Netzwelt-Ticker US-Polizei bestellt Spähdrohnen für Miami

Die Polizei in Miami setzt demnächst fliegende Augen zur Überwachung ein, in Japan kommen Webadressen aus der Mode, Facebook bockt bei Googles OpenSocial und Windows Vista macht Ärger. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.


Vor Jahren noch kurvte Roy Scheider als Hubschrauberpilot mit dem Überwachungshelikopter durch Häuserschluchten. Inzwischen ist fliegende Überwachungstechnik so klein, dass sie in einen Rucksack passen würde. Die Polizei von Miami plant, zur Verbrechensbekämpfung Kameradrohnen zu verwenden - 6,3 Kilo soll eine wiegen.

Honeywell Micro Air Vehicle: Fliegende Drohne soll Verbrechen bekämpfen helfen
REUTERS

Honeywell Micro Air Vehicle: Fliegende Drohne soll Verbrechen bekämpfen helfen

Die mit optischen und Infrarotsensoren ausgestatten Geräte sind für schwierige Situationen vorgesehen. Zum Beispiel bei Geiselnahmen oder auch in unübersichtlichem Gelände könnten die Drohnen die Polizeiarbeit spürbar erleichtern, erklärte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur Reuters . Die Technologie fliegender Kameras wird bereits seit Jahren vom US-Militär im Irak oder in Afghanistan eingesetzt.

Auch andere Polizeibehörden wie das FBI experimentieren seit längerem mit Flugrobotern, hier vor allem für Such- und Rettungsmissionen.

Werbung in Japan setzt auf Suche statt URL

Firmenwerbung mit Internetadresse? Wie langweilig und altmodisch. "BoingBoing" berichtet von einem Trend in Japan, aber auch in den USA, der die Werbepraxis verändert. Anstelle der teilweise recht komplizierten URLs werden einfach Suchmaschinenfenster mit vorgeschlagenen Suchbegriffen gezeigt - aufgedruckt auf Produkten oder in Werbeanzeigen etwa in der Bahn.

Seit wirklich griffige Domainnamen nicht mehr zu bekommen sind und die Eingabe auch einfacherer Namen vielen Menschen zu kompliziert ist, tippen sie Wörter wie "gmail" oder "netflix" einfach ins Suchfenster ein und voilà!, schon bringt sie die Suchmaschine ihrer Wahl zur gewünschten Seite. Bleibt abzuwarten, wie lange es dauert, bis im Browser das Suchfeld vor die Adressleiste rutscht.

Facebook mag Googles OpenSocial nicht

Gestern überraschte Yahoo die Netzgemeinde mit seinem Beitritt zur Software-Plattform OpenSocial des Konkurrenten Google, heute zeigt sich Facebook beharrlich. Die Facebook-Verantwortlichen teilten dem Infodienst "eWeek" mit, sie hätten keinerlei Interesse an einer Teilnahme. Denn bereits schon vor etwa einem Jahr öffnete das Social Network seine Plattform für unabhängige Programmierer, nach Lust und Laune neue Anwendungen ("Widgets") für die Seite zu entwickeln.

Nun scheint man bei Facebook ein bisschen beleidigt zu sein und abwartendes Schmollen zu bevorzugen. Allerdings müssen die Betreiber aufpassen, auf Dauer nicht auf dem Abstellgleis zu landen, denn im Unterschied zum Entwicklerangebot bei Facebook ist OpenSocial nicht auf eine einzelne Plattform beschränkt, sondern arbeitet angebots- und netzwerkübergreifend.

Google soll auf Menschenrechte achten

Vor Jahresfrist riet Google seinen Aktionären noch dazu, auf der Hauptversammlung Anträge abzulehnen, das Unternehmen solle sich nicht mehr an Regierungszensur beteiligen - und stieß bei der Mehrheit auf Zustimmung. Doch einige Aktionäre geben sich weiter unbeirrt und planen, auch dieses Jahr zu beantragen, die Hauptversammlung möge im Mai ethische Standards beschließen. Das zielt ebenso auf die Teilnahme an aktiver Zensur wie auf die Speicherung von Userdaten in Staaten, die die freie Meinungsäußerung unterdrücken. Diese Anträge sollen auf Veranlassung der New Yorker Finanzbehörde erhoben werden, die unter anderem die städtischen Pensionsfonds kontrolliert. Die wiederum halten nämlich Anteile am Suchmaschinenbetreiber.

Dual Boot? Nicht mit Vista SP1

Seit über einem Jahr auf dem Markt und immer noch will Microsofts neues Betriebssystem keine Erfolgsgeschichte werden. Neueste Hiobsbotschaft: nach dem Aufspielen des Service Pack 1 für Windows Vista versagen Computer ihren Dienst, auf denen noch andere Systeme wie zum Beispiel Linux installiert sind. Die nämlich verwenden jeweils einen eigenen Bootloader, und das mag Vistas SP1 nicht und bricht sein Update kurzerhand ab.

Überhaupt scheinen sich die Probleme seit der Veröffentlichung des ersten Service Packs zu häufen. Darauf lässt jedenfalls eine ungewöhnliche Maßnahme schließen, mit der die Redmonder ihre Kunden überraschen: Der Support für das SP1 ist gratis. Ohne die ansonsten häufig anfallenden Zusatzkosten können sich Anwender direkt an Microsoft wenden. Normalerweise werden überdies Kunden mit Problemen gern an die Hersteller der jeweiligen Computer verwiesen, jetzt aber kann man sich via E-Mail helfen lassen. In den USA hat das Unternehmen sogar eine kostenlose Telefonhotline eingerichtet, um für verzweifelte Vista-Kunden den Erklärbär zu geben.

Chinesen dürfen wieder BBC lesen

Während sich die Welt um das Schicksal Tibets und seiner unterdrückten Bevölkerung sorgt, überraschen die chinesischen Zensurbehörden an anderer Stelle: Das seit Jahren in China gesperrte Online-Angebot der BBC ist seit wenigen Tagen im Reich der Mitte wieder zugänglich. Zwar vorerst nur auf Englisch, aber das ist schon viel mehr, als bislang möglich erschien. Von regierungsoffizieller Seite in Peking gab es keine Stellungnahme - ebenso wenig wie zuvor die Blockade der Nachrichtenseite zugegeben worden war.

Das war BBC-Mitarbeitern in China aufgefallen, die plötzlich Zugang zu Nachrichtentexten hatten, die noch kurz zuvor blockiert worden wären. Dabei bleibt rätselhaft, worauf diese Wendung hindeutet. Ob es sich um den Versuch Pekings handelt, nach den Vorgängen in Tibet ein bisschen gut Wetter zu machen oder ob es vielmehr verschiedene Fraktionen in Peking gibt, die über geeignete Maßnahmen im Vorfeld der Olympischen Spiele streiten, wird von außen letztlich nicht zu klären sein.

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