Netzwelt-Ticker US-Gericht wertet Protest-Mails als Hackerangriff

Wer mit einer Vielzahl von Anrufen und E-Mails eine Firma belästigt, kann in den USA als Hacker gelten. Außerdem im Überblick: Google patentiert Paketdienstleistungen - und ein Softwarefehler beim Zensus führt zu falschen Mahnungen.

US-Rechtsprechung: Ein Übermaß an E-Mail-Anfragen kann eine Online-Attacke sein
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US-Rechtsprechung: Ein Übermaß an E-Mail-Anfragen kann eine Online-Attacke sein


Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es regelmäßig originelle bis seltsame Gerichtsentscheide zu bestaunen. In diese Kategorie gehört wohl auch das Urteil eines Berufungsgerichts in Ohio. Dort hatten Gewerkschaften im Rahmen eines Arbeitskampfes ihre Mitglieder dazu aufgefordert, ihren Protest durch Telefonanrufe und E-Mails an den Arbeitgeber auszudrücken.

Die betroffene Firma, das Wohnungsbauunternehmen Pulte Homes, beschwerte sich bald darauf über ständig besetzte Telefonleitungen und vollgelaufene E-Mail-Postfächer. Diese Beschwerde trug Pulte Homes auch vor Gericht vor und verklagte mehrere Gewerkschafter. Die Begründung lautete, die Gewerkschaftsaktion verstoße gegen den Computer Fraud and Abuse Act (CFAA) und sei nichts anderes als Computermissbrauch, gleich einem Hackerangriff.

Das sah das Gericht auch so und stellte die Rechtsverletzung fest. Damit, so die US-Seite "Computerfraud", entspreche das Berufungsgericht einer seit einigen Jahren zu beobachtenden Tendenz. Während die erstinstanzlichen Bundesgerichte das CFAA-Gesetz stets eng auslegten und oft auf direktes Computer-Hacken beschränkten, würden die nächstinstanzlichen Gerichte häufig auch allgemeine Verstöße im Zusammenhang mit Computern generell unter CFAA-Geltung stellen.

Kommt bald Googles Paketdienst?

Sie haben beim Online-Dienst etwas bestellt und bekommen eine E-Mail-Bestätigung? Dann nutzen Sie und Ihr Geschäftspartner Google-Technologie, ohne es zu wissen. Das zumindest ist die Quintessenz eines Patents, das dem Suchmaschinenbetreiber seit Dienstag das Recht an der Idee von Auslieferungsbestätigungen und Nachverfolgungssystemen gewährt.

Dass Google demnächst einen eigenen Paketdienst aufmachen wird, erscheint dennoch fraglich. Viel wahrscheinlicher dürfte das frisch erworbene Schutzrecht als Retourkutsche in den Patentkriegen mit Microsoft und Apple dienen, die Google in Sachen Android mit eigenen Patenten das Leben schwer machen.

Softwarefehler bei Volkszählung führt zu falschen Mahnungen

Streng besteht der Staat beim Zensus 2011 auf pünktliche und vollständige Beantwortung der in den Volkszählungsfragebögen aufgelisteten Fragen. Wer sich weigert, wird mit einem Bußgeld von bis zu 300 Euro bedroht. Und tatsächlich flattern in diesen Tagen vielen Bürgern Mahnschreiben ins Haus. Dumm nur, dass die Betroffenen sich keiner Schuld bewusst sind, sie haben ihre Daten längst ordnungsgemäß übermittelt.

Allerdings laufe die Software zur Verwaltung der Daten holprig und stürze häufig ab, berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung". Demnach brechen beispielsweise Datenübertragungen unbemerkt ab und werden als nicht erfolgt gewertet. Während die Verantwortlichen beim Statistischen Landesamt Sachsen-Anhalt das Problem eingestehen, gab sich das Statistische Bundesamt überrascht.

Das Hauptproblem scheint die Zusammenführung von Informationen aus verschiedenen Datenbanken, beispielsweise von Grundbuchamt, Finanzamt oder der Stadtverwaltung, zu sein. "In der Folge gibt es dann unter Umständen drei Mahnungen", wird der Präsident des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt Manfred Scherschinski zitiert.

Gizmodo kassiert doch keine Strafe wegen des verlorenen iPhone 4

Im Frühjahr des letzten Jahres machte das Technik-Blog Gizmodo Furore, weil es in den Besitz eines verlorengegangenen iPhone-4-Prototypen gekommen war und darüber einen Bericht veröffentlicht hatte. Apple-Chef Steve Jobs gab sich vergrätzt. Schließlich mussten sich die Gizmodo-Macher einem Verfahren wegen Computerkriminalität stellen.

Nun stellte der zuständige Bezirksrichter nach Sichtung aller vorliegenden Beweise fest, dass seitens des Gizmodo-Teams keinerlei Rechtsverletzung vorliege und daher auch keine Anklage erhoben werde.

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Seite 1
de.nada 11.08.2011
1. 
Zitat von sysopWer mit einer Vielzahl von Anrufen und E-Mails eine Firma belästigt, kann in den USA als Hacker gelten. Außerdem im Überblick: Google patentiert Paketdienstleistungen - und ein Softwarefehler beim Zensus führt zu falschen Mahnungen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,779628,00.html
Das mit dem Zensus finde ich gut, vermutlich ISDN und die meinen es "holpert" die Software. ;D Nein, mal was mehr im Spaß, da werden ja nur unter 10 % befragt und die bekommen alle die Unterlagen persönlich an die Haustüre gebracht und werden eigentlich wie damals 1987 "interviewed". Also das sollen ja hauptsächlich persönlich ausgefüllte Fragebogen sein um den Ablauf möglichts ohne nachfragen zu gestallten und auch die Leute die die Befragungen durchführen füllen nunmehr "zusammen mit den Ausgewählten den Fragebogen aus". Würde mich echt mal für die Anzahlen der Fragebögen interessieren, die da für "holprige" Verarbeitung sorgten. Online ging ganz gut. ;) (Falls dies jemand liest der wegen Sommergrippe nicht reingelassen wurde, die war echt. Ich weiß, es tut mir auch leid, meine Freundin hatte 1987 sowas auch gemacht und ich wusste das das Bares für die Befrager bedeutet diesen Fragebogen Online zu beantworten. Das war aber echt ein sch... Virus)
Ex-Kölner 11.08.2011
2. Zenstuß
Wie peinlich ist das denn? Paßt aber gut in das Gesamtbild dieser 770-Millionen-Euro-Verschwendung, bei der Daten abgefragt werden, die den Behörden eigentlich vorliegen sollten. Ich will den Mitarbeitern von Einwohnermelde-, Grundbuch- oder Finanzämtern gar keine Faulheit unterstellen - allerdings ihren Oberen. Die sind ja offensichtlich seit Jahrzehnten nicht in der Lage, die rechtlichen und technischen Voraussetzungen zu schaffen, um die ohnehin vorhandenen Daten anonymisiert zu den Statistikern zu schaffen! Nebenbei: Bis die Daten ausgewertet sein werden, sind sie das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt werden. Gesellschaften und die Zeiten sind schnellebiger geworden, der Blick in die Vergangenheit ist nutzlos.
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