Netzwelt-Ticker Twitter verdreifacht Anmeldungen dank iPhone

Twitter-Chef Costolo freut sich über viele neue Twitterer, die Apple ihm beschert hat. Außerdem im Nachrichten-Überblick: 4chan-Gründer Chris Poole kritisiert den Identitätsfetisch von Facebook und Google, US-Ministerium warnt vor Anonymous, Baby erklärt Papiermagazine für kaputt.

Twitter-Logo beim Web 2.0 Summit: Firmenchef Costolo meldet Anmeldeboom
AFP

Twitter-Logo beim Web 2.0 Summit: Firmenchef Costolo meldet Anmeldeboom


Die Kooperation mit Apple zahlt sich aus: Laut Twitter-Geschäftsführer Dick Costolo hat sich die Zahl der Neuregistrierungen bei Twitter seit dem vergangenen Donnerstag verdreifacht. Ab diesem Tag konnten Kunden das neue Apple-Betriebsystem iOS 5 für iPads und iPhones herunterladen.

Costolo macht die Einbindung von Twitter in Standardanwendungen des neuen iOS für das Wachstum verantwortlich. Bei der Konferenz Web 2.0 Summit sagte er: "Twitter ist tief in der neuen Version verankert, man kann zum Beispiel Fotos direkt aus der Fotoanwendungen per Twitter versenden." (lis)

4chan-Gründer kritisiert Googles und Facebooks Meldestellen

Chris Poole, Gründer des berüchtigten 4chan-Bilderforums, mischt sich mit etwas Medientheorie in die Kritik am Umgang aktueller Internetdienste mit Identitäten ein: "Google und Facebook wollen euch Glauben machen, dass ihr ein Spiegel seid," erklärte der im Netz vor allem als moot bekannte Vorzeige-Geek in einem Vortrag auf der Web-2.0-Konferenz in San Francisco. "Dabei seid ihr viel eher Diamanten."

Facebook und Google, erklärte Poole, würden mit ihrem Drang eindeutige Identitäten repräsentieren zu wollen (beispielhaft dafür steht die Klarnamen-Debatte) die virtuellen Profile ihrer Mitglieder übermäßig vereinfachen und durch ihren Identitäts-Fetisch Menschen Wahlmöglichkeiten nehmen.

Dass Klarnamenzwang und eindeutige Identität aber keine Zwangsläufigkeiten im Netz sind, verdeutlichte Poole am Beispiel der Anfänge der Internetzeit, an der Anonymous-Bewegung und - Überraschung! - an Twitter: Der Kurzmitteilungsdienst erlaube Pseudonyme, Nonsense-Profile und mehrfache Mitgliedschaften. Google und Facebook hingegen "konsolidieren Identitäten und lassen Menschen einfacher erscheinen, als sie wirklich sind", meint Poole. "Unsere Möglichkeiten werden verringert."

Moderne soziale Netzwerke - in Wirklichkeit ja längst Identitätsmanagement-Systeme - repräsentieren nicht die Gesamtheit einer Person, sondern verdichten all ihre Aspekte in ein virtuelles "Ich". Dieses "Ich" stimmt aber kaum mit dem tatsächlichen "Ich" überein, sondern ist nur eine grobe Vereinfachung. Menschen werden ihres Facettenreichtums beraubt - und damit ihrer Freiheit.

Pooles Kritik ist in der Internet-Medientheorie fast schon ein alter Hut: Das Internet bleibe weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, die Vielschichtigkeiten und inneren Randpositionen, die Widersprüche jedes Menschen abbilden zu können. Einst war der Cyberspace bevölkert von Ideen und nicht von Identitäten- und das war gut so. Denn "Identität" ist eine Zuschreibung von Außen. Was Du bist, legt jemand anderes fest. Ein Zustand, aus dem heraus man Anonymous als Widerstandsbewegung sehen kann.

US-Heimatschutzministerium klärt über Anonymous auf

Wie gefährlich diese Idee der Identitätslosigkeit zu sein scheint, zeigt auch dieses Bulletin des US-Heimatschutzministeriums (PDF) über die Internet-Bewegung Anonymous. Darin warnt das "National Cybersecurity and Communications Integration Center" vor Angriffsplänen des "lose organisierten Hacker-Kollektivs" auf industrielle Computersysteme, zum Beispiel Scada-Steueranlagen. "Den bisher verfügbaren Informationen über Anonymous kann entnommen werden, dass sie derzeit nur beschränkte Fähigkeiten haben", solche Anlagen auch tatsächlich anzugreifen. Das könne sich jedoch schnell ändern.

Baby weiß es: "Magazine sind kaputte iPads"

Dass Kleinkinder überraschend gut mit Tablet-Computern umgehen können, ist ja anekdotisch hinreichend belegt. Dass sie aber auch endgültige, vernichtende Urteile über Papiermagazine sprechen (oder eher: patschen und lallen) können, zeigt erstmals dieses so niedliche wie sehr, sehr zum Nachdenken anregende Video. Dieses Magazin, verdeutlicht das Baby, ist ein kaputtes iPad!

Was am Dienstag sonst in der Netzwelt wichtig war

  • Vor über einem Jahr entdeckte der spanische Hacker Jose A. Vazquez eine bedenkliche Sicherheitslücke im Opera-Browser. Weil sie bis heute nicht gestopft ist, veröffentlicht Vazquez die Details.
  • Eine Macbook-Air-Fabrik in China stinkt derart, dass sich die Anwohner beschweren - und die pünktliche Auslieferung der neuen Laptop-Version (angeblich) auf dem Spiel steht. Wegen Fabrikgestank.
  • Wer erstellt eigentlich die Filterlisten, anhand derer britische Surfer ab sofort in ihrer Internet-Freizügigkeit eingeschränkt werden sollen? "PC Pro UK" hat herausgefunden: Ein paar schlecht ausgebildete Studentenjobber.
  • Der Blackberry-Ausfall hat den Straßenverkehr zeitweilig erheblich weniger gefährlich gemacht - diese Ansicht vertritt zumindest die Polizei der Vereinigten Arabischen Emirate. Während der Downtime sei die Zahl der Autounfälle in Abu Dhabi um 40 Prozent und in Dubai um 20 Prozent zurück gegangen.
  • Der virtuellen, anonymen Netz-Währung BitCoin geht - meinen Kritiker - die Puste aus. Oder aber ihr blüht - meinen Apologeten - eine Zeit des Aufschwungs. Der Grund: Ein Bitcoin ist derzeit weniger wert als die Kosten, die für ihre Gewinnung aufgebracht werden müssen. Folgt nun der totale Absturz oder der Boom?
  • Glaubt man den Forenberichten vieler Smartphone-Blogs, lässt sich mit Apples Spracherkennung Siri die Gerätesperre umgehen - indem man der virtuellen Assistentin einfach Befehle gibt.
  • Wie zwingt man den Staat zu mehr Datenschutz? Man verklagt ihn bei Datenlecks. So geschehen in Amerika, wo vier ehemalige Militärangehörige das US-Verteidigungsministerium auf 4,9 Milliarden Dollar verklagten, weil ihre Daten durch eine Sicherheitslücke des Militär-Gesundheitsdienstleisters Tricare in Gefahr gerieten.
  • Was sich jeder schon mal gefragt hat: Warum ist eigentlich Indoor-Navigation so schwierig? Natürlich, weil die GPS-Satelliten nicht in unsere Wohnungen schauen können. Aber es gibt Lösungen…

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