Netzwelt-Ticker Yahoo kapituliert nach DRM-Debakel

Rückzug: Web-Konzern Yahoo schaltet seine Kopierschutz-Server ab, will die Kunden des Musikdienstes nun aber doch entschädigen. Wer bezahlt hat, bekommt nun unverschlüsselte Musikdateien oder Geld. Außerdem im Überblick: Der HD-Formatkrieg geht weiter und Microsoft hilft KITT.


Als Yahoo ankündigte, vom 1. Oktober an die Server zur Prüfung und Freischaltung der verschlüsselten Musikdateien aus dem hauseigenen Yahoo-Musikladen abzuschalten, war der Spott groß: Journalisten und Blogger berichteten über diese "Wir schalten die Musik ab"-Pläne, die Kunden zürnten, und nun macht Yahoo einen Rückzieher: Haben wir doch gar nicht so gemein gemeint!

Yahoo-Zentrale: Der US-Web-Konzern knipst seinen Musik-Downloadshop aus - und nervt dabei die letzten treuen Bezahlkunden
AP

Yahoo-Zentrale: Der US-Web-Konzern knipst seinen Musik-Downloadshop aus - und nervt dabei die letzten treuen Bezahlkunden

Yahoo Music wird allen ehemaligen Musikkäufern Entschädigungen anbieten und wer kein Geld sehen will, bekommt die bislang DRM-gelähmten Musikdateien als entfesselte MP3s ersetzt. Das ist fair - nur: Warum nicht gleich so?

Der HD-Formatkrieg geht weiter: China bringt eigenes Format

Geht jetzt wieder alles von vorne los? Da dachte man noch, der Formatkrieg um den DVD-Nachfolger sei längst vorbei und Blu-ray der Sieger, da reckt sich in China neue Konkurrenz: Der Hersteller Shanghai United Optical Disc wird bis Jahresende die Massenproduktion von CBHD (China Blue High Definition)-Playern starten.

Der Vorteil der neuen Disk ist der Preis. Die Umrüstung eines DVD-Werkes auf CBHD ist laut Digitimes.com sehr günstig, die Lizenzkosten pro Player liegen angeblich deutlich unter denen der Konkurrenz. Trotzdem wird es CBHD schwer haben. Zum einen, weil Blu-ray-Abspielgeräte wohl noch deutlich billiger werden könnten. Zum anderen, weil sich zumindest die Hollywood-Filmstudios nicht auf das neue Format einlassen werden.

FCC wird Drossel-Provider Comcast rügen

Weil der US-Internet-Anbieter Comcast den Datenverkehr einiger seiner Kunden drosselte , wird die amerikanische Regulierungsbehörde FCC den Großprovider öffentlich rügen, schreibt das "Wall Street Journal". Das Blatt beruft sich auf interne Quellen der FCC. Der Vorwurf lautet konkret, dass Comcast unrechtmäßig den BitTorrent-Datenfluss in seinem Netzwerk verlangsamt hat und damit gegen die Internet-Regeln der FCC verstoßen hat, fasst die ORF Futurezone den Bericht zusammen.

Comcast hatte im Februar 2008 zugegeben, in den Filesharing-Verkehr seiner Kunden eingegriffen zu haben. Comcast nannte das eine notwendige Maßnahme, um anderen Kunden einen zufriedenstellenden Service anbieten zu können. Eine kleine Prozentzahl Filesharer sei für einen Großteil des Datenverkehrs verantwortlich.

Die FCC-Rüge wird keine Strafe nach sich ziehen, weil das Unternehmen die kritisierte Praxis bereits eingestellt hat. Trotzdem ist davon auszugehen, dass der Provider gegen die Regulierung durch die FCC klagen wird. Das "Wall Street Journal" zitiert eine Sprecherin des Unternehmens, der zufolge Comcast sich immer noch im Recht sieht.

Label-Lobby schüchtert Blogger zu Unrecht ein

Die Lobbyorganisation der internationalen Tonträgerindustrie IFPI muss einen peinlichen Fehler eingestehen. Weil das Blog Somuchsilence.com einen Song scheinbar illegal veröffentlichte, verschickte die IFPI dem Blogbetreiber eine Abmahnung und forderte unter Androhung von Strafe von ihm, das beanstandete Lied von der Seite zu nehmen.

Das Problem: Die Band, in deren Namen die IFPI die Abmahnung verschickte, forderte zuvor Fans in einem Forum auf, eben jenes Lied im Netz zu verbreiten, zum Beispiel indem man es in das eigene Blog kopiert. Darauf aufmerksam gemacht, zog die IFPI ihr Schreiben zurück: Wegen all der Urheberrechtsverstöße im Internet könne man ja auch mal einen Fehler machen. Das IT-Blog Techdirt kommentiert: Eine Entschuldigung sieht anders aus.

Software-Kopierschutz des iPhones geknackt

Hacker haben Apples DRM-System geknackt, das Anwendungen, die man bei iTunes herunterladen kann, vor unrechtmäßigem Kopieren schützen sollte. Damit können jetzt kostenpflichtige iPhone-Programme und -Spiele im Netz verbreitet werden wie andere Raubkopien auch. Das allerdings verlangt ein wenig technisches Know-how vom Anwender - und ein entsperrtes iPhone, so "Gizmodo".

Microsoft berät "Knight Rider"-Macher

Im US-Fernsehen sorgen ein Mann und sein sprechendes Auto ab Herbst wieder für Unruhe: Knight Rider kehrt zurück! Und damit das Auto – unzerstörbar dank Nanotechnologie, ein gestaltwandelnder Supercomputer – auch mehr nach Zukunft aussieht, soll Microsoft dem Sender mit Rat zur Seite stehen.

Die Serienmacher durften in die Entwicklungslabors in Redmond Einblick nehmen, berichtet Popularmechanics.com. Was man dort lernen kann, verrät das Magazin allerdings nicht. Dafür aber, dass der neue KITT wieder mit Turbo-Boost und Stimme (Val Kilmer) ausgerüstet sein wird. Dafür fehlt aber ein wichtiges Requisit aus der Originalserie: David Hasselhoff. Zwar könnte der – zusammen mit dem Trans-Am-Urkitt – einen Gastauftritt haben. Aber statt Michael Knight jagt jetzt dessen Sohn Mike Trace Verbrecher, laut ORF Futurezone ein Irak-Veteran, entfremdet von seinem Vater (bei der Frisur kein Wunder…), von seiner Jugendliebe zum Beschützertum im Zweisitzer inspiriert.

Weitere Meldungen

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.