Netzwelt-Ticker Wie Amazon beinahe Research in Motion gekauft hätte

RIMs Zustand ist nicht der beste, und schon streichen Konkurrenten wie Hyänen um den potentiellen Übernahmekandidaten herum. Außerdem im Überblick: EU-Abgeordnete wollen das Urheberrechtsabkommen Acta vom EuGH überprüfen lassen, und "X-Men Origins: Wolverine" kann ein Jahr Gefängnis kosten.

Blackberry-Smartphones: Die Hyänen sammeln sich
DPA

Blackberry-Smartphones: Die Hyänen sammeln sich


Hätte, wenn und könnte sind in der Regel keine guten Voraussetzungen für eine Nachrichtenmeldung. Hier aber geht es um den möglichen Kauf des Elektronikherstellers Research in Motion (RIM) durch das Online-Kaufhaus Amazon. Der Deal ist zwar nie offiziell geworden, aber Reuters berichtet aufgrund informierter Quellen, Amazon habe im Sommer eine Fusion mit RIM erwogen. Bis zu einem formellen Gebot sei die Angelegenheit allerdings nicht gediehen.

Dabei habe RIM nach vielfältigen Problemen (zum Beispiel schlechte Quartalsberichte, verspätete Produktauslieferungen, schwache Verkaufszahlen) reif zur Übernahme gewirkt. Allerdings hätten die RIM-Verantwortlichen ihren Willen deutlich gemacht, ihre Schwierigkeiten alleine zu beheben. Dennoch befänden sich beide Seiten, die die Übernahmegerüchte nicht kommentieren wollten, nach wie vor in Gesprächen zur Intensivierung ihrer Geschäftsbeziehungen.

Gleichzeitig berichtet das "Wall Street Journal", auch Microsoft und Nokia hätten in den zurückliegenden Monaten mit dem Gedanken gespielt, ein gemeinsames Übernahmeangebot für RIM abzugeben. Auch wenn unklar geblieben sei, wie weit diese Übereinkünfte gediehen seien, zeigten allein diese Gespräche die bedrängte Situation RIMs und die daraus folgenden Übernahmechancen für Konkurrenten.

EU-Abgeordnete wollen das Anti-Piraterie-Abkommen Acta vor den EuGH bringen

Das "Anti-Counterfeiting Trade Agreement" (Acta) beschäftigt die EU schon seit längerer Zeit. Das internationale Abkommen zwischen Australien, Kanada, Japan, Marokko, Mexiko, Neuseeland, der Schweiz, Singapur, Südkorea und den USA ist von vielen dieser Staaten schon ratifiziert worden. Die Unterzeichnung seitens der EU steht noch aus, das EU-Parlament muss erst noch zustimmen.

Der EU-Rat hat bereits in der vergangenen Woche seinen Segen erteilt, sehr versteckt in einer Mitteilung zu Landwirtschaft und Fischerei findet sich die Zustimmung ganz am Ende (PDF). Auch wenn Beobachtern die Zustimmung des EU-Parlaments als ziemlich sicher erscheint, gibt es von einzelnen Abgeordneten Widerstand. Laut "Heise" haben Parlamentarier der Grünen und der Liberalen am Dienstag im Rechtsausschuss dafür votiert, das Abkommen zur Urheberrechtsverletzungsbekämpfung in aller Welt vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen. Sie vermuten, dass die Verpflichtungen des Abkommens Grundrechte verletzen.

Dem hielten Befürworter von Acta entgegen, ein juristisches Verfahren zur Klärung dieser Frage könne das Vorhaben um bis zu zwei Jahre verzögern.

Facebook-Reklame zieht in die Mitte um

Was gibt's Neues bei Facebook? Bald auch Reklame. Ab Januar sollen Facebook-Mitglieder die "Gesponserten Meldungen" im Nachrichtenstrom vorgesetzt bekommen. Bislang befinden sie sich in der rechten Spalte, wo sie natürlich weniger auffallen. Die in die Mitte verschobenen Anzeigen sollen nur einmal am Tag erscheinen, wie "TechCrunch" unter Berufung auf Facebook berichtet.

Für Facebook-Nutzer wird es keine Möglichkeit geben, diese Art der Reklame generell zu deaktivieren, allerdings können sie einzelne Anzeigen wegklicken. Genausowenig können Mitglieder des sozialen Netzwerks etwas dagegen tun, selbst bei anderen Mitgliedern als Teil solcher Anzeigen zu erscheinen. Denn diese Art der "sozialen Anzeigen" verbindet ein Firmenlogo stets mit einem Facebook-Nutzer, der auf der entsprechenden Firmenseite irgendeine Aktion vorgenommen hat. Gegen dieses unfreiwillige Dasein als unbezahlter Werbestar haben in den USA nun einige Nutzer eine Klage angestrengt. Ein Mittel gäbe es gegen diese Art der Werbeverwertung der eigenen Person allerdings schon: einfach sparsamer mit der "Gefällt mir"-Funktion und dem Lokalisierungsdienst umgehen.

Auch das noch:

  • Explosion bei Apple-Zulieferer könnte zu Verzögerungen führen: Am Wochenende hatte es in einer Fabrik im chinesischen Shanghai eine Detonation gegeben, bei der einige Arbeiter verletzt wurden und ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Nun gibt es Spekulationen über Produktionsausfälle, das betroffene Unternehmen Pegatron wiegelt ab und spricht von "minimalen Schäden".
  • Sony wegen Geschäftsbedingungen für Playstation Network verklagt: Wer im PSN daddeln will, muss den im September geänderten AGB zustimmen und sich verpflichten, niemals an einer Sammelklage gegen Sony teilzunehmen. Dagegen hat nun ein ungenannter Mann in Kalifornien Klage erhoben, der noch vor den AGB-Änderungen eine Playstation 3 gekauft hatte. Entweder solle er auf sein Recht zur Klage verzichten oder auf den Zugang zum Online-Netzwerk, für den er beim Gerätekauf bezahlt habe, so die Klagebegründung.
  • Mittlerweile gibt es 700.000 Android-Aktivierungen am Tag, das teilte Google-Vize Andy Rubin in einer kurzen Nachricht mit. Im Mai hatte die Anzahl der aktivierten Geräte mit Android-Betriebssystem bei 400.000 gelegen, im Juli waren es schon 550.000.

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