Klagen nach sich ziehen können), ergreifen die Twitter-Verantwortlichen nun Gegenmaßnahmen.

Twitter-Promi Ashton Kutcher: bald mit Echtheitszertifikat?
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Twitter-Promi Ashton Kutcher: bald mit Echtheitszertifikat?

Ab Sommer will der Zwitscherdienst seinen Nutzern sogenannte verifizierte Accounts anbieten. In der Beta-Phase werden davon zunächst öffentliche Behörden, bekannte Künstler und Sportler profitieren. Wer seine Identität gegenüber Twitter nachweist, erhält ein Gütesiegel, das auch auf dem jeweiligen Account erscheint.

Noch nicht ganz klar ist, wie die Überprüfung der Identität im Detail vonstatten gehen soll. Man sei da noch in der Phase des Experimentierens, so die Betreiber im Twitter-Blog. Mit den geplanten Aktionen soll auch finanziellen Risiken entgegengewirkt werden, die durch Schadensersatzansprüche geschädigter Promis entstehen könnten.

Twitter
Prinzip
zu Deutsch zwitschern oder schnattern, ermöglicht es, kurze Textnachrichten als Mikroblog per SMS, Instant Messaging oder Web-Oberfläche zu veröffentlichen. Andere Nutzer können diese Meldung beispielsweise mit ihrem Mobiltelefon oder RSS-Reader verfogen. Der Dienst heißt Twitter, die SMS-ähnlichen Nachrichten Tweets. mehr zu Twitter auf der Themenseite
Geschäft
Twitter hat bislang kein Erlösmodell. Im Gespräch sind Werbung oder kostenpflichtige Twitter-Accounts für Unternehmen. Ende 2008 lehnte CEO Evan Williams ein Übernahmeangebot über 500 Millionen Dollar von Facebook ab. Akute Geldsorgen hat die Firma dennoch nicht - 55 Millionen US-Dollar Risikokapital hat das Unternehmen seit Gründung erhalten, zuletzt brachte eine Finanzierungsrunde noch einmal 35 Millionen US-Dollar.
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Garmins nüvifone kommt in den Handel - in Asien

Fast anderthalb Jahre geisterte die Nachricht durch die Fachwelt, der amerikanische Navigationsgerätehersteller Garmin wolle mit einem GPS-gestützten Smartphone namens nüvifone auf den Handy-Markt. Doch dessen Markteinführung verzögerte sich immer wieder - bis jetzt. Denn nun ist es offenbar endlich soweit: Ende Juni oder Anfang Juli soll der Verkauf in einigen Ländern beginnen, allerdings nur in Asien. Die Einführung in den USA oder Europa sei in nächster Zeit nicht geplant.

Ursprünglich war das nüvifone schon im Januar 2008 angekündigt worden. Technische Probleme führten ebenso zu Verspätungen wie langwierige Kooperations-Verhandlungen mit diversen Mobilfunkanbietern. Da werden sich die Verantwortlichen kaum freuen, wenn der Name des Unternehmens in anderen, unrühmlichen Zusammenhängen in die Schlagzeilen gerät. Ausgerechnet im Bereich seiner Kernkompetenz musste Garmin jetzt eine Schlappe hinnehmen und eine Rückrufaktion für fehlerhafte Seekarten starten. Einige nautische Karten für Boot-Navigationssysteme enthalten in ihrer 2009er-Version fehlerhafte Angaben zu den Gewässertiefen für die Seegebiete vor Schweden und Dänemark.

Keine Vorratsdaten an Rechteinhaber

Daten, die im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Vorratsspeicherung von den Providern gespeichert werden müssen, dürfen nur zur Verfolgung schwerer Straftaten herausgegeben werden, nicht aber an Rechteinhaber. Auch wenn diese mögliche Schädigungen durch unerlaubte Weiterverbreitung von Musik oder Filmen beklagen, besteht kein Anspruch auf Herausgabe von IP-Adressen, die die vermeintlichen Übeltäter entlarven könnten. Das entschied das Oberlandgericht (OLG) Frankfurt in einem Beschluss vom 12. Mai 2009 und hob damit einen gegenteiligen Entscheid der Vorinstanz auf.

Im konkreten Fall hatte der Anbieter eines Pornostreifens, der in diversen Tauschbörsen im Internet aufgetaucht war, geklagt. Der Rechteinhaber des Schmuddelfilmchens hatte eine einstweilige Verfügung gegen Provider zur Herausgabe der entsprechenden Daten erwirkt.

Zu Unrecht, wie das OLG nun feststellte, denn bei den angeforderten Daten handele es sich nicht um Verkehrsdaten im Sinne von § 96 des Telekommunikationsgesetzes (TKG). Ein zivilrechtlicher Anspruch auf Auskunft wie im Falle des Sexfilmmachers gelte aber nur für diese. Angaben wie IP-Adressen könnten jedoch nur im Rahmen hoheitlicher Maßnahmen verwendet werden (Az. 11 W 21/09).

Das Urteil markiert für die Bemühungen von Rechteinhabern, auf dem Wege zivilrechtlicher Klagen den staatlich vorgeschriebenen Vorratsdatenpool anzuzapfen, einen deutlichen Dämpfer.

China erlaubt nur PC mit beigelegtem Zensurprogramm

Chinas Regierung bleibt weiter auf strammem Zensurkurs und plant die Verschärfung beziehungsweise Neueinführung weiterer Maßnahmen. So sollen einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge PC-Hersteller verpflichtet werden, ab dem 1. Juli nur noch Geräte mit vorinstallierter oder wenigstens beigelegter Zensursoftware zu verkaufen. Die Programme sollen den Zugang zu Web-Seiten, die in den Augen der Regierung unerwünscht sind, möglichst schon ab Werk verhindern.

Während die Computer-Produzenten bereits über die neuen Vorschriften informiert wurden, ist die chinesische Öffentlichkeit noch weitgehend Ahnungslos. Wie üblich wird auch die neueste Beschränkung mit dem liebevollen Schutz begründet, den die Regierung ihrem Volk angedeihen lassen will. Die Bevölkerung solle vor schädlichen Inhalten geschützt werden, das vorrangige Ziel sei die Verhütung von pornografischem Material.

Computerexperten warnten jedoch bereits vor möglichen Beeinträchtigungen durch das Zensurprogramm. Nicht nur, dass es nach Hause telefoniere und dabei persönliche Daten über den jeweiligen Nutzer übertrage, es könne überdies zu Fehlfunktionen im Rechner führen. Derweil brüten Hersteller wie HP über die optimale Umsetzung der Vorgaben aus Peking. Wer ein Wort des Protests oder zumindest einen lauten Wunsch nach Klärung erwartet hat, sieht sich getäuscht. Für HP ist China ein wichtiger Markt. Also arbeite man mit "den Behörden zusammen, um deren Vorgaben bestmöglich umzusetzen", wie das "Wall Street Journal" einen Unternehmenssprecher zitiert.

YouTube will mit dem Wähler reden

Seit gestern ist's live: Die Koproduktion von YouTube und dem ZDF namens "Open Reichstag" soll politische Kommunikation vor der Wahl auch für die Netz-Video-Generation interessant machen. Derzeit kann man dort per Video auf eine sogenannte Sonntagsfrage antworten: Jürgen Trittin von den Grünen möchte von den YouTube-Nutzern wissen wohin mit dem Atommüll. Weitere Fragen sollen folgen. In den kommenden Monaten soll die Seite weitere Funktionen dazubekommen. Ausgewählte Beiträge, die dort hochgeladen werden, sollen auch ins reguläre Informationsprogramm des ZDF einfließen.

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