Netzwelt-Ticker US-Kasinos jagen die iPhone-Schummler

Fahnder in Las Vegas halten in Kasinos Ausschau nach Spielern, die mit iPhones Karten zählen. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Warner Music schaltet Musikdienst Songbeat ab und die Fans des eingestellten Spielesenders Giga wollen unter den ARD-Schutzschirm.


Manche Lottospieler und Zocker schwören auf ein vorgeblich todsicheres System, das ihnen schon bald märchenhaften Reichtum bescheren soll. Bei Spielen wie Blackjack kommt es dagegen mehr auf ein gut trainiertes Gedächtnis und die Fähigkeit an, die Karten zählen zu können. Wer dabei auf eine elektronische Zählhilfe vertraut, macht sich in den US-Bundesstaaten Nevada und Kalifornien allerdings strafbar.

Glücksspiel in Macau: Wohl dem, der das absolute Gedächtnis in der Tasche trägt
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Glücksspiel in Macau: Wohl dem, der das absolute Gedächtnis in der Tasche trägt

Das dürfte einige gewinnsüchtige Glücksritter nicht daran hindern, zum Bespiel Apples Kulthandy für verbotene Spiele zu nutzen. Denn mit dem Blackjack Card Counter verwandelt sich das iPhone in eine leicht zu bedienende Zählhilfe.

Dass die Applikation ausdrücklich für den heimlichen Einsatz entwickelt wurde, zeigt sich daran, dass sie auch bei ausgeschaltetem Display bedient werden kann. Ein Umstand, auf den jetzt auch mehrere Kasino-Betreiber aufmerksam geworden sind. Zuerst fielen die Spieler mit dem iPhone in einem kalifornischen Spielsalon auf.

Die Glücksspielkommission des Bundesstaats warnt nun vor dieser neuen Masche. Was natürlich auch im Mekka der Zocker und Spieler zu Unruhe führt, in Las Vegas im Nachbarstaat Nevada. Zwar seien dort bislang noch keine Meldungen über entsprechende Betrüger eingegangen, so die örtliche Behörde. Wer sich jedoch erwischen lässt, muss mit harten Strafen bis hin zu einem Gefängnisaufenthalt rechnen.

Musikbranche bremst Songbeat aus

Da hatte ein Berliner Startup eine so einfache wie naheliegende Idee verwirklicht: eine Suchmaschine für Musikstücke. Wie bei Google wird das Web nach Suchbegriffen durchforstet und eine Liste passender Musikdateien präsentiert. Die kann der Songbeat-Nutzer anhören und auch herunterladen.

Leider auch solche, die urheberrechtlich geschützt sind. Und da versteht die Musikindustrie keinen Spaß. Die deutsche Abteilung des Musikriesen Warner zog vor den Kadi und erwirkte eine einstweilige Verfügung. Songbeat darf ab sofort keine Titel aus dem Warner-Katalog mehr auflisten und zugänglich machen.

Bei ihrer Klage arbeiteten die Warner-Juristen mit dem deutschen Bundesverband der Musikindustrie zusammen. Schon seit längerem ziehen die Interessenvertreter der Musikindustrie gegen jede Möglichkeit zu Felde, Musik aus dem Internet aufzunehmen. Davon ist nun auch das "Google für Musik" betroffen, wie Songbeat-Chef Philip Eggersglüß seinen Dienst gegenüber dem ZDF nannte. Vor dem richterlichen Bannstrahl konnte die Musiksuchmaschinisten auch nicht der Umstand bewahren, dass sie, im Unterschied zu Google, auf die Pflicht des Nutzers verweisen, vor dem Download dessen Rechtmäßigkeit zu überprüfen.

StudiVZ integriert ein bisschen Bild.de

Vor fast zwei Jahren öffnete Facebook sein Soziales Netzwerk für Entwickler von kleinen Webanwendungen. Seitdem kann man mithilfe solcher kleiner, werbefinanzierter Zusatzprogramme Freunde mit Schafen bewerfen, besuchte Städte auf einer Landkarte markieren und bei diversen Quizwettbewerben gegen Freunde antreten. Facebook schenkt den Programmierern seine Nutzer, die Programmierer bescheren Facebook eine Menge zusätzliche Seitenabrufe.

Das deutsche Menschel-Netzwerk StudiVZ hat auf solche Zusatzanwendungen lange Zeit verzichtet, nun wagt der zur Holtzbrinck-Mediengruppe gehördende Dienst einen ersten, kleinen Schritt in Richtung Web-Anwendungen von Drittanbietern: Die Firma hat das Fußball-Angebot "Mein Klub" des Springer-Onlinedienstes Bild.de eingebunden. StudiVZ-Mitglieder können Gruppen ihrer Vereine beitreten und dort Videos und Nachrichten zu ihrem Verein von Bild.de abrufen. Das ganze ist derzeit lediglich eine Kooperation zweier Großverlage.

Eine echte offene Schnittstelle für kleine Entwickler wie bei Facebook scheint StudiVZ nicht zu planen. Ein StudiVZ-Sprecher erklärte SPIEGEL ONLINE, man habe vor die "VZ-Plattformen grundsätzlich für OpenSocial-Applikationen zu öffnen, die für die Nutzer einen echten Mehrwert bieten." Voraussetzung dafür sei jedoch eine Klärung derzeit noch "offener Datenschutzfragen bei der Verwendung externer Applikationen".

Google will mit seinem Projekt OpenSocial die vielen Netz-Communitys verknüpfen.

Das Ende der Rufnummernunterdrückung

Zumindest in den USA scheint die Zeit anonymer Anrufe vorbei zu sein. Das Kommunikationsunternehmen Teltech ging jetzt mit einem Service namens TrapCall an die Öffentlichkeit. Der Dienst zeigt die Nummer des Anrufers an, selbst wenn der seine ID blockiert.

Weil anonyme Anrufe zu Gratis-Nummern nicht möglich sind, leitet Teltech die Anrufe an TrapCall-Nutzer einfach an eine eigene Gratis-Nummer um und dann wiederum zum eigentlichen Kunden zurück. Und siehe da, der kann nun problemlos erkennen, wer da gerade durchklingelt. Und das funktioniert nicht nur fürs Festnetz, sondern auch für Handyanrufe und Voice-Mails.

Je nach gewünschtem Tarif sendet Teltech den TrapCall-Nutzern komplette Anruferlisten inklusive deren detaillierten Rechnungsadressen zu. Derzeit können Kunden von AT&T und T-Mobile das Angebot nutzen, aber andere Telkos sollen bereits in den nächsten Wochen ebenfalls in das System mit eingebunden werden, so Teltech-Boss Meir Cohen.

Natürlich hat es völlige Anonymität bei Anrufen nie gegeben, spätestens bei polizeilichen Ermittlungen werden sämtliche Nummern offengelegt. Dennoch sehen Kritiker das Recht auf den Schutz der Privatsphäre beeinträchtigt. Opferschutzverbände führen etwa an, von ihren gewalttätigen Partnern getrennt lebende Frauen könnten die nun nicht mehr zur Klärung ausstehender Fragen anrufen, wie zum Sorgerecht für die Kinder.

Giga-Fans wollen unter ARD-Schutzschirm

Der Spielesender Giga ist pleite, aber die Fans wollen in die Verlängerung. Zwar verkündete der Pay-TV-Sender Premiere schon in der vergangen Woche das Ende des Sendebetriebs, auch die Webseite soll bis Mai abgeschaltet werden.

Doch nun hat eine Gruppe von Unterstützern ein Blog und eine Initiative zur Rettung ins Leben gerufen. Dabei dienen sie sich ausgerechnet der öffentlich-rechtlichen ARD an. Mit guten Argumenten, wie die Giga-Fans finden, schließlich würden davon alle profitieren.

Die Fan-Gemeinde könnte ihr Lieblingsprogramm retten und die ARD ihre Zielgruppe um eine "millionenschwere Community" erweitern. Auf einer speziellen Fanprojekt-Seite werden die Unterstützer aufgefordert, fleißig Briefe an die ARD zu schreiben.

Ob und inwieweit die Sendergewaltigen daran interessiert sind, eine Zielgruppe zu erreichen, die 40 Jahre jünger wäre als der normale ARD-Zuschauer, ist bislang nicht bekannt.

Windows 7: Knallhartes DRM-Management

Schon lange bevor Microsofts neues Betriebssystem Windows 7 marktreif ist, sorgt es bei manchen für eine gerunzelte Stirn. Ein Kritikpunkt: der weitreichende Kopierschutz, der im System versteckt ist und sich auch auf Produkte von Drittanbietern auswirkt.

Ein Tester berichtet davon, dass der Mitschnitt von Audioprogrammen eines beliebigen Senders über die eigene Soundkarte nicht mehr oder nur mit hohem Qualitätsverlust möglich ist. Überdies scheint es eine Art weitreichenden Kopierschutz zu geben, der dem Computernutzer den Zugriff auf die selbsterstellten Mediendateien verweigert. Es dürfte als fraglich gelten, ob sich das neue OS aus Redmond viele Freunde machen wird, sollten dieses Feature beibehalten werden.

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