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30. Juni 2009, 17:07 Uhr

Neue Version 3.5

Firefox wird erwachsen

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Schneller, bunter, privater: Im neuen Firefox 3.5 stecken Tausende Änderungen und Verbesserungen. Für Anwender sind glücklicherweise nicht alle davon wichtig. SPIEGEL ONLINE hat getestet, ob sich das Update lohnt.

Ab Dienstagnachmittag steht der Web-Browser Firefox 3.5 zum Herunterladen bereit. Mit der neuen Version hat Mozilla gleich vier Versionsnummern übersprungen. Von Vorgänger Firefox 3.0.11 geht es direkt zu Version 3.5. Den drastischen Versionssprung erklärt Mozilla-Europa-Chef Tristan Nito im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE schlicht damit, dass man 5000 Änderungen, Verbesserungen und neue Funktionen in den Web-Browser eingebaut habe. Die Anregungen für die meisten davon kamen direkt aus der Web-Community. Mozilla höre eben sehr genau darauf, was die Anwender sich wünschen.

Firefox 3.5: Mehr als 5000 Änderungen und Verbesserungen

Firefox 3.5: Mehr als 5000 Änderungen und Verbesserungen

Wenn das so stimmt, dann stand eine Verbesserung der Geschwindigkeit ganz weit oben auf der Prioritätenliste. Zahlreiche Internet-Anwendungen machen heutzutage intensiv Gebrauch von Javascript, weshalb man gerade diesen Punkt in Firefox 3.5 optimierte. Der neue Browser ist der schnellste Firefox bisher, wenn auch nicht der schnellste Browser überhaupt, denn Geschwindigkeit können andere immer noch besser.

Und auch der Wahrung der Privatsphäre widmete man reichlich Aufmerksamkeit. Im privaten Modus könne man beispielsweise unbesorgt nach einen Verlobungsring für die Lebenspartnerin suchen, ohne dass diese danach irgendwelche Hinweise auf den heimlichen Online-Einkauf finden würde. Ein schönes Beispiel, plakativer wäre ein profanes: Man kann damit natürlich auch einfach nach Pornos im Web forschen, ohne damit virtuell vor der Ehefrau die Hosen herunterzulassen.

Vor allem aber haben die Mozilla-Entwickler dem neuen Firefox etliche neue Funktionen verpasst, die es Web-Designern leichter machen, schöne und multimediale Web-Seiten zu entwickeln. Darunter etwa ladbare Schriften und eingebettete Videos, die ohne Flash oder ähnliches laufen (HTML 5 macht's möglich).

Ein "Upgrade für das Internet" ist der neue Firefox damit zwar noch nicht, immerhin aber doch ein ordentlicher Schritt voran für viele bislang brachliegende offene Standards, die mit der Integration in den neuen Browser jetzt einer kritischen Masse Web-Usern nutzbar gemacht werden. Schließlich verwenden laut Mozilla derzeit mehr als 300 Millionen Web-Surfer den Mozilla-Browser, um das Web zu durchstöbern.

Mehr Speed, mehr Privatsphäre, mehr Funktionen - auf den folgenden Seiten sehen Sie die wichtigsten Neuerungen von Firefox 3.5 im Überblick:

Besonders privater Pornomodus

Der Schutz der Privatsphäre ist den Programmierern des neuen Firefox sehr viel Arbeit wert gewesen. Die gern als Porno-Modus bezeichnete Betriebsart Privater Modus haben sie wesentlich differenzierter implementiert als ihre Kollegen etwa bei Apples Safari. Neben dem Privat-Modus an sich, der einfach festlegt, dass der Browser im Folgenden keine Aufzeichnungen darüber anlegt, welche Seiten man besucht oder welche Bilder man anschaut, gibt es auch rückwirkend nutzbare Löschfunktionen.

Privater Modus: Im Porno-Modus keine Spuren hinterlassen

Privater Modus: Im Porno-Modus keine Spuren hinterlassen

So lassen sich über "Neueste Chronik löschen" die Aufzeichnungen der letzten ein, zwei oder vier Stunden, des ganzen Tages, oder gar alle Aufzeichnungen löschen. Und man kann Firefox sogar anweisen, ganz gezielt einzelne Web-Seiten zu vergessen. Dazu öffnet man die Chronik, klickt mit der rechten Maustaste auf den Eintrag der Webseite, die man loswerden will und wählt den Menüeintrag "Diese Webseite vergessen".

Alles wird schneller - aber nicht am schnellsten

Mozilla spart nicht an großen Zahlen, wenn es um den neuen Firefox geht. Bis zu zehnmal schneller sei der Browser geworden - verglichen mit der längst veralteten Version 2. Aber auch gegenüber der bisher aktuellen Firefox-Version 3.0.11 ist die Geschwindigkeit noch verbessert worden, vor allem was die Scriptsprache JavaScript angeht.

Peacekeeper-Benchmark: Geschwindigkeit können andere Browser wie Apples Safari nach wie vor besser

Peacekeeper-Benchmark: Geschwindigkeit können andere Browser wie Apples Safari nach wie vor besser

Den Sunscript Javascript-Benchmark etwa absolviert die Version fast doppelt so schnell wie ihr direkter Vorgänger und mehr als zehnmal so schnell wie die Version 2.0. Der Grund für die Beschleunigung: Die Javascript-Engine TraceMonkey wurde für Firefox 3.5 komplett neu entwickelt.

Für Anwender sollen sich die Verbesserungen der Javascript-Verarbeitung in erster Linie auszahlen, wenn sie Online-Applikationen, wie etwa die Mal- und Fotoprogramme Sumo Paint und Aviary benutzen. Eine Technik namens "spekulatives Parsen" soll zudem dafür sorgen, dass Web-Seiten schneller im Browserfenster aufgebaut werden.

Im Peacekeeper Browser-Benchmark erreicht Firefox 3.5 auf einem Macbook mit 2,16 GHz Intel Core-Duo-Prozessor immerhin 1441 Punkte. Das ist gut und vor allem besser als sein Vorgänger. Im direkten Vergleich aber liegt er damit immer noch hinter Googles Chrome und Apples Safari, der im Test 3236 Punkte erreicht. Und auch was die Kompatibilität angeht, hat Firefox noch Nachholbedarf. Bestehen etwa Safari und Chrome den Acid3-Test mit jeweils 100 Prozent Kompatibilität, kommt Firefox nicht über 93 Prozent hinaus.

Audio und Video ohne Plug-Ins

Um Videos anzusehen und Musik anzuhören soll man künftig nicht mehr darauf angewiesen sein, den Browser mit Plug-Ins wie etwa dem Flash-Player aufzurüsten. Deren Aufgaben soll stattdessen der Browser selbst übernehmen. Die entsprechenden Vorgaben sind im Web-Standard HTML 5 definiert, den Firefox 3.5 nun unterstützt.

Videos ohne Plug-In: Firefox wird dank offener Standards zum Audio- und Video-Player

Videos ohne Plug-In: Firefox wird dank offener Standards zum Audio- und Video-Player

Das Resultat: Videos beispielsweise öffnen sich einfach im Browserfenster, ohne dass man zuvor noch etwas installieren müsste. Tatsächlich aber funktioniert dieser Trick nur, wenn die Videos und Musik in den freien Formaten Ogg Theora oder Ogg Vorbis vorliegen, was bisher eher selten der Fall ist. Einen Eindruck von der Qualität kann man bei dem Videoportal Dailymotion bekommen.

Positionsbestimmung ohne GPS

Standortbezogene Dienste, auch Location Based Services genannt, wurden schon vor Jahren als das nächste große Ding gehandelt und doch nie realisiert. Mit der Einführung von GPS in Handys bekommen Anwendungen, die den Aufenthaltsort des Nutzers einbeziehen, jetzt neuen Auftrieb. Damit man solche Dienste auch am PC oder Notebook verwenden kann, stellt Firefox 3.5 nun ebenfalls Funktionen zur Ortsbestimmung bereit.

Positionsbestimmung mit Firefox: Auf dem Notebook dank W-Lan-Peilung erstaunlich genau

Positionsbestimmung mit Firefox: Auf dem Notebook dank W-Lan-Peilung erstaunlich genau

Weil Computer aber nur selten mit einem GPS-Modul ausgestattet sind, bedient sich der Browser einer Technik, die als Geo-IP bezeichnet werden kann: Anhand der IP-Adresse wird der Standort bestimmt - zumindest grob. Verfeinert werden diese Daten bei Notebooks beispielsweise, indem die Feldstärken umgebender W-Lan-Netze für eine Art Kreuzpeilung genutzt werden. Eine ähnliche Technik wird auch für Handys ohne GPS-Modul verwendet.

Fraglich ist bisher allerdings noch, welche Anwendungen konkret und sinnvoll von solchen Positionsdaten profitieren können. Mozilla bietet bisher nur eine Demonstration an, die lediglich auf einer Karte anzeigt, wo der Browser sich vermutet. Der Nutzer weiß das gemeinhin besser - selbst wenn er persönlich Selbstfindungsprobleme haben sollte.

Ladbare Schriften für bessere Optik

Die typografischen Möglichkeiten von Browsern sind bislang noch ausgesprochen begrenzt. Zwar beherrscht Firefox schon seit der Version 3.0 Funktionen wie Kerning und Ligaturen, mit denen sich das Aussehen von Schriften beeinflussen lässt. Sonderlich viel lässt sich damit aber nicht anfangen. Denn um sicherzugehen, dass die von Web-Sesigner gewählte Schrift auch auf dem Rechner des Betrachters installiert ist, muss man eine der wenigen Standardschriften des WWW für seine Web-Seiten verwenden.

Nachladbare Schriften: Firefox 3.5 kann auch nicht standardkonforme Fonts anzeigen, so wie in diesem Beispiel die Graublau Sans Web. Links im Bild ist zum Vergleich zu sehen, wie Microsofts Internet Explorer 7 die Schrift durch einen Standardschnitt ersetzt

Nachladbare Schriften: Firefox 3.5 kann auch nicht standardkonforme Fonts anzeigen, so wie in diesem Beispiel die Graublau Sans Web. Links im Bild ist zum Vergleich zu sehen, wie Microsofts Internet Explorer 7 die Schrift durch einen Standardschnitt ersetzt

Firefox 3.5 erweitert hier die gestalterischen Möglichkeiten enorm, indem er Schriften nachladen kann. Web-Designer können ihre Seiten dadurch endlich mit ähnlichen gestalterischen Kniffen verschönern, wie sie im Druck schon lange gängig sind. Und glücklicherweise ist Firefox 3.5 nicht der einzige Browser, der diese Technik beherrscht. Apples Safari ist schon seit der Version 3.1 in der Lage, Zeichensätze nachzuladen, Opera wird diesen Trick ab der Version 10 beherrschen.

Offline Online arbeiten

Neben der verbesserten Performance kommen noch ein paar weitere Neuerungen dem Umgang mit Online-Applikationen zugute. Hierzu zählt der sogenannte web worker. Diese Funktion tut nichts anderes, als die Abarbeitung von Javascript im Hintergrund zu ermöglichen. Auf diese Weise können mehrere Javascript-Programme parallel und damit schneller ablaufen.

Vor allem aber verfügt Firefox 3.5 über einen lokalen Cachespeicher, in dem Web-Applikationen Daten zwischenspeichern können. Zusätzlich gibt es einen von Mozilla als DOM Storage bezeichneten Speicherraum, in dem größere Datenmengen abgelegt werden können. So lässt sich mit Online-Programmen auch ohne Verbindung zum Web arbeiten.

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