Neue Ebay-Regeln Feste Preise, magere Gebühren, fette Provisionen

Das Online-Auktionshaus Ebay operiert sich zur Shopping-Seite um. Versteigerungen gibt es zwar noch, aber Festpreis-Angebote wie bei Amazon sollen nun boomen. Es gibt mehr Schutz für Käufer, aber nur, wenn die mit Ebays Bezahldienst PayPal löhnen - der kostet Händler extra.


Berlin - Das war längst überfällig: Mit neuen Regelungen will das Online-Auktionshaus Ebay den Käuferschutz verbessern. Werden ersteigerte Waren nicht geliefert oder weichen deutlich von der Beschreibung ab soll der bezahlte Preis ab dem 1. September inklusive der Versandkosten in voller Höhe erstattet werden. Allerdings greift dieser Käuferschutz nur, wenn die Waren mit dem Bezahlsystem PayPal bezahlt werden - und dafür fallen Extragebühren an.

Ebay-Geschäftsführer Stefan Groß-Selbeck: Erweiterter Käuferschutz nur für PayPal-Nutzer
DPA

Ebay-Geschäftsführer Stefan Groß-Selbeck: Erweiterter Käuferschutz nur für PayPal-Nutzer

Darüber hinaus sollen schlechte Bewertungen für Verkäufer künftig zu Sanktionen führen. Wer als Händler von Ebay geprüfte Standards nicht erfüllt, muss mit Strafen von einer Rückstufung der Artikel bei der Anzeige in den Suchergebnissen bis hin zu einem Ausschluss vom Handel rechnen. Die unter Händlern umstrittene Regelung, dass sie Käufer nicht bewerten dürfen, bleibt so bestehen.

Nach dieser Umstellung des Bewertungssystems im Mai hat sich der Ton bei umstrittenen Bewertungen verschärft. Warum, erklärt der Münchner Anwalt Arndt Joachim Nagel in einer Analyse des neuen Systems so: "Seit der Reform ist die Rechtslage bei negativen Bewertungen relativ unklar." Der Grund laut Nagel: "Ebay sieht die Möglichkeit der einvernehmlichen Rücknahme negativer Bewertungen nun nicht mehr vor und entfernt eine abgegebene Bewertung selbst bei einer entsprechenden Rücknahmeerklärung des Bewertenden nicht." Daran ändert Ebay nichts.

Stattdessen macht der Einkaufsriese einen auf Amazon: Ebay-Chef Stefan Groß-Selbeck begründete die Neuerungen damit, die Zufriedenheit der Käufer steigern zu wollen. Dazu sollen künftig auch die bislang getrennt aufgeführten Festpreisangebote aus den Ebay-Shops in den Marktplatz integriert werden, womit es künftig nur noch zwei Angebotsformate geben wird: Versteigerungen und Artikel zu Festpreisen. Und die Festpreisangebote sind dann viel prominenter plaziert als bisher.

Für Verkäufer sollen die Gebühren für das Einstellen von Artikeln gesenkt, dafür aber die Provisionen bei erfolgreichen Geschäften erhöht werden. Gewerbliche Abonnenten des sogenannten Premiumshops können zudem mit einer Flatrate für 299 Euro im Monat unbegrenzt Artikel einstellen. "Damit schaffen wir einen Anreiz für Verkäufer, die schon jetzt in großen Stückzahlen handeln, ihr Angebot noch einmal auszuweiten", erklärte Groß-Selbeck.

Teil des überarbeiteten Ebay-Auftritts ist außerdem eine neue Suchtechnologie, die zum 25. September eingeführt wird. Damit soll trotz des erweiterten Angebots die Suche schnell zielführend sein. Festpreisangebote werden nach ihrer Relevanz für den Käufer sortiert, wobei vor allem der Verkaufserfolg gleicher Artikel in der Vergangenheit berücksichtigt wird. Auktionen werden wie bisher nach der verbleibenden Dauer sortiert.

afp/mak



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.