Netzwelt-Ticker Wie Apple klagt, ohne zu leiden

Apple verdient mit dem Musikverkauf mehr als behauptet, Microsoft hält die alte Idee des papierlosen Büros für sehr aufregend und Sony mag Linux auf der Playstation 3 inzwischen gar nicht mehr. Diese drei Überraschungen und ein sehr alter Käse diesmal im Nachrichtenüberblick.
Von Sönke Jahn

Profitabler Plattenladen

Am Samstag vor vier Jahren, am 28. April 2003, eröffnete Apple seinen iTunes Musikladen, über den man online bereits weit mehr als zwei Milliarden Songs verkauft haben will. Von Anfang an befolgte Apple die alte Kaufmannsregel "Lerne klagen, ohne zu leiden" und behauptet, mit dem Abverkauf der Musikdateien keinen Penny zu verdienen.

Dass dies nur eine Mär ist, behauptet nun Andy Hargreaves, der das nachgerechnet haben will  (1). Der Analyst für die Investmentfirma PacificCrest dröselte Apples iTunes-Kalkulation wie folgt auf:

  • der Einkaufspreis pro Song sei im Durchschnitt 69 Cent.
  • Betriebskosten (Server, Bandbreite und Gehälter) seien zehn Cent.
  • Kreditkartenfirmen bekommen pro Lied zehn Cent fürs Inkasso.

Macht summa summarum 89 Cent. Die zehn Cent Differenz zum Verkaufspreis sind demnach Apples Profit pro Song; nach dieser Rechnung (zwei Milliarden Songs mal zehn Cent) immerhin 200 Millionen Dollar in vier Jahren. Da wäre noch mehr drin, weiß der Analyst. Apple müsse nur die Kreditkartenfirmen herunterhandeln und mehr Download-Gutscheine verkaufen. Dann, sagt Herr Hargreaves, würde der Store richtig abgehen. Gestern Abend übrigens meldete Apple allein für Januar, Februar, März 2007 einen Umsatz von 5,26 Milliarden US-Dollar sowie einen Netto-Gewinn von 770 Millionen US-Dollar.

Microsoft bald papierlos

Stolz präsentiert Microsoft fünf Videoclips eines Interviews mit Firmenboss Steve Ballmer. Er plaudert mit n-tv-Moderatorin Isabelle Körner  über Microsofts Visionen, das vernetzte Heim, den Arbeitsplatz der Zukunft. Kommt einem alles sehr vertraut vor. Zum Beispiel das in den vergangenen 40 Jahren eigentlich pausenlos propagierte papierlose Büro. Ballmer: "Ich denke, dass wir in den nächsten zehn Jahren keinerlei Papier mehr im Büro verwenden werden. Das ist eine gewagte Prognose, es könnte auch in den nächsten zwölf oder 15 Jahren passieren". Wir sind gespannt. Wirklich.

Käse reift im Netz

Wer hat denn den Käse ins Internet gerollt? Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet,  sind seit Februar bereits eine Million Websurfer von Albanien bis Neuseeland im Käsekeller der West Country Farmhouse Cheesemakers vorbei gesurft, um einem großen Cheddarkäse ein wenig beim Reifen zuzuschauen . Zu beeilen braucht man sich aber nicht, der Batzen wird noch einige Zeit zu sehen sein. Als Slowfood braucht er ein ganzes Jahr, bevor er verzehrt werden kann.

Nur ein halbes Linux auf der PS3

Diese Linuxfans. Kaum kommt eine neues Gerät auf den Markt probieren sie erst einmal geduldig aus, ob sie ihr Lieblingsbetriebssystem darauf laufen lassen können. Nicht nur auf dem iPod  oder der Nintendo Wii , sondern erst recht auch auf der PS3. Hersteller Sony hat daraus sogar einen Marketing-Gag für die Playstation 3 gemacht und angekündigt, auf der Konsole die Installation von "Gastbetriebssystemen" als "Open Plattform" zu unterstützen. Wie Golem.de nun meldet , sind die Linux-Bastler von dieser Lösung mehr als enttäuscht, unterbindet Sony doch zugleich den direkten Zugriff auf die "2D- und 3D-Beschleunigungsfunktionen des eingebauten Grafikchips". Eine Online-Petition soll den Hersteller nun davon überzeugen, diese Einschränkung rückgängig zu machen: "Liebes Sony, Ihr habt uns träumen lassen, bitte lasst uns nicht alleine mit verlorener Hoffnung." 

Gästebettenbörse

Eine geniale Idee nennt es der "Inquirer"  und schnürt schon mal sein Bündel: Übers Web bieten bereits 200.000 Menschen aus 215 Ländern über das "Couchsurfing"-Projekt ihre Gästebetten und Schlafcouches an, offerieren ein gemeinsames Essen und sogar eine Stadtrundfahrt. Web 2.0 mit Familienanschluss sozusagen, für Onliner, die mal wieder an die frische Luft möchten. 

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