Neuer Internet-Standard Weltweiter IPv6-Testlauf startet am Mittwoch

Generalprobe für das neue Internet-Protokoll: Am Mittwoch wird für einen Tag der IPv6-Standard aktiviert - ein Testlauf, um letzte Probleme aus dem Weg zu räumen. Die alte Version muss abgelöst werden, weil die freien IP-Adressen knapp werden.

Netzwerk-Verbindungen: Platz für mehr Internet-Adressen
REUTERS

Netzwerk-Verbindungen: Platz für mehr Internet-Adressen


Hamburg/Berlin - Es ist ein Experiment im laufenden Betrieb: Für einen groß angelegten Probelauf stellen Unternehmen aus aller Welt am Mittwoch ihre Internetseiten nach neuen Datenverkehrsregeln bereit. Parallel zu den alten Standards nach dem Internetprotokoll der Version vier (IPv4) werden die Konzerne für 24 Stunden das neue Internetprotokoll der sechsten Version (IPv6) aktivieren, wie der Branchenverband Bitkom in Berlin mitteilte.

An der Aktion beteiligen sich den Angaben zufolge unter anderem internationale Internetriesen wie Google, Facebook oder Yahoo. Aus der Bundesrepublik nehmen laut dem deutschen IPv6-Rat unter anderem die Deutsche Telekom, die Deutsche Bank und das Bundesinnenministerium teil.

Bei der Umstellung von IPv4 auf IPv6 geht es vor allem darum, neue sogenannte IP-Adressen zu gewinnen. Sie stecken unter anderem hinter den gut merkbaren Internetadressen mit Endungen wie .de oder .com. Außerdem bekommt jedes Gerät, das sich mit dem Internet verbindet, eine solche Adressnummer zugewiesen. Im Fall von SPIEGEL ONLINE übersetzt die sogenannte Domain-Name-System-Datenbank (DNS) die Browsereingabe www.spiegel.de in die IP-Adresse 195.71.11.67. Der 1980 eingeführte IPv4-Standard ermöglichte es, 4,3 Milliarden Adressen einzurichten.

Voraussichtlich Ende des Jahres gibt es laut Bitkom jedoch keine freien Adressen im IPv4-Standard mehr. Um Nachschub an neuen Internet-Adressen zu liefern, ist eine Umstellung auf ein neues Internetprotokoll nötig. Beim neuen IPv6-Standard besteht jede IP-Adresse aus 128 Stellen, möglich sind dadurch 340 Sextillionen Adressen - als Zahl: 340.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.

Einen Test in der Größenordnung, wie er am Mittwoch stattfindet, habe es bislang noch nicht gegeben, erklärte der Vorsitzende des deutschen IPv6-Rats, Christoph Meinel. Die Teilnehmer wollten mit dem Aktionstag ausprobieren, wie alltagstauglich IPv6 schon ist, sowie unerwartete Fehler und Probleme aufspüren.

0,05 Prozent der Nutzer könnten Probleme bekommen

Telekom-Sprecher Lichtenthäler betonte, dass von dieser "stillen Umstellung" kein Nutzer etwas merken werde: "Bestandskunden müssen gar nichts tun, weil sie auch in den nächsten Jahren weiterhin mit ihren IPv4-Protokollen online sein können." Provider wie die Telekom bauten dafür derzeit einen Parallelbetrieb auf. Die Telekom will die einzelnen Datenpakete von Anfang 2012 an durchgehend sowohl via IPv4 als auch via IPv6 durch ihre Leitungen jagen können. "Es gibt keine Pläne, IPv4 abzuschalten", betonte Lichtenthäler.

Noch völlig offen ist Lichtenthäler zufolge die Frage, ob künftig alle Geräte dauerhaft identifiziert werden könnten. Technisch sei es zwar möglich, eine von zwei Bestandteilen der IPv6-Adressen bei der Einwahl der Geräte ins Netz stets per Zufallsgenerator zu erneuern und so für eine Anonymisierung zu sorgen. "Dabei gilt es aber, die Bequemlichkeit der Nutzer mit der Privatsphäre abzuwägen", sagte der Telekom-Sprecher.

Gegenüber SPIEGEL ONLINE hatten zwei große Provider angeküdnigt, ihren DSL-Kunden auch künftig bei jedem Verbindungsaufbau, also spätestens nach der erzwungenen Trennung nach 24 Stunden Nutzung, eine neue IP-Adresse zuzuweisen. Man werde an dem bestehenden Prinzip der dynamischen Adressvergabe für Privatkunden nichts ändern, erklärten die Deutsche Telekom und Vodafone.

Die neueren Betriebssysteme unterstützten den neuen Standard bereits. In seltenen Fällen könne es zu Problemen beim Aufruf der teilnehmenden Webseiten kommen, teilte der IPv6-Rat weiter mit. Schätzungen zufolge könnten davon 0,05 Prozent aller Internet-Nutzer betroffen sein.

ore/dapd/AFP



insgesamt 24 Beiträge
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cosmo72 07.06.2011
1. Wiederholung dank totaler Überwachung
Super - dann hat jedes Gerät für immer eine "feste ID/IP" und der gläsere Bürger als tatsächliche Ziel der EU-ÜberwachungsDiktatur ist realisiert! Es lebe die Unterdrückung! Hurra EU - versklave uns! Mach uns gläsern und schick uns dann nach Europleite das Militär ins Innere - wenn die Demonstranten sich per Web organisieren und auf ihre eigenen Staaten gemäß der alleinig gültigen Verfassungen bestehen! Wer bis dahin im Netz zu auffällig war wird vermutlich vorher abgeholt - es wiederholt sich Leute! http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2009-09/indect-ueberwachung http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2010-10/indect-ueberwachung-polen
QuixX, 07.06.2011
2. Nutzen des unendlichen Adressraumes
---Zitat--- Gegenüber SPIEGEL ONLINE hatten zwei große Provider angeküdnigt, ihren DSL-Kunden auch künftig bei jedem Verbindungsaufbau, also spätestens nach der erzwungenen Trennung nach 24 Stunden Nutzung, eine neue IP-Adresse zuzuweisen. Man werde an dem bestehenden Prinzip der dynamischen Adressvergabe für Privatkunden nichts ändern, erklärten die Deutsche Telekom und Vodafone. ---Zitatende--- Wenn einfache Privatleute jeden Tag die gleiche IP-Adresse und eine schnelle Uploadrate haben, so würde ein gut Teil des Providergeschäfts aufgegeben. Die paar Leute, die sich für die privaten Bilder von den Müllers interessieren, schafft man auch mit 1MBit Upload. Aber die fetten Fische tönen im Vertrauen erzeugenden Tonfall: "Keine Angst, es bleibt alles wie es ist". Der Nutzen des unendlichen Adressraumes darf ja nicht beim Verbraucher ankommen.
Der Meyer Klaus 07.06.2011
3. Sie einen Titel für den Beitrag a
Zitat von QuixXWenn einfache Privatleute jeden Tag die gleiche IP-Adresse und eine schnelle Uploadrate haben, so würde ein gut Teil des Providergeschäfts aufgegeben. Die paar Leute, die sich für die privaten Bilder von den Müllers interessieren, schafft man auch mit 1MBit Upload. Aber die fetten Fische tönen im Vertrauen erzeugenden Tonfall: "Keine Angst, es bleibt alles wie es ist". Der Nutzen des unendlichen Adressraumes darf ja nicht beim Verbraucher ankommen.
Als wenn der 24h disconnect ein Problem wäre. Wofür gibt es dyndns?
QuixX, 07.06.2011
4. Router
Zitat von Der Meyer KlausAls wenn der 24h disconnect ein Problem wäre. Wofür gibt es dyndns?
Ihr Router muss es können.
csar 07.06.2011
5. titulum delendam est
Zitat von Der Meyer KlausAls wenn der 24h disconnect ein Problem wäre. Wofür gibt es dyndns?
Ist aber eine Krücke, meine IP-Adresse hat sich das letzte Mal 2007 geändert (Umzug), davor 3 Jahre fix. Wieso ist das in F also möglich und in D nicht? BTW, das Ganze hat nichts mit der EU zu tun, sondern mit der ISOC. Schade, nicht - kann man nicht auf seinen Lieblingsbuhmann eindreschen, weil sich wieder was ändert was man nicht versteht (=DAS BÖSE)
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