Netzwelt-Ticker Verdacht auf Kopierschutz-Chip im Vorlese-iPod

Apple legt iPod-Shuffle-Nutzer offenbar auf lizenzierte Kopfhörer fest, die Amerikaner machen aus Verhandlungen zum Urheberrecht ein Staatsgeheimnis und das Online-TV Zattoo soll es demnächst Browser-basiert geben. Das und mehr im Überblick.


Apples Schmalspur-iPod namens shuffle, dessen dritte Generation letzte Woche vorgestellt wurde, weiß mit einigen Weiterentwicklungen zu überraschen. Doch nur teilweise im positiven Sinne. Dass das Gerätchen mit vier Gigabyte Speicherkapazität jetzt auch Sprechen gelernt hat und dem Musikfan mit einer Funktion namens VoiceOver Songtitel und Interpreten vorliest, ist sicher ein nettes Gimmick. Schon weniger lustig ist die Bedienung des Mini-Dudlers.

iPod Shuffle: Nur noch mit lizenziertem Zubehör nutzbar?
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iPod Shuffle: Nur noch mit lizenziertem Zubehör nutzbar?

Die erfolgt nämlich über Schalter, die in der Kopfhörereinheit eingebaut sind. Mit der Folge, dass andere Fabrikate für den Musikgenuss nicht mehr benutzt werden können. Und wem die Gängelei noch nicht reicht, der kann sich über ein besonderes Feature freuen, das in Form eines kleinen Chips im Kontrollsystem verborgen sein soll.

"Crunchgear.com" berichtet über das mit der Typenbezeichnung "8A83E3" bedruckte Speicherplättchen, das eine Art digitaler Kontrolle ausüben soll. Anscheinend verhindert es die Weitergabe von Steuersignalen an den Shuffle, wenn sie nicht über einen offiziellen Apple-Adapter ins Gerät kommen. Zumindest ältere Adapter scheinen damit nicht mehr zurechtzukommen.

Womit sich andere Hersteller erst gar keine Mühe mehr machen müssten, eigene Bedienungseinheiten zu entwickeln. Es sei denn, sie wäre zur Zahlung einer Lizenzgebühr bereit. Was nicht unwahrscheinlich klingt angesichts der Tatsache, dass der Unterhaltungselektroniker aus Cupertino schon häufiger den Einsatz "authentifizierter" Hardware forciert hat.

USA: Anti-Pirateriegesetz ist Staatsgeheimnis

Der vom neuen US-Präsidenten Obama angekündigte Wechsel zu Transparenz und Offenheit lässt zumindest in manchen Bereichen noch auf sich warten. Was zum Beispiel die Art des Umgangs mit Raubkopien angeht, bewegt sich die Regierung in Washington weiter auf den alten Wegen der Vorgängerregierung. Von der hat sie die Verhandlungen unter anderem mit der EU und Japan über ein Abkommen namens "Anti-Counterfeiting Trade Agreement" (Acta) geerbt.

Das Ziel von Acta ist die effizientere Durchsetzung von Rechten an geistigem Eigentum. Über Einzelheiten wird allerdings der Mantel des Schweigens ausgebreitet, ein ziemlich dicker sogar. Unter Berufung auf das amerikanische Gesetz zur Informationsfreiheit wollte die Bürgerrechtsorganisation KEI Einzelheiten erfahren, wurde aber mit dem Hinweis abgebügelt, die Vertragsentwürfe seien geheim, zum Schutz der nationalen Sicherheit. Etwas verwunderlich ist die offizielle Geheimniskrämerei schon, bedenkt man, dass die Bürokratien von insgesamt 27 Ländern an den Verhandlungen beteiligt sind.

Robotersteuerung: Kuck mal, wer da winkt

Roboter werden immer leichter zu steuern. Vorbei die Zeiten, als die mechanischen Helfer nur mit Kabel oder Funkfernbedienung zu lenken waren. US-Wissenschaftler haben jetzt Robotern beigebracht, auf Handzeichen und Gesten ihrer menschlichen Herren zu reagieren.

Befehle zum Losfahren, Anhalten oder Richtungswechsel werden den Blechkameraden mit verschiedenen Armhaltungen signalisiert und von ihnen auch befolgt. Sollte es für die installierte 3D-Kamera zum Gucken zu düster sein, kann die Maschine auf Zuruf auch durch gesprochene Kommandos gesteuert werden. Das vor allem für die Militärtechnik entwickelte System soll den unabhängigen Einsatz der Roboter erleichtern, die bestimmte Aufgaben erledigen, ohne dabei unablässig überwacht werden zu müssen.

Zattoo bald ohne Installation direkt im Browser

Das schweizerische Online-TV-Projekt Zattoo soll seine Bedienbarkeit demnächst sehr erleichtern, indem es nicht mehr als Installations-Software angeboten, sondern Browser-basiert arbeiten wird. Bislang muss vor Benutzung erst ein entsprechendes Programm heruntergeladen, installiert und gestartet werden. Einen ähnlichen Schritt hatte bereits vor einigen Monaten das Konkurrenzangebot Joostunternommen.

Das Zattoo-Angebot umfasst inhaltlich eine Reihe von europäischen TV- und Radiosendern, die wegen rechtlicher Probleme allerdings nicht überall empfangbar sind. Die Verteilung der Datenströme erfolgt nach dem Tauschbörsenprinzip über die Rechner der angeschlossenen Nutzer. Demnächst soll nun mit dem umständlichen Installationsprozedere Schluss sein. Erste Beta-Tests mit der installationsfreien Version sollen demnächst in der Schweiz beginnen.

Britische Musiker gegen Kriminalisierung von Filesharern

Zumindest einigen Musikern Großbritanniens gefällt der Umgang der Musikindustrie mit den Nutzern von Tauschbörsen nicht besonders. Sie sind nicht bereit, sie durch die Bank zu kriminalisieren und unter generellen Piratenverdacht zu stellen. Das zumindest meinen Künstler wie Robbie Williams, Annie Lennox, Billy Bragg oder David Rowntree von Blur, wenn sie sich gegen die strafrechtliche Verfolgung von illegalen Musikdownloads aussprechen.

Die in der "Featured Artists Coalition" zusammengeschlossenen Musiker handeln dabei wohl in der weisen Erkenntnis, dass die eigene Kundschaft nicht ohne Not vergrätzt werden sollte. Und mittelfristig dürfte ihr Interesse auch darin liegen, die Verwertung ihres Schaffens in die eigenen Hände zu nehmen und sich die teure Zwischenhandelsinstanz zu ersparen. Denn dass dürfte sich für bereits etablierte Stars am ehesten lohnen.

Facebook Connect fürs iPhone

Das Social Network Facebook öffnet seinen Datenaustauschdienst Connect für iPhone-Applikationen. Damit können die iPhone-Entwickler ihre Projekte ans Facebook-Angebot anpassen. Die Nutzer können sich dann von iPhone- und iPod-Touch-Apps bei Facebook einloggen, Userprofile aufrufen und Inhalte teilen. Wer will, kann über die Apps via Facebook-Newsfeed alle Welt über seine Aktivitäten ins Bild setzen. Damit profitieren beide Seiten von ihrer jeweiligen, weitrechenden Durchdringung des Marktes. Keine ganz unwichtige Nachricht, wie "Netzwertig.com" zusammenfasst: "Das größte Social Network der Welt erlaubt jetzt Entwicklern für die florierendste Mobil-Plattform, die Freundesdaten in die eigenen Applikationen einfließen zu lassen".

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