Netzwelt-Ticker YouTube macht ein wenig Programmkino

YouTube will sich zum Vorführraum für Indie-Filme mausern, um attraktiver für Werbekunden zu werden. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Französische Regierung bringt das heftig umstrittene Netzsperren-Gesetz auf den Weg, Microsoft zeigt sich einsichtig und lernt aus Fehlern.


YouTube-Eigentümer Google scheint nicht ganz zufrieden zu sein mit dem Erfolg der Videoplattform als Werbefläche. Statt zigmillionen Clips und Clippchen über Omas Missgeschick und Hündchens Fressattacken allein sollen nun auch längere Filme Werbekundschaft locken. Das Magazin " Forbes" vermutet, dass der eineinhalbstündige Indie-Film "Howard Buttelman, Daredevil Stuntman" den Ausschlag für das Werbeexperiment gab.

Google-Erfolg Youtube: Das Videoportal bescwert dem Konzern viele, aber noch nicht genug Werbegeld
SPIEGEL ONLINE

Google-Erfolg Youtube: Das Videoportal bescwert dem Konzern viele, aber noch nicht genug Werbegeld

Seit seinem Onlinestart vor einem Jahr zog er über eine Million Zuschauer bei YouTube an, durch seine vergleichsweise lange Laufzeit bietet er viel mehr Platz für Werbung als der normalkurze YouTube-Clip.

YouTube will nun noch mehr Filmemacher davon überzeugen, ihre Werke auf der Videoseite zu veröffentlichen. Es lockt der Mammon: Beteiligung an den Werbeeinnahmen, eine Verkaufsmöglichkeit für DVDs und Filmdownloads. Ein wirklicher Pluspunkt ist aber gar nicht in Banknoten auszudrücken: Potentiell Dutzende von Millionen Zuschauer auf der Suche nach etwas Unterhaltung.

Französische Regierung bringt Netzsperren-Gesetz auf den Weg

Frankreich macht ernst mit dem Präsidentenplan, Raubkopie-Saugern den Internetzugang zu sperren. Wer unlizenzierte Kopien digitaler Medienprodukte aus dem Internet herunterlädt, dem soll der Internetzugang gekappt werden. Das französische Kabinett brachte am Mittwoch einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg.

Laut ORF Futurezone beruht das Vorhaben auf einer Vereinbarung mit der Musik– und Filmindustrie sowie den französischen Internetanbietern. Letztere müssten zukünftig die Internetströme der französischen Bürger filtern. Fällt den Musik– und Filmverlagen mithilfe der Filter eine Urheberrechtsverletzung auf, sollen die sich an eine eigens eingerichtete Regierungsbehörde wenden können.

Die verschicke dann quasi auf Zuruf eine Abmahnung erst per E-Mail, dann notfalls per Einschreiben an den mutmaßlichen Raubkopierer. Vermutet die Behörde weitere Verstöße, solle dem Internetnutzer zwischen drei Monaten und einem Jahr der Internetzugang verweigert werden. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy: "Es gibt keinen Grund, warum das Internet eine rechtsfreie Zone sein sollte." Ohne solche Maßnahmen werde es "eines Tages keine Neuschöpfungen mehr geben". Im Gegenzug soll – zumindest in einigen wenigen Fällen – Musik nur noch ohne digitales Rechtemanagement (DRM) verkauft werden.

Französischer Bürgerrechtler kritisieren das Vorhaben scharf. Das geplante Gesetz wäge die Interessen nicht ab, sondern folge allein den Interessen von Copyright-Inhabern. Die geplante Zentralstelle könne ohne richterliche Kontrolle, nur auf Zuruf der Medienindustrie, Internetzugänge kappen.

Microsoft zeigt sich ein wenig einsichtig

Als Microsoft bekannt gab, seine DRM-Server für Download-Lieder aus dem MSN-Musikladen abzuschalten, war die Empörung groß. Kunden, die bei Microsofts Musikdienst "MSN Music" mit Playsforsure-Kopierschutz versehene Songs gekauft hatten, sollten diese Musik nach Abschaltung der Server nur bis zum nächsten Computer- oder Betriebssystemwechsel hören können. Denn immer, wenn sich die PC-Konfiguration ändert, müssen die Musikdateien erneut von Microsoft freigeschaltet werden – ohne Server geht das nicht.

Wie?, fragten sich die Kunden des Geschäfts und abertausende Spötter, soll Microsoft mir einfach so wieder meine gekaufte Musikwegnehmen können? Doch Redmond rudert zurück. Ars Technica hat aus einer E-Mail an MSN-Kunden erfahren, dass die Serverabschaltung erstmal bis ins Jahr 2011 verschoben wird.

Nach einem Jahr: Vista druckt!

Die Kritik an Windows Vista will einfach nicht verstummen. Rettet unser XP, rufen Petitionisten, rettet unsere Seele Open-Source-Afficionados. Für einen pensionierten Lagerarbeiter aus Seattle lautet der Hilferuf: Ich will doch nur drucken! Ein Jahr lang schlug er sich mit Windows Vista herum, das einfach nicht mit seinem Drucker zusammenarbeiten wollte. Dabei funktionierte der Treiber doch unter Windows XP so toll. Ein Jahr verging, ein Cheftester von Microsoft kam und Windows Vista druckte. Die Lösung: Wer XP-Druckertreiber auf Vista installiert, wird nicht drucken können.

Wer das jedoch als heimlichen Sieg Vista gegen Rentner 1:0 sieht, übersieht ein grundsätzliches Problem: Warum erkennt ein Betriebssystem nicht einfach, wenn man etwas derartig falsch macht?

Internetanbieter probieren Schnüffelwerbung

Als publik wurde, dass manche amerikanischen Internetanbieter aus den Tippfehlern ihrer Kunden Profit schlagen wollen, war die Aufregung groß: Abzocke! Doch zwei Bürgerrechtsorganisationen haben nun laut "Wired"-Blog noch viel dreisteres Abkassieren aufdecken können. Mithilfe der Werbefirma NebuAd können Internetanbieter ihren Kunden beim Surfen zuschauen und ihnen dadurch maßgeschneiderte Werbung präsentieren – vielleicht besser: Auf den Bauch binden. Robb Topolski entdeckte den Lauschangriff, beschreibt ihn in einem Bericht für Free Press als Mischung aus Cross-Site-Scripting- und Man-in-the-Middle-Angriff ( Bericht als PDF-Datei); zwei verrufene Betrugsmethoden im Netz. NebuAd rechtfertigt sich gegenüber "Wired" damit, dass die erhobenen Daten doch anonym seien – und die Auswertung von Cookies eh zum Standardgehabe eines Werbenetzwerks gehöre.

Botschaft zwischen den Zeilen: Ihr habt uns ertappt, na und?

Weitere Meldungen

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.