Netzwelt-Ticker US-Behörden schnüffeln bei Facebook

Mit verdeckten Ermittlungen in sozialen Netzwerken will die US-Einwanderungsbehörde Scheinehen und Immigranten aufspüren. Die EU fördert ein Schädelvermessungsprojekt gegen Kinderpornographie und Microsoft wurde Opfer eines Angriffs der Pillenrussen. Das und mehr im Überblick.

US-Grenze: Illegale abfangen, nicht erwischte identifizieren und ausweisen
AFP

US-Grenze: Illegale abfangen, nicht erwischte identifizieren und ausweisen


Amerikanische Bundesbeamten gehen in sozialen Netzwerken wie Facebook auf die Jagd nach illegalen Immigranten und sammeln die dort gewonnenen Daten in einer eigenen Kommandostelle. Das will die amerikanische Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) anhand von Regierungsunterlagen beweisen können, die sie auf offiziellem Wege erhalten hat.

Demzufolge hat die US-Einwanderungsbehörde FDNS die eigenen Agenten in einem Memo dazu ermuntert, die "narzisstischen Tendenzen" von Facebook-Mitgliedern auszunutzen und zukünftige Bürger zu "frienden", also zum eigenen Facebook-Netzwerk hinzuzufügen. "Das erschließt einen ausgezeichneten Beobachtungspunkt, von dem aus FDNS das tägliche Leben von Versorgungsempfängern und Bewerbern beobachten kann, die verdächtigt werden, betrügerischen Aktivitäten nachzugehen." So könnten die Agenten etwa herausfinden, ob eine geplante Ehe mit einem US-Bürger Herzens- oder Papiersache ist.

Die EFF kritisiert dieses Vorgehen natürlich prinzipiell, moniert aber auch im Detail: Dieses Memo, schreiben die EFF-Autoren, schlage vor, dass ein übertriebenes, harmloses oder völlig veraltetes, unüberlegtes Status-Update schnell zum Fokus einer umfassenden Einbürgerungs-Untersuchung werden könnte.

Damit nicht genug: Die EFF will weiterhin herausgefunden haben, dass die amerikanische Heimatschutzbehörde DHS ein "Social Networking Monitoring Center" betreibt, um Internetkommunikation in Netzwerken und Foren zu überwachen. Wer sich davon ein Bild machen will, findet in der Pressemeldung der EFF die offiziellen Präsentationsfolien des Heimatschutzministeriums.

Schädelvermessung gegen Kinderpornographie

Die ORF Futurezone schreibt über ein Scan-Projekt, das die automatische Alterseinstufung von Personen auf Internetbildern ermöglichen soll. Konkret: Handelt es sich bei der aufgenommenen Person um ein/e Erwachsene/n oder ein Kind? Mit einem solchen System könnte zum Beispiel Kinder- und Jugendpornographie im Internet aufgestöbert oder automatisch pornographische Bilder aus legalen Bildsammlungen entfernt werden.

Doch so ein System muss zunächst mit voreingestuften Bildern angelernt werden, weswegen die Europäische Union 600.000 Euro für die Vermessung von 2150 Jungen und Mädchen zwischen neun und 21 bereitstellt. Dabei werden die Körpergröße und die Entwicklung sexueller Merkmale einbezogen. Vor allem aber das Gesicht spielt bei der Alterseinschätzung eine große Rolle.

Warum der EU so ein System wichtig ist, erklärt Bettina Winsemann ausführlich im Future-Zone-Artikel.

Angriff der Pillenrussen

Microsoft hat einen Bericht von The Register bestätigt, wonach russische Pillen-Spammer über zwei Internetadressen, die Microsoft gehören, Spam-Opfer zu mehr als Tausend Betrugs-Seiten mit illegalen Online-Apotheken umgeleitet haben. "Wir haben unsere Untersuchungen beendet und herausgefunden, dass zwei falsch konfigurierte Netzwerk-Geräte in einem Testlabor kompromittiert waren." Grund: menschliches Versagen - vermutlich konnte sich ein Bot oder eine andere Malware auf den Laborrechnern einnisten.

Kurios: Von den zwei von The Register benannten IP-Adressen wurde auch eine Denial-of-Service-Attacke gegen den IT-Journalisten Brian Krebs ausgeführt. Krebs analysiert den Angriff in seinem Blog Krebsonsecurity.com, ihm bleiben aber nur Mutmaßungen über die Motive: "Ich weiß nur, dass dieser Angriff absichtlich erfolgte, entweder um mich wissen zu lassen, wer dahinter steckt, oder um mich denken zu lassen, ich wüsste, wer dahinter steckt."

Zerbrechliches iPhone 4 eine Legende?

Der Apple-Holic-Blogger Jonny Evans kritisiert die Apple-Kritiker, die unkritisch eine Meldung übernommen hätten, wonach iPhone-4-Smartphones 82 Prozent häufiger kaputt gehen als die älteren iPhone 3Gs. Evans: "Das ist nicht ganz wahr."

Die Behauptung gehe auf die Daten des Garantie-Dienstleisters SquareTrade zurück, der 20.000 iPhone-Garantiefälle analysiert haben will. Demnach schicken 3,9 Prozent der iPhone-4-Käufer in den ersten vier Monaten nach Kauf ihr iPhone wegen einer zerbrochenen Glasscheibe zurück, im selben Zeitraum schickten nur 2,1 Prozent der 3G-Käufer ihres zurück. Wen wundert's, meint Evans: Das neue iPhone habe im Gegensatz zum Vorgänger auf Vorder- und Rückseite Glas. Da sei es doch schon ein gutes Zeichen, dass die Scherbenfälle sich nicht verdoppelt haben…

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