Netzwelt-Ticker YouTube lässt Urheberrechts-Sünder nachsitzen

Wer bei YouTube Urheberrechte verletzt, wird zum Idiotentest geschickt, der EuGH verwirft womöglich Netzsperren gegen Raubkopierer und China verbietet Zeitreisen im Fernsehen. Das und mehr im Überblick.

YouTube: Missetäter sollen künftig geschult werden, nicht verbannt

YouTube: Missetäter sollen künftig geschult werden, nicht verbannt


Dreimal erwischt und der Account ist weg. Nach dieser Regel verfuhr YouTube bislang mit Anwendern, die Clips auf die Videoplattform hochluden, die Urheberrechtsbeschwerden zur Folge hatten. Damit soll nun Schluss sein. Jetzt gibt es eine Regelung, die besser auf das individuelle Verhalten der Nutzer zugeschnitten ist. Denn der Bannstrahl traf bislang gleichermaßen Neulinge, die erst ein paar Filmchen beigesteuert hatten, wie auch alte Hasen, die sich seit Jahren an YouTubes Video-Fundus beteiligen. Denen war vielleicht vor Jahren ein oder zweimal ein Clip beanstandet worden, ansonsten hatten sie sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Diese treuen Nutzer liefen aber dennoch Gefahr, wegen einer einzigen neuen Beschwerde aus dem Netzwerk ausgeschlossen zu werden, heißt es im "YouTube Blog".

Ab sofort haben sie die Möglichkeit, ihr Strafkonto wieder reinzuwaschen. Dazu müssen sie allerdings die "YouTube-Copyright-Schule" besuchen. Die besteht darin, eine Anleitung zum Thema Urheberrechtsverletzungen zu betrachten und anschließend einige Fragen zu Grundregeln zu beantworten. Auf diese Weise sollen die Probanden beweisen, dass sie alle Regeln begriffen haben und sich künftig nicht mehr versündigen werden.

Die Sünder sind damit allerdings nur auf Bewährung bei YouTube, könnte man sagen. Denn das Recht, Anwender nach erfolgtem Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen auszuschließen, behält sich die Google-Tochter weiterhin vor. Ein Freibrief für gelegentliche Urheberrechtsverstöße jedenfalls ist das neu sortierte Regelwerk nicht.

Europäischer Gerichtshof könnte Netzsperren untersagen

Im ewigen Hin und Her um die Bekämpfung der Internetpiraterie hat sich jetzt auch der Europäische Generalanwalt Pedro Cruz Villalón eingeschaltet. Der Jurist äußerte sich zu der in vielen Ländern gängigen Praxis, bestimmte Webseiten zu sperren oder den Datenverkehr durch Internet-Service-Provider (ISP) filtern zu lassen. Diese Maßnahmen sollen Raubkopien und Urheberrechtsverletzungen im Netz verhindern. In einem Rechtsgutachten stellte der Generalanwalt nun fest, diese Praxis sei rechtswidrig und verstoße gegen "fundamentale Rechte" (PDF).

Der konkrete Anlass für die Stellungnahme sind Regelungen in Belgien und den Niederlanden, die dem Provider Scarlet die Pflicht auferlegen, Urheberrechtsverstöße durch Filtermaßnahmen und Sperren zu unterbinden. Der Fall nahm seinen Weg durch die juristischen Instanzen, bis er schließlich vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) landete und seine entsprechende Bewertung durch den Generalanwalt fand. Demnach verstoße die Scarlet-Anordnung gegen die Charta der Grundrechte der Europäischen Union, darunter das Recht auf private Kommunikation, Datenschutz und Informationsfreiheit. Ohne eine vorangehende, verständliche nationale Gesetzgebung könnten solche Rechte nicht einfach durch ad-hoc-Entscheidungen in einzelnen Ländern eingeschränkt werden.

Auf der Grundlage dieser Einschätzung gab Villalón die Empfehlung an den EuGH, in der Sache zugunsten Scarlets zu entscheiden, das sich seit Jahren allen Filter- und Sperrmaßnahmen verweigert. Das geltende belgische Recht liefere keine Handhabe, ISPs zu unbegrenzten Sperrungen auf eigene Kosten zu veranlassen. Das schon gar nicht, wenn diese Maßnahmen präventiv, also zur Abwehr eines möglichen Schadens erfolgten sollen.

Möglicherweise ein Schritt mit weitreichenden Folgen, denn in der Mehrzahl der Fälle pflegt der EuGH den Empfehlungen der Generalanwälte zu folgen. Kein Wunder, dass Leute wie der Chef der schwedischen Piratenpartei Rick Falkvinge ganz aus dem Häuschen geraten. "Es war die Vorgehensweise der Rechteinhaber, Internet-Provider mit dem Argument 'sperre nach unseren Wünschen oder wir bringen dich vor Gericht' zu bedrohen", schreibt der Netzaktivist. "Das heutige Urteil beziehungsweise das wahrscheinliche Urteil gibt diesen ISPs die Möglichkeit, zu sagen 'geht spielen, wir haben ein Papier vom Obersten Gerichtshof, dass uns kein Gericht dazu zwingen kann'."

Bessere mobile Datenverbindungen mit GPS-Hilfe

Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben erklärt, die Downloadraten von mobilen Geräten wie Smartphones könnten um bis zu 50 Prozent beschleunigt werden. Dazu müsse nur die Verwaltung der verschiedenen Signalquellen in der jeweiligen Umgebung verbessert werden. Derzeit sei es noch so, dass sich das Gerät mit dem Zugangspunkt mit dem stärksten Signal verbinde. Diese Verbindung werde nun so lange wie möglich aufrechterhalten, auch wenn der Besitzer des Geräts sich schon wieder weiter wegbewegt. Womit mobile W-Lan- oder Mobilfunk-User ständig schwächere Signalleistungen nutzten, als eigentlich zur Verfügung stünden.

Die Lösung sei ziemlich einfach, die technischen Voraussetzungen seien schon vorhanden, sagt MIT-Professor Hari Balakrishnan. Mittels GPS-Technik "wisse" das Gerät jederzeit über seinen genauen Aufenthaltsort Bescheid. Kombiniert mit einer genauen Karte von Sendemasten und Hotspots könnten die Übergabe von einem zum nächsten deutlich verbessert werden.

Apple-Updates merzen Fehler aus und stopfen Sicherheitslücken

Apple hat am Donnerstag die Version 4.3.2 des Betriebssystems iOS veröffentlicht und zum Herunterladen bereitgestellt. Das Update dient vor allem dem Kehraus diverser Fehler. So wurde das Problem beseitigt, das aus der Facetime-App ein ungewolltes Spionageprogramm machte. Ebenfalls dürfen sich iPad-Besitzer freuen, die bislang Schwierigkeiten hatten, sich mit einem 3G-Netzwerk zu verbinden. Diese Schwäche soll behoben werden. Zudem sind einige Sicherheits-Updates in dem Paket enthalten.

China verbietet Zeitreisen im TV

Die chinesische Regierung sorgt sich um das Wohl ihrer Untertanen, die in vollendeter Harmonie mit dem Staat leben und arbeiten sollen. Alle störenden Einflüsse, wie etwa kritische Dissidentenmeinungen, werden daher unterbunden. Zu diesen negativen Einflüssen gehören offensichtlich auch Unterhaltungsgeschichten, in denen Zeitreisen vorkommen.

Dieses Motiv, das seit jeher von Science-Fiction-Autoren genutzt wird, um der Gegenwart einen mitunter kritischen Spiegel vorzuhalten, darf in chinesischen TV-Produktionen künftig nicht mehr vorkommen. Die Zuschauer könnten ob der gezeigten Geschichten, die bizarre Plots enthielten, absurde Technologien verwendeten oder gar Ideen wie Feudalismus, Aberglauben, Fatalismus und Reinkarnation propagierten, nachhaltig verwirrt werden. Derlei Geschichten würden nicht dem chinesischen Erbe entsprechen, fasst CNN die seit dem 31. März verbindlich geltenden Richtlinien zusammen.

Auch das noch:

Mehr zum Thema


insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
suchenwi 15.04.2011
1. Korrektur zu Rick Falkvinge
Rick Falkvinge gründete Piratpartiet (die schwedische Piratenpartei, die erste ihrer Art) am 1. Januar 2006, und wurde ihr Vorsitzender. Wie er schon früher angekündigt hatte, legte er nach genau fünf Jahren, am 1.1.2011, den Vorsitz nieder. Nachfolgerin wurde die bisherige stellvertretende Vorsitzende Anna Troberg. Falkvinge ist jetzt als "Evangelist" aktiv: als Vortragsreisender zu Piratenthemen. "Why are you here?" war seine Keynote zum Abschluss der Konferenz der Pirate Parties International in Friedrichshafen am 20.3.2011.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.