Netzwelt-Ticker Windows Vista - Kein Zugang für Firefox, Adobe und Skype

Was auf Vista laufen soll, braucht ein Placet von Microsoft - und rund 800 Programme haben das schon. Schade, dass Spiele sowie die populärsten Web- und Grafikprogramme nicht dabei sind. Außerdem: Spielkonsolen im Altenheim, FBI-Fahndung nach Festplatte, Piraterie durch Wartezeit und mehr.

Wii auch im Altenheim ein Renner

Mit seiner Spielkonsole Wii ist Nintendo ein echter Erfolgsschlager gelungen, der neue Märkte erschließen konnte. Gezielt umwarb man von Anfang an auch ältere Menschen und stellte Wii zum Beispiel auf einer Tagung der amerikanischen Ruheständlervereinigung vor. "Das sind alles Großeltern, die solche Sachen eh schon für ihre Enkel kaufen, dann können sie das doch auch für sich selbst tun", so Nintendos Marketingchefin Perrin Kaplan .

Die Bemühungen scheinen sich auszuzahlen. Die Chicago Tribune berichtet über ein Altenheim, in dem Wii der letzte Schrei ist.  Ganz besonders habe es den Bewohnern, die immerhin ein Durchschnittsalter von 77 Jahren haben, eine Sportapplikation angetan, mit der sie ihrem geliebten Bowlingspiel nachgehen könnten.

Skype: "Weg mit den Mobilfunk-Monopolen!"

Kaum hat Skype den Schritt auch in europäische Telefon-Festnetze getan, peilt die eBay-Tochter das nächste Ziel an: Amerikas Mobilfunker. Der VoIP-Anbieter beantragte bei der Regulierungsbehörde FCC, diese möge die Regeln für sonstige Telefonnetze bitte auch für Mobilfunknetze in Kraft setzen . Deren Betreiber sollten nicht mehr darüber bestimmen dürfen, mit welchen Geräten und welcher Software ihre Kunden miteinander telefonierten. Derzeit werden immer noch subventionierte Handys mit Zeitverträgen und allerlei vorinstalliertem Software-Schnickschnack an den Mann gebracht. In diesen abgeschotteten Markt möchte Skype aber selbst eindringen, was nur möglich ist, wenn Kunden auch Geräte und Programme benutzen dürfen, die nicht vom jeweiligen Netzbetreiber stammen.

Woraufhin der Chef des amerikanischen Mobilfunkerverbands erwartungsgemäß und umgehend aufheulte und dabei unfreiwilligen Humor bewies: Diese Forderungen würden Innovationen behindern, glaubt er. Anti-Monopol-Regelungen seien überdies ein ganz falscher Ansatz .

Adobe mit Online-Videobearbeitung

In Kooperation mit der Medien-Plattform Photobucket macht Adobe die Online-Bearbeitung von Videoclips im Browser möglich . Mit einem Service namens "Remix" lassen sich Filmdateien schneiden, verbinden und neu anordnen. Dabei baut das System auf Adobes Video-Software Premiere auf. Da die Aktionen in Echtzeit ablaufen, ist eine möglichst dicke Breitbandverbindung von Vorteil. In einer ersten Phase können nur Photobucket-Premiumkunden den Dienst nutzen, ab März soll er allerdings allgemein zugänglich sein und dann über Werbung finanziert werden.

FBI: Festplatte, verzweifelt gesucht

Das FBI fahndet zur Abwechslung mal nicht nach bösen Buben, sondern nach harmloser Technik. Die aber hat es buchstäblich in sich: immerhin handelt es sich bei dem abgängigen Stück um eine externe Festplatte, auf der medizinische Daten von einer halben Million Kriegsveteranen gespeichert sind . Solches Material ist für Forschungs- und Pharmaunternehmen pures Gold, entsprechend hoch ist auch die ausgesetzte Belohnung im Fall der Wiederbeschaffung: 25.000 US-Dollar erhält derjenige, der sachdienliche Hinweise gibt oder zumindest den identifiziert, der die Festplatte hat verschwinden lassen.

ISPA: Europäische Kommission "Internet-Schurke 2007"

Jedes Jahr vergibt der Verband der britischen Internetprovider ISPA eine ganze Reihe sogenannter Industriepreise, die die besten Leistungen in Industrie, Forschung und täglicher Praxis feiern sollen. Unter den vielen Jubelpreisen gibt es auch regelmäßig eine Art goldene Zitrone, den Preis für den "Internetschurken".

2007 darf sich die EU-Kommission mit diesem Ehrentitel schmücken, genauer, die Wettbewerbskommissarin Viviane Reding . Preiswürdig sei besonders die Schaffung des geheimnisvollsten Systems zur Vorregistration von .eu-Domains gewesen. Britische Unternehmen mussten nämlich bei Registrierung einen entsprechenden Vorabbescheid vorlegen, um die Authentizität ihrer Aktivitäten zu belegen. Das scheint die Insulaner in ihrer Betriebsamkeit ziemlich ausgebremst zu haben: existieren derzeit knapp 438.000 britisch .eu-Domains, so sind es mit deren 781.000 in Deutschland beinahe doppelt so viele .

Liste mit Vista-kompatibler Software veröffentlicht

Dass Microsoft mit einem neuen Betriebssystem auf den Markt kommen würde, war seit Jahren zu erwarten und auch bekannt. Und obwohl der Start von Windows Vista sich traditionsgemäß immer wieder verzögerte, haben es etliche Software-Unternehmen trotzdem versäumt, sich rechtzeitig darauf einzustellen.

Aber auch Microsoft selbst ließ seine Kunden im Unklaren, welche bisher existierenden Programme mit dem neuen Betriebssystem überhaupt kompatibel seien. Gestern nun, nur zwei Monate nach dem Vista-Start, wurde diese Wissenslücke geschlossen. Die Redmonder listen alle Applikationen auf, die "Vista-zertifiziert" oder zumindest kompatibel sind .

Im Unterschied zur Liste, die seinerzeit für Windows XP veröffentlicht wurde, müssen sich die Softwareanbieter ihre Programme von unabhängiger Stelle zertifizieren oder zumindest die Kompatibilität bestätigen lassen. Derzeit umfasst die Aufzählung circa 800 Positionen. So beeindruckend diese Zahl auf den ersten Blick sein mag, ein genauerer Blick auf die Liste sorgt dann doch für einige Ernüchterung.

Interessant sind nicht so sehr die Programme mit "Windows-Stempel", viel aufschlussreicher sind jene, die nicht aufgeführt sind. Immerhin geht es dabei um sämtliche Grafik- und Multimediaprogrogramme von Adobe, die Sicherheitsprodukte von Symantec, Mozillas Firefox-Browser oder den VoIP-Telefondienst Skype . Eine weitere große Lücke gähnt den Betrachter im Bereich der Spiele an. Gute Chancen zur Verbesserung.

Studie: Wartezeit verwandelt Zuschauer in Piraten

Was die meisten Nutzer von bisherigen Angeboten wie Zeitungen, dem Fernsehen oder Plattenläden ins Internet abwandern lässt, ist das starre System, mit dem die Old Media ihre Produkte vertreiben. On demand ist vielfach immer noch ein Fremdwort, damit gehen die Medienunternehmen aber immer häufiger an den Bedürfnissen ihrer ständig nach mehr Flexibilität hungernden Kundschaft vorbei.

Einen konkreten Beleg nennt der australische Sydney Morning Herald in einem Bericht  über die langen Wartezeiten, die ein Fernsehzuschauer downunder absitzen muss, bis beliebte TV-Serien - zumeist aus US-Produktion - endlich auch in heimischen Sendern laufen. Durchschnittlich 17 Monate vergingen, bis solche Serien ihren Weg aus Übersee gefunden hätten. Sprachmächtige deutsche TV-Fans kennen das: Auch sie sehen per P2P ihre Lieblingsserien teils Jahre vor der übersetzten Ausstrahlung.

Alex Malik von der Technischen Universität Sydney jedenfalls stellte bei seiner Untersuchung fest, dass sich die Wartezeit in den vergangenen zwei Jahren sogar mehr als verdoppelt habe. Die Auswertung vieler Stellungnahmen von verärgerten Fans in verschiedenen Internetforen ergab eindeutig: "Diese Verzögerungen sind einer der Hauptfaktoren, die die Menschen zu BiTorrent und anderen Internetgestützten P2P-Börsen bringen, um Serienfolgen illegal herunterzuladen, noch vor der Ausstrahlung durch den heimischen Sender", so Malik. Außerdem kritisierte er die australischen Sender, weil sie im Unterschied zu vielen Broadcastern in den USA keinen legalen Download wenigstens einiger Folgen verschiedener TV-Serien zuließen.

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