Netzwelt-Ticker Vage Hoffnung für Online-Händler

Das Bundesjustizminsterium will seine Muster-Widerrufsbelehrung für den Internet-Handel überarbeiten und verbessern - aber das dauert. Außerdem im Überblick: Zehntausende wollen XP retten, Mac-User sind offener und gleichzeitig selbstverliebter als andere und vieles mehr.

Eigentlich wollte das Justizministerium mit seinem Vorschlag für eine Muster-Widerrufsbelehrung nur Gutes: Mehr Rechtssicherheit für Online-Händler, weniger Steilvorlagen für Abmahner. Aber getreu dem Motto "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint" geriet der Vorschlag zum Beispiel absurder Bürokratie.

Der Ministeriumsentwurf für eine Muster-Widerrufsbelehrung verlangte, dass Web-Händler endlos Paragrafen zitieren. Wer im Internetauktionshaus Ware versteigert, hätte der Produktbeschreibung gut vier Seiten Text zur Erklärung anhängen müssen. Angreifbar wäre er trotzdem . Nach wie vor könnte man Händler wegen (!) der Verwendung des Musters abmahnen – einer Analyse von Trusted eShops  zufolge eine beliebte Abmahnpraxis.

Doch jetzt kommt Bewegung in die Diskussion. Laut Shopbetreiber-Blog.de sei nun bekannt geworden, dass das Bundesjustizminsterium die Neufassung des Musters im (unsicheren) Verordnungswege bereits im ersten Quartal 2008, jedoch lediglich als “Zwischenschritt auf dem Weg zu Mustern mit Gesetzesrang”  plant. Dies gehe aus einem Schreiben des BMJ hervor. Wer im Internet Ware verkauft, sei es bei eBay oder im Onlineshop, sollte sich die Pläne genau anschauen, um sich (weiterhin) gegen Abmahner zu schützen. Und hoffen, dass dieses Bürokratieungetüm bald gezähmt ist.

Time Warner will Piraterie-Gebühren

Das US-Unternehmen Time Warner Cable gab am Mittwoch bekannt, einen speziellen Breitband-Tarif auszuprobieren: Je mehr ein Nutzer aus dem Netz lädt, desto mehr soll er zahlen . Das Angebot, das zunächst nur für eine Stadt in Texas gilt, umfasse verschiedene Download-Limits. Werden diese überschritten, wird der Kunde zur Kasse gebeten.

Dieser Versuch sei notwendig, da eine Minderheit äußerst aktiver User "das Netz verstopfe" – und damit die Mehrzahl der Surfer behindere. Ein Vorwurf, den Netzbetreiber gerne vorgeben, um für eine Aufgabe der Netzneutralität zu werben: Video- und Musik-Downloads sind die eigentlichen Argumente für ein Breitbandangebot.

Die meisten Video- und Musik-Downloads sind jedoch illegal. Für die zukünftige Ausschlachtung des legalen Downloadmarktes wollen die Internetanbieter bereits jetzt die Weichen günstig für sich schalten: Verdient ein Unternehmen an Internet-Downloads, soll es dafür Geld berappen. Wehren sich die Unternehmen, sind eben die Surfer dran. Nicht anders ist das neue "Angebot" von Time Warner zu verstehen.

Was dabei herauskommt, dürfte im Übrigen auch legale Download-Angebote schädigen. Denn für den Download eines einzigen HD-Films müssten Kunden bei Überschreitung ihres Limits bis zu 30 Dollar zahlen - plus Verleihgebühren.

Zehntausende wollen XP retten

Innerhalb von fünf Tagen haben 30.000 Surfer eine Petition des Onlinemagazins InfoWorld  unterschrieben, die Microsoft auffordert: "Rettet XP" . Das Kapitel Windows XP solle nicht wie geplant am 30. Juni dieses Jahres geschlossen werden, das erfolgreiche Betriebssystem parallel zu Windows Vista weiter laufen. Bei Microsoft leuchten jetzt wahrscheinlich die Warnlampen: 30.000 Bittsteller, ein Wunsch – wenn Redmond sich davon mal nicht beeindrucken lässt…

Aber Spaß beiseite: Die Petition kommt nicht von ungefähr. Windows XP ist Microsofts erfolgreichstes Betriebssystem. Nach vielen murksigen Vorgängern und dem stabilen, aber veralteten Windows 2000 war es Microsofts erstes Betriebssystem, das ein bisschen spröde Modernität versprühte – und reißenden Absatz fand: Mehrere hundert Millionen Kopien sollen im Umlauf sein.

Diese Marktmacht brachte der Firma viel Kritik ein: Microsoft unternehme zu wenig, um Sicherheitslücken zu schließen, überwache seine Nutzer mit fragwürdigen Kopiersperren und nutze sein Monopol aus, weil es Microsoft-Software wie den Internet Explorer und den Windows Media Player zusammen mit Windows XP auslieferte und so einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenzprodukten hatte. Probleme, die Microsoft – auch unter dem Druck der EU – lösen musste.

Mac-Nutzer sind selbstverliebt, aber lockerer als PC-Nutzer

Jetzt ist es raus! Mac-Anwender sind offener und aufgeschlossener als PC-User - und außerdem arroganter, eitler und von ihrer Überlegenheit mehr überzeugt als alle anderen. Muss stimmen, hat nämlich eine Studie  "gezeigt". Die wurde von einer Werbeagentur durchgeführt und nahm sich 7500 Fragebögen des Nielson Online Panels vor. Diese wurden auf eine Untergruppe namens "Openness 5" hin untersucht.

Wer zu dieser Gruppe gehört, kauft mit 60 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit einen Mac als andere Menschen. Er sei auf intensive, unterschiedliche und neue Erfahrungen aus, glaubt daran, dass Vorstellungskraft und intellektuelle Neugier zu einem erfüllten Leben gehören. Er hört auf seine inneren Gefühle und spüre Fröhlichkeit und Trauer intensiver als andere Menschen.

Doch wer sich jetzt "Openness 5" ans Revers stecken will: Die tolle Offenheit hat ihren Preis. Mac-User seien nämlich nicht nur lockerer, sondern auch eitler und von ihrer eigenen Überlegenheit überzeugter als die Allgemeinheit. Liebe Mac-User: Das steht alles in dieser Studie, ist alles belegt, muss also wahr sein!

P.S.: Der Umkehrschluss ist natürlich nicht statthaft. Nicht jeder, der Mac nutzt, gehört zur Gruppe Openness 5.

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