Netzwelt-Ticker Windows XP beherrscht Europa

Fortschrittseuphorie wird dem "alten Europa" selten nachgesagt: XP, das alte Schlachtross aus dem Hause Microsoft, liegt hier noch immer unangefochten an der Spitze der Windows-Systeme. Außerdem: OpenStreetMap bietet bald auch Fahrpläne und deutsches Hulu auf der Kippe. Das und mehr im Überblick.


Neue Betriebssysteme, wohin das Auge blickt: Vista, Windows 7, OS X, iOS, Android - aber Marktführer in Europa ist eine ganz andere Software, das gute alte Windows XP ("geboren" 2001 und offenbar unsterblich). Das ist einer Studie des Webanalysten AT Internet zu entnehmen, der eigentlich ganz anderes herausfinden wollte: So konnte Apple im Verlauf des letzten Jahres Microsoft gut zwei Prozent Marktanteil abnehmen. Im Markt der in Europa von Websurfern genutzten Betriebssysteme liegt Windows aber mit 90,9 Prozent immer noch weit vor der Konkurrenz. Die landet mit 7,6 Prozent (Apple) und 0,9 Prozent (Linux) abgeschlagen auf den Plätzen.

So weit, so erwartbar. Interessant werden die Zahlen erst bei einem genaueren Blick. Da zeigt sich nämlich, dass neun Jahre nach seiner Einführung immer noch über die Hälfte der Computernutzer mit Windows XP online unterwegs sind. Auch wenn die Tendenz weiter fallend ist, setzen satte 51,3 Prozent auf das erprobte Betriebssystem, wohingegen nur jeder Fünfte (20,2 Prozent) lieber Vista nutzt und 17,5 Prozent das aktuelle Windows 7.

In den einzelnen Ländern werden die verschiedenen Betriebssystem teilweise sehr unterschiedlich häufig verwendet. Das aber hat wohl nicht immer etwas mit Technik-Skepsis zu tun. Während sich etwa die deutschen Werte fast gar nicht vom europäischen Durchschnitt unterscheiden, fallen die Schweizer durch größere Innovationsfreude auf. Die Eidgenossen nutzen mehr als doppelt so häufig Apple-Software, mit 19,3 Prozent führen sie die Riege der Apfelfreunde an.

Darauf, dass dies etwas mit den Einkommensverhältnissen zu tun haben könnte, deutet die Tatsache hin, dass auch in Luxemburg der Anteil der Apple-Nutzer mit 16,8 Prozent ungewöhnlich hoch ausfällt. Es gilt also augenscheinlich die Formel "je reicher desto innovativer" - oder vielleicht "Mac OS X ist der Volvo unter den Betriebssystemen"? In dieser Logik wäre Windows XP dann wohl der zwölf Jahre alte VW Polo, den man fährt, bis er zusammenfällt.

Für die Studie wurde der Traffic von 14.926 Webseiten in 23 europäischen Ländern ausgewertet.

OpenStreetMap-Gründer will auch öffentlichen Nah- und Fernverkehr erfassen

OpenStreetMap ist ein Online-Kartendienst, der als klassisches Mitmach-Projekt entstanden ist. Tausende Nutzer haben Geodaten aus ihrer jeweiligen Umgebung weitergegeben, die wiederum für jeden frei nutzbar sind. Nun will der Initiator Steve Coast sechs Jahre nach Veröffentlichung des Kartenangebots einen Schwesterservice einrichten, der die Daten des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs sammeln und zur Verfügung stellen soll. Das Projekt mit dem Namen Transiki soll dem bisherigen Wirrwarr bei Streckenplänen, Haltestellenübersichten und Fahrplänen ein Ende machen.

Die Lage sei ähnlich wie 2004 zum Zeitpunkt der Einführung von OpenStreetMap, die jeweiligen Datensätze seien fehlerhaft, unterlägen den unterschiedlichsten Lizenzbedingungen und könnten durch Nutzer nicht verändert werden. Transiki soll in OpenStreetMap integriert werden, tatsächlich stelle das Konzept eine spezialisierte Form der Online-Karten dar, so Coast zu "Golem". Durch die Mitarbeit zahlloser Freiwilliger könnte über Fahrplanänderungen oder Behinderungen durch Baustellen sehr schnell informiert werden. Angaben, die sich Eisenbahnfreunde derzeit noch mühsam aus den Webseiten der Bahnunternehmen zusammenklauben müssen.

Deutsches Hulu weiter in der Warteschleife

Alle reden von Hulu und warten darauf, dass endlich auch hierzulande eine Online-Plattform Spielfilme, Serien und Shows zentral sammelt und anbietet. Seit längerem arbeiten die TV-Konzerne RTL Group und ProSiebenSat.1 an den Vorbereitungen, eigentlich sollte das Projekt am 24. Oktober vom Kartellamt durchgewunken werden. Doch daraus wird erst einmal nichts.

Wie die "Wirtschaftswoche" berichtet, soll das Vorhaben einer gründlichen Überprüfung unterzogen werden, und die werde bis zum 24. Januar 2011 andauern. Ob das Kartellamt dann letztlich grünes Licht geben wird, sei überdies völlig ungewiss. Zunächst müsse der völlig neue Musterfall der Kooperation zweier TV-Konzerne geklärt werden. Die hoffen nun dennoch auf eine möglichst baldige Entscheidung, noch vor "einem möglichen Angriff des US-TV-Portals Hulu auf den deutschen Fernsehmarkt".

Der droht allerdings nicht unmittelbar: Hulu hat kürzlich alle Verhandlungen in Europa auf Eis gelegt. Die Amerikaner sind frustriert über die bürokratischen, rechtlichen und vertragsrechtlichen Hürden, die in Europa unter dem Begriff "normal" laufen. Dem Rest der Welt hinkt Europa in Sachen professionelles Video-Streaming um mehrere Jahre hinterher.

Wie sang Gil Scott-Heron einst so treffend? "The Revolution will not be televised": Die Revolution wird nicht gesendet werden. War anders gemeint, passt aber prächtig.

Mit Diminished Reality Videos in Echtzeit manipulieren

Augmented Reality ist inzwischen schon beinahe ein alter Hut. Die Anzeige von Zusatzinformationen in Echtzeit ersetzt oft das lästige Nachschlagen, wie das Gebäude heißt, vor dem man gerade steht und wo das nächste Restaurant ist. Die Technische Universität Ilmenau hat hingegen jetzt ein System entwickelt, das die Entfernung von beliebigen Objekten aus Filmaufnahmen ermöglicht, und zwar in Echtzeit.

Das Konzept namens Diminished Reality erlaubt, ein bestimmtes Objekt in jedem einzelnen Kamerabild zu erkennen und den entsprechenden Bildbereich mit Informationen zu füllen, die der Umgebung entnommen wurden.

Damit eröffnet sich eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten. Wer sich ein neues Sofa ins Wohnzimmer stellen will, kann schon einmal virtuell die Möbel räumen und nach Belieben neu einrichten. Bei Film- und Fernsehaufnahmen könnten Anwender als störend empfundene Objekte verändern oder entfernen. Damit ist diese bisher auf Fotos begrenzte Art der Bildmanipulation auch bei Bewegtbildern angekommen. Ganz ohne Risiko ist diese Technologie jedoch nicht, meint "Chip". Denn nun sei es beinah unmöglich, noch zwischen Wirklichkeit und virtueller Realität zu unterscheiden. Der Satz "Bilder lügen nicht" hat offensichtlich endgültig ausgedient.

Mit dem iPhone (fast) ins All

Was passiert, wenn ein iPhone in den Himmel steigt, demonstriert ein eindrucksvolles Video. Der New Yorker Luke Geissbuhler hängte eine HD-Kamera und ein iPhone an einen Wetterballon, schickte alles nach oben. Das Gerätebündel flog bis auf eine Höhe von 30 Kilometern, dann platzte der Ballon. Kamera und iPhone segelten an einem Fallschirm wieder hinab, die Reise endete 45 Kilometer vom Startpunkt entfernt in einer Baumkrone. Wo Geissbuhler, dem GPS-Tracker im Smartphone sei Dank, alles wieder einsammeln konnte, inklusive des Films vom Flug des iPhones.

Auch das noch:



insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
michaxl 18.10.2010
1. ...
Die Verschlimmbesserung bei Vista und letztendlich auch bei Windows 7 ist eine Zumutung für den Nutzer. Äußerst miserable Usability. Vista war für mich das KO-Kriterium. Nun habe ich nur noch dienstlich mit Windows zu tun. Privat und ehrenamtlich nur noch MacOS und Linux.
sverris 18.10.2010
2. top
Zitat von michaxlDie Verschlimmbesserung bei Vista und letztendlich auch bei Windows 7 ist eine Zumutung für den Nutzer. Äußerst miserable Usability. Vista war für mich das KO-Kriterium. Nun habe ich nur noch dienstlich mit Windows zu tun. Privat und ehrenamtlich nur noch MacOS und Linux.
bei mir genauso, aber privat nur noch ubuntu (10.10 jetzt)... mittlerweile hab ich auf arbeit mit dem xp mehr ärger als mit meinem ubuntu zuhause...
faustjucken_tk 18.10.2010
3. ...
MacOS ist nur was für Leute, die zuhause einen Starck-Alessi-Kocher haben. Die mit 'nem iPhone haben noch die unbrauchbare aber totschicke spinnenbeinige Orangenpresse dazu. Mahlzeit
archie, 18.10.2010
4. Versteh' ich nicht
Seit 1993 nutze ich Windows privat und beruflich. Ärger gab es noch nie. Nie musste ich einen PC neu aufsetzen, Viren kenne ich nur in der Medizin. Sicher kann ich mir Verbesserungen durchaus vorstellen, doch außer für das eigentliche Betriebssystem, das beim Rechnerkauf mitgekauft wurde, mußte ich nie einen Pfennig/Cent für Software ausgeben, von der Textverarbeitung über Abspielprogramme und Bildbearbeitung bis zu Brennprogrammen, alles ist umsonst zu haben. Was machen Sie nur mit Ihren Rechnern?
herrbeyer 18.10.2010
5. up to the sky
diese "ich schicke eine Kamera nach oben"-idee ist ein alter hut. Ich wette, das dieses Video nur gepostet wurde, weil die Person in IPhone verwendete. Das es aber auch leute gibt, die das gleiche mit 250€ hin bekommen, beweist dieser Link : http://hollandshoogte.wordpress.com/flights/august-2010/ immerhin war diese Person schlau genau und hat auf schönes wetter gewartet :P
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