Netzwelt-Ticker Vergewaltigungsfans produzieren sich auf Facebook-Seite

Das soziale Netzwerk Facebook kann seine Sammlung peinlicher und ärgerlicher Seiten wieder erweitern, Apple machte Geschäfte mit Adolf Hitler, Rupert Murdoch will seine Zeitungen vor Google verstecken, die jüngste Bedrohung für iPhone-Besitzer heißt Rick Astley. Das und mehr im Überblick.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Desorientierte Nutzer, die Skandale produzieren

Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Desorientierte Nutzer, die Skandale produzieren

Foto: PAUL SAKUMA/ AP

Dass Universitäten nicht grundsätzlich ein Hort von Wissen und Bildung, Stil und Kultur sind, diese Erkenntnis ist so alt wie die Bildungsstätten selbst. Doch wovon der "Sydney Morgan Herald" (SMH) jetzt berichtet, das sprengt den üblichen Rahmen aus Studenten-Ulk und wilden Partys.

Auf dem sozialen Netzwerk Facebook hat eine Gruppe von Vergewaltigungsbefürwortern eine eigene Seite eingerichtet, ganz offen und unverhüllt.  In der Abteilung "Sport und Freizeit" haben sich vor allem gegenwärtige und ehemalige Studenten des St Paul's College aus Sydney in die Gruppe eingetragen, die sich selbst als "gegen Einwilligung" beschreibt.

Und damit nicht genug, jedes der - ausnahmslos männlichen Mitglieder - gab auf seinem persönlichen Profil stolz die Mitgliedschaft in der Schmuddelgruppe an. Der "SMH" kann sich dieses Verhalten nur durch die ohnehin schon sehr gelockerten Zustände auf dem Campus erklären. Übergriffiges und gewalttätiges Verhalten gegenüber Frauen sei an der Tagesordnung. Das an dortigen Universitäten übliche Komasaufen und das Fehlen der meisten Verhaltensregeln führe dazu, dass die meisten Vergewaltigungen unbemerkt blieben.

Bislang wollte sich der Urheber der umstrittenen Seite nicht zu Fragen des "SMH" äußern. Der Polizeichef von New South Wales wie auch der Leiter der Vergewaltigungsopferbetreuung kritisierten die Facebook-Seite als "Heranzüchten von Sexualstraftätern". Auch der Vizekanzler der Universität zeigte sich betroffen. Immerhin habe man bereits im Mai erste Maßnahmen ergriffen, um den schlimmsten Exzessen der Trunksucht Einhalt zu gebieten. Offensichtlich müssen die Uni-Verantwortlichen noch ein bisschen genauer hinsehen, was die Freizeitaktivitäten ihrer Studenten betrifft.

Apple bietet "Mein Kampf" im App Store an

Der Unterhaltungselektroniker Apple hält sich viel darauf zugute, jeden Artikel vor Aufnahme in seinen App Store genauestens zu prüfen. Technische Kompatibilität soll ebenso gewährleistet sein wie juristische Unbedenklichkeit. Umso erstaunlicher eine App, die Adolf Hitlers "Mein Kampf" darbot.  Zwar nur auf Spanisch, aber ohne weiteres auch im deutschen Store für 1,59 Euro.

Eine Altersbeschränkung gab es auch, ab neun Jahren, wegen "schwach ausgeprägter Szenen mit erotischen Anspielungen". Noch ärgerlicher wird der E-Book-Artikel durch den Umstand, dass auf dem entsprechenden Icon ein glänzendes Hakenkreuz prangt.

Erstaunte App-Store-Kunden fragten bei Apple nach, wie es sein könne, dass des selbsternannten Gröfaz' Braunbuch frei zugänglich im Online-Angebot auftauche. Immerhin bequemte sich der Konzern zu einer Antwort, wenn auch ziemlich knapp: "Die App wird entfernt". 

Und wenn nicht aufgrund eines Gespürs für politisch angemessene Inhalte, dann spätestens, wenn sich die bayerische Staatsregierung meldet. Die hält nämlich noch bis zum 31.12.2015 die Nutzungsrechte.

Murdoch will Zeitungen unsichtbar machen

Das muss schon schön sein, Herr über eines der größten Medienimperien der Welt zu sein: Wenn man Lust hat, sich von einem netten, freundlichen Interviewer 37 Minuten und 13 Sekunden lang Stichwörter und Steilvorlagen geben zu lassen, geht man einfach ins Studio und sendet den Kram, egal ob das Quote gibt oder nicht. Rupert Murdoch, Chef von News Corp., ist dabei Profi genug, um zu wissen, dass so was natürlich nicht geht, ohne in diesem länglichen Elaborat auch knackige Infos zu vergraben: Sonst gäbe es ja nichts zu zitieren.

Und Murdoch liefert zuverlässig: "Ich glaube, das werden wir tun!" antwortet er trocken auf die Frage, warum er die Inhalte seiner Medien nicht einfach so versteckt, dass Google, Yahoo, Ask und all die anderen vermeintlichen Inhalte-Parasiten sie schlicht nicht mehr finden können. Klasse, wirklich originelle Idee: "Was nützt es, wenn Leute ab und zu vorbeikommen?", fragt Murdoch. Mit Werbung seien die Angebote nicht zu refinanzieren. Ihm sei es lieber, wenn weniger Leute kämen, die dann aber dafür bezahlten. Der Plan dürfte gelingen - gerade wenn es Murdoch schafft, seine Medien im Web unauffindbar zu machen.

Diese wichtigen Schlüsselsätze finden sich übrigens in den Minuten drei und vier des Videos. Davor und danach erzählt Murdoch noch einmal alles, was er in den letzten 18 Monaten so erzählt hat. Nur freundlicher, in kuscheliger Atmosphäre: Schön zu sehen, wie kultiviert, nett und herzerwärmend Fernsehen sein könnte, wenn sich nur noch Menschen interviewten, die sich gegenseitig lieb haben. Ein Interview, so warm wie ein heimeliges Herdfeuer:

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Wo Surfer am liebsten sind

Microsoft!

Die Marktforscher von Comscore haben sich wieder einmal mit den Nutzungsgewohnheiten der Netzbewohner beschäftigt und eine Studie zu deren Lieblings-Web-Seiten veröffentlicht.  Und der Sieger heißt:

Google

Yahoo

Kaum glaublich, aber im vergangenen September verbrachten die 1,2 Milliarden Surfer weltweit angeblich 15 Prozent ihrer Online-Zeit auf Microsoft-Seiten, danach waren die Angebote von und am beliebtesten.

Das klingt unglaublich, ist aber wahrscheinlich nichts als die Wahrheit: So wie es bei TV-Quoten grundsätzlich nur Sieger gibt ("Reichweitensieger bei den 3- bis 7-Jährigen in der Zeit von 23.30 Uhr bis 4 Uhr morgens"), kommt es auch online nur darauf an, wie man die Zahlenbasis definiert. Das Internet besteht schließlich aus mehr als nur dem WWW - und wenn man alle möglichen Dienste mit hineinrechnet, kommt dabei womöglich ein anderes Bild heraus, als wenn man erfasste, welche inhaltlichen Services tatsächlich genutzt werden.

Denn beim Service von Microsoft wurde zu mehr als zwei Dritteln der Live Messenger genutzt. Sprich: Chattende Kiddies sorgten für den Datenverkehr, der Google, Wikipedia und Co. auf die Plätze verwies.

YouTube

Googles "Marktanteil" von immerhin 9,3 Prozent verdankt sich zur Hälfte der Videoplattform . Auf Platz vier erscheint Facebook, das soziale Netzwerk brachte es auf 5,1 Prozent. Wie stark die Chinesen allein durch ihre schiere Zahl eine Statistik beeinflussen, zeigt das Service-Portal Tencent. In der übrigen Welt quasi unbekannt, reichen die zehn Prozent unter den Surfern Chinas aus, um die Seite weltweit noch mit einen Anteil von 3,3 Prozent auf Platz fünf zu bringen.

Nicht zu erfassen ist dagegen der Dienst, der prozentual für den meisten Datenverkehr sorgt - Bittorrent. Im Frühjahr 2009 generierten diverse Bittorrent-Clients rund 37 Prozent des gesamten Datenverkehrs in Deutschland, behaupteten die Marktforscher von ipoque im Februar. Zusammen mit eDonkey und anderen P2P-Anwendungen entfielen rund 53 Prozent des Datenverkehrs auf zumeist illegale Datentauscherei. Das war übrigens eine gute Nachricht, denn der P2P-Anteil ist damit weiter rückläufig - auch wenn er im Rest der Welt meist höher ausfällt als in Deutschland.

Skandinavien: Jagd auf Filesharer eingeschränkt

The Pirate Bay

Während in Korea die USA Druck in Richtung einer weltweiten Verankerung ihres rigiden Urheberrechts machen, läuft es andernorten für die Interessenvertreter der Film- und Musikindustrie nicht so gut. Im März hatte der Weltmusikverband IFPI den norwegischen Telko Telenor aufgefordert, den Torrenttracker zu blocken. Ansonsten werde man das Unternehmen vor den Kadi zerren. Telenor zeigte sich unbeeindruckt, die IFPI zog Gericht.

Letzten Freitag wurde das Urteil gesprochen, allerdings nicht ganz im Interesse des Verbandes. Das Gericht stellte fest, Telenor sei nicht an etwaigen Urheberrechtsverletzungen beteiligt, wenn seine Kunden Angebote wie das von Pirate Bay nutzten. Daher existiere keine rechtliche Grundlage zur Sperrung besagter Seiten. 

Telenor-Chef Ragnar Kårhus war's zufrieden: "Es geht nicht darum, ob wir für oder gegen das Urheberrecht sind, es geht um die Frage, ob Internetprovidern die Rolle des Zensors für Internetinhalte aufgezwungen werden soll."

Auch in Dänemark wachsen die Bäume für die Piratenbekämpfer nicht in den Himmel. Eine dortige Gruppe namens "Antipiratgruppen" hat angekündigt, Filesharer künftig nicht mehr rechtlich zu belangen, die illegale Inhalte im Netz tauschen. Der Grund liegt in den hohen Hürden, die dänische Gerichte bei der Beweisführung errichten. Für eine eindeutige Identifizierung eines Tauschbörsennutzers reicht es demnach nicht aus, lediglich eine IP-Adresse anzugeben. Solange ein Beklagter sich nicht selbst schuldig bekennt, geht er in Dänemark ein verschwindend geringes Risiko ein, verurteilt zu werden. 

Erster iPhone-Wurm: Schmusesänger geht nicht mehr weg

Und dann war da noch ein Hacker mit einer besonders bösartigen Art von Humor.

Seit diesem Wochenende verbreitet sich von Australien aus unter iPhone-Besitzern ein Wurm namens Ikee. Die Malware richtet nicht unbedingt Schaden im eigentlichen Sinne an, dürfte bei den Betroffenen aber trotzdem für eher wenig Freude sorgen. Denn der Wurm ersetzt das voreingestellte Hintergrundbild durch ein Wallpaper, das den britischen Schmusepopsänger Rick Astley zeigt.  Für wie groß man diesen Schaden hält, hängt nicht zuletzt davon ab, wie man zu Fönwellen steht.

Angelehnt an einen seiner Songtitel verspricht das Bildchen "ikee is never gonna give you up" (ikee wird dich nie verlassen), und tatsächlich ist es ziemlich schwierig, das Ding wieder loszuwerden. Die Internetsicherheitsexperten von Sophos machen darauf aufmerksam, dass Ikee der erste Wurm sei, der speziell auf das iPhone zugeschnitten wurde.  Allerdings sind nur solche Apple-Telefone betroffen, die zuvor via Jailbreak von ihrer exklusiven Providerbindung befreit worden sind.

Das Astley-Bildchen ist gewissermaßen ein Zitat - es spielt auf den seit Jahren kursierenden Netz-Scherz des "Rickrolling" an, in dem es darum geht, Menschen überraschend mit Astleys "Never gonna give you up" zu konfrontieren.

Außerdem:

Mauerfall

Zum :

Deutschlandradio und Radio France mit gemeinsamem Sendebetrieb. 

Wieder da: Verschwundene Apple-TV-Filme aufgetaucht.  

18 Tasten: Die Maus für OpenOffice. 

Facebook wegen Kundendatenmissbrauchs verklagt. 

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