Netzwelt-Ticker Wer frisst hier wen?

Disney mag Pixar schlucken, doch Steve Jobs wird größter Anteilseigner: Wer ist da eigentlich der Hai und wer das Futter? Ihre Körpertemperatur kontrollieren Laptop- und Game-Junkies mit verrückten Ärmeldecken. Das und mehr im News-Überblick.


Schwarzer Musikmontag?

All jenen, die letztes Jahr online oder per Mobiltelefon digitale Musik kauften, gilt der große Dank der Musikindustrie. Auf 1,1 Milliarden Dollar haben sich die Verkäufe über die digitalen Vertriebswege letztes Jahr verdreifacht, wie Newsfactor.com in Berufung auf einen Bericht der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) berichtet. Etwa 420 Millionen Tracks seien 2005 kostenpflichtig heruntergeladen worden - 20 Mal so viel, wie zwei Jahre zuvor. Digitale Musik mache damit 6 Prozent der Umsätze der Plattenfirmen aus.

Derweil kritisiert die amerikanische Bürgerrechts-Organisation Electronic Frontier Foundation einen Gesetzesentwurf des republikanischen Senators Gordon Smith, der neue digitale Medienformate stark reglementieren soll. Genauer noch: die Entwicklung und Einführung von neuen Formaten soll praktisch dem Willen der Plattenindustrie untergeordnet werden. Bissig fragt dazu der "Inquirer": Nehmen diese Gentlemen halluzinogene Drogen? Pikantes Detail: Senator Smith hat angeblich Zehntausende Dollar von der Plattenlobby bekommen ...

Dafür gibt's noch eine gute Nachricht für alle, die Musik nicht unlizenziert kopieren, aber trotzdem hören wollen: Mercora bietet ein Internetradio an, das Platteninhalte anderer User über ein P2P-System streamt, wie der "Sydney Morning Herald" berichtet. Tolle Idee, noch mit einigen Macken...

Übrigens kann man auf dieser Seite nachrechnen, wie viel die eigene Sammlung unlizenzierter Kopien von Musik und Filmen für die Anwälte der Unterhaltungsindustrie wert ist...

"Such Great"-Plagiate

Wie wir letzte Woche schon berichteten, wunderten sich Fans der amerikanischen Indie-Band "The Postal Service" über ein Apple-Werbevideo, das dem Musikclip zu "Such Great Heights" der Band erstaunlich ähnlich war. Wilde Gerüchte kursierten, nun meldet sich die Band selbst auf ihrer Website zu Wort: "Wir sind schwer enttäuscht!" Nämlich von Apple und der Film-Firma, die sowohl das Postal Service-, wie auch das Apple-Video drehte. Ben Gibbard, der auch bei Death Cab for Cutie singt, und sein Kollege Jimmy Tamborello (Dntel) haben diese kommerzielle Nutzung nicht genehmigt.

Google vor Apple

Einem Reuters-Bericht zufolge beantworteten die meisten der 2528 Marken-Profis und Studenten, die an der jährlichen Marken-Image-Umfrage teilnahmen, die Frage "Welche Marke hatte 2005 den größten Einfluss auf unser Leben" mit Google. Platz zwei in der Umfrage des Online-Markenmagazins "Brandchannel.com" schaffte Computerhersteller Apple, gefolgt vom Voice-Over-IP-Anbieter Skype. Die jährlich erscheinende Umfrage ist nicht unumstritten. 2004 wurde der arabische TV-Sender Al-Dschasira zur einflussreichsten Fernsehstation gewählt, diesmal erlangte er gerade einmal Platz 25.

Disney kauft Pixar

Emotional anrührend und zugleich frech humorig: Pixars Filme von Toy Story bis The Incredibles waren Kassenschlager
REUTERS

Emotional anrührend und zugleich frech humorig: Pixars Filme von Toy Story bis The Incredibles waren Kassenschlager

Eine kleine Revolution im Trickfilm-Bereich wird wohl dieser Tage eingeleitet werden. Heute noch soll der Disney-Konzern die Übernahme des erfolgreichen Trick-Studios Pixar (Finding Nemo, Monsters Inc.) ankündigen, berichtet unter anderem der britische "Telegraph".

Seit 1991 kooperierte Disney mit Pixar, dieses Jahr sollte die Zusammenarbeit beendet werden. Damit geriet Disney unter Druck - Produktionen von Pixar wurden stets Kassenschlager, Disneys eigene Filme enttäuschten dagegen kreativ und an den Kassen.

Jetzt schluckt der Große den Kleinen und hofft so, Disneys alten, zuckersüßen Trickfilm-Konzepten neues zeitgemäßes Leben einzuhauchen. Sieben Milliarden Dollar soll der Deal wert sein. Pixar-Verwaltungsratsvorsitzender und Apple-Boss Steve Jobs würde dabei für 3,5 Milliarden Dollar Anteile an Disney erhalten - und damit größter Aktionär werden. Der ist nicht dafür bekannt, sich schüchtern aus dem Geschäft der Firmen, an denen er beteiligt ist, heraus zu halten. Da bleibt dann wohl abzuwarten, wer hier am Ende wen kontrolliert.

Sony will besser unterwegs sein

Die Bereiche Portable Audio und den hauseigenen iTunes-Konkurrenten Connect will Sony stärker miteinander zu verknüpfen, gab das Unternehmen laut Cnet.com am Freitag bekannt. Seit dem Launch 2004 hat sowohl die Portable-Audio-Unit stark unter Apples iPod gelitten, Connect konnte gegen iTunes praktisch nicht bestehen. Zukünftig wird nun die - frisch umbenannte - Connect Business Division Hiroshi Yoshioka unterstehen, der auch die Portable Audio-Division betreut. Vom Connect-Service wird nun erwartet, dass er im Gegensatz zu Apples iTunes vor allem die Bereiche Games, Videos und sogar eBooks stärker bedienen wird.

Ironie der Geschichte: Sony konnte nur zuschauen, wie Apples iPod im Kielwasser des MP3-Player-Booms zum absoluten Referenzgerät aufstieg - dabei war es doch Sony, die 1979 mit dem Walkman praktisch den Markt für portable Audiogeräte eröffneten...

USB-Schatztruhe und Slanket

Weihnachten ist vorbei - Zeit, die Ostergeschenke zu planen. Über Akihabaranews.com erreicht uns das Wort des perfekten Geek-Geschenks: eine USB-Schatztruhe, die sich nur öffnen lässt, wenn man per (japanischer) Software das richtige Passwort eingibt. Viel besser finde ich jedoch das Slanket, das die Ärmel eines Pullovers mit der Wärme einer Decke verbinden will. Also so etwas wie eine Art riesiger Geek-Poncho mit Ärmeln ist.

Ja, Ärmel. Fernbedienung, Konsolen-Controller oder Laptop können bedient werden, ohne dass man armaufwärts bitter frieren muss. Nachteil: Das Slanket kostet fast 65 Dollar - ohne Porto...



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