Netzwelt-Ticker US-Evangelikale schicken Solar-Bibeln nach Haiti

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, dachten sich US-Christen und schickten solarbetriebene Audiobibeln nach Haiti. Die Hälfte der Besucher kommt nicht über Google News hinaus und wer Polizisten bei der Arbeit filmt, kann schon mal selbst im Knast landen. Das und mehr im Überblick.
Streit um gestohlene Lebensmittel in Haiti: Audio-Bibeln aus den USA als Nothilfe?

Streit um gestohlene Lebensmittel in Haiti: Audio-Bibeln aus den USA als Nothilfe?

Foto: Ramon Espinosa/ AP

Während fast die ganze Welt zusammensteht, um den geplagten Menschen von Haiti nach der Erdbebenkatastrophe medizinische Hilfe und Nahrungsmittel zukommen zu lassen, sind für manche Leute andere Dinge wichtiger. Das Seelenheil zum Beispiel. Nicht alle gehen da so weit wie der in den USA bekannte TV-Prediger Pat Robertson, der das Erdbeben als Strafe Gottes für den sündigen Lebenswandel der Haitianer bezeichnet hatte. Aber ein wenig christliche Ermunterung tue schon not, finden manche. Zum Beispiel eine evangelikale Gemeinde in US-Bundesstaat New Mexico, die ein extravagantes Hilfspaket auf den Weg gebracht hat. Darin enthalten: 600 Bibeln ganz besonderer Art. Denn es handelt sich nicht um gewöhnliche Bücher, die heiligen Schriften sind solarbetriebene Audio-Geräte, die das Wort Gottes in haitianisch-kreolischer Sprache erklingen lassen. Eine Akkufüllung der "Proclaimer" soll für 15 Stunden reichen. Die Betreiber der dazugehörigen Website "Faith Comes By Hearing" nennen ihre frommen Vorlesemaschinen denn auch "ein Geschenk Gottes"  . Man könne das Gerät überall nutzen, sogar auf dem Mond. Die Aktion solle dazu beitragen, "durch Gottes Wort Glaube, Hoffnung und Liebe zu verbreiten".

Fast die Hälfte bleibt bei Google News hängen

Wenn Sie diesen Text lesen, haben Sie mehr Hartnäckigkeit bewiesen als viele Ihrer Zeitgenossen. Viele Surfer begnügen sich bei der Suche nach News und Infos mit kleinen Häppchen und Schlagzeilen, ohne tief in die Geschichte einzusteigen. Die Marktforschungsfirma Outsell hat sich das Leseverhalten von knapp 3000 US-Bürgern angesehen. Beinah die Hälfte der Nutzer des Nachrichten-Sammeldiensts Google News begnügt sich mit den dort angebotenen Ausschnitten der Texte und klickt gar nicht weiter, um die Originalnachricht zu lesen. Und je neugieriger, desto fauler. Info-Junkies, die zwei-, dreimal oder noch häufiger bei Google News hereinschauten, sei die Rate sogar noch niedriger. Outsell-Analyst Ken Doctor bilanziert bei "Techcrunch": "Google News bringt den Zeitungen einigen Traffic, nimmt aber auch einen erheblichen Teil weg."  Auch die weiteren Zahlen der Studie dürften in Verlagshäusern nicht für Jubelstürme sorgen. Nur jeder zehnte Befragte äußerte die Bereitschaft, für ein Zeitungsabo zu bezahlen, um so auch Zugang zu Online-Inhalten zu erlangen. 75 Prozent würden zu einer anderen Gratis-Nachrichtenquelle abwandern, wenn ihre eigene Zeitung online auf Bezahlung bestünde.

FBI schob jahrelang Terrorgefahr vor, wertete illegal Verbindungsdaten aus

Das FBI soll eigentlich Recht und Ordnung gegen Missetäter verteidigen, greift aber zuweilen selbst zu nicht ganz gesetzeskonformen Mitteln. Das ist das Fazit eines Berichts der "Washington Post" über einen neuerlichen Datenskandal in den USA. Unter dem Vorwand, es herrsche Gefahr im Verzug, konnte das FBI eine Reihe von Telkos dazu bewegen, die Verbindungsdaten Tausender Telefonate herauszugeben . Immerhin seien diese illegalen Aktivitäten 2007 eingestellt worden. Die Beteiligten waren sich über die Rechtswidrigkeit ihres Tuns völlig im Klaren. Das wird durch den Umstand verdeutlicht, dass die von Telkos geforderten Autorisierungsverfügungen zur Datenherausgabe häufig erst im Nachhinein erteilt wurden, was eindeutig gegen die Regelungen im Datenschutzgesetz Electronic Communications Privacy Act verstößt.

Mehr Datenschutz bei Bing

Wie lange bleiben die IP-Adressen der Nutzer von Suchmaschinen gespeichert? Nach dem die EU heftig mit den Augen rollte, gab schon 2008 Obersuchmaschinist Google nach und setzte den Speicherzeitraum auf neun Monate zurück. Die Konkurrenz von Microsoft geht jetzt einen Schritt weiter und kündigte an, man wolle bei der hauseigenen Suchmaschine Bing innerhalb der nächsten anderthalb Jahre auf eine verkürzte Speicherfrist von nur noch sechs Monaten umstellen . Tatsächlich würden bei der internen Auswertung der Suchergebnisse die jeweilige IP-Adresse sofort von der Anfrage getrennt, "de-identifiziert". Die neue Regelung zur Fristverkürzung gelte weltweit.

US-Regierung richtet Online-Kummerkasten für Bürger ein

Vor genau einem Jahr wurde Barack Obama als US-Präsident vereidigt, heute ist eines seiner Wahlversprechen in die Tat umgesetzt worden. Er hatte die Wahl nicht zuletzt mit der Ankündigung gewonnen, mit der Heimlichtuerei der Bush-Administration Schluss zu machen und anstelle dessen Transparenz und "Open Government" versprochen. Die erfahren tatkräftige Realisierung durch eine neue Web-Seite, auf der US-Bürger Kommentare, Meinungen und Verbesserungsvorschläge einreichen können . Die Seite der Verwaltungsbehörde GSA ist dabei mit jedem Ministerium und jeder Behörde vernetzt. So sollen Bürger mit einzigen Tool alle beteiligten Dienststellen und Einrichtungen erreichen können, was eine effektive und transparente Zusammenarbeit zur Folge haben soll.

USA: Polizist gefilmt, ab in den Knast

Polizisten lassen sich bei ihrer Arbeit ungern über die Schulter sehen, noch weniger gern lassen sie sich filmen. Das merkte auch der Bostoner Anwalt Simon Glik, der mit der Handy-Kamera drei Polizisten filmte, nachdem ihm deren Behandlung eines jugendlichen Verdächtigen gar zu drastisch vorgekommen war. Augenblicke später wurden dem Mann Handschellen angelegt und er wurde unter dem Vorwurf der illegalen elektronischen Überwachung verhaftet. Glik war nicht der einzige, der auf diese Weise hinter Gittern landete, wie der "Boston Globe" berichtet.  Genaue Zahlen werden nicht genannt, aber merkwürdig ist es schon, worauf sich die Bostoner Polizei beruft. Grundlage der Verhaftungen ist nämlich ein Gesetz von 1968, das die Zustimmung aller Beteiligten eines Telefonates für dessen Aufzeichnung voraussetzt. Ursprünglich wurde es erlassen, um Bürger vor allzu neugierigen Privatdetektiven zu schützen. Ums Bürgerrecht gehe es der Polizei wohl nicht, so eine Sprecherin der Amerikanischen Bürgerrechtsunion (ACLU): "Die Polizei will offensichtlich keine Zeugen dessen, was sie in der Öffentlichkeit tut." Das will die Polizei nicht auf sich sitzen lassen. "Wenn jemand eine Verhaftung in einer Weise stört, die dem Beamten oder einer anderen Person Schaden zufügen könnte, ist es die Pflicht des Beamten, die Sicherheit der Lage zu gewährleisten", so eine Polizeisprecherin. Wie jemand einem anderen mit einer Handy-Kamera Schaden zufügen kann, erklärte sie allerdings nicht.

200 Euro im Kampf gegen den Terror eingefroren

Im Kampf gegen den Terror ist jeder noch so kleine Sieg bemerkenswert. Das scheint der Gedanke hinter einer Pressemeldung des Deutschen Bundestages gewesen zu sein. Im Text wird der Erfolg von finanziellen Maßnahmen gegen verschiedene Organisationen gepriesen, die auf einer EU-Terrorliste aufgeführt sind. Dort findet sich die palästinensische Hamas ebenso wie kurdische Separatisten und tamilische Freiheitstiger. Auf die kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag teilte die Bundesregierung mit, wie hoch die Summe der im Rahmen der Finanzsanktionen bislang eingefrorenen Gelder ist: 203,93 Euro.  Außerdem:

Neues vom Google Book Settlement 

WDR will Testlauf für Tagesschau-iPhone-App abwarten 

Bill Gates - fünf Tweets, 170.000 Follower  

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