Neues aus Nigeria Willkommen bei der Einbahnstraßen- Online-Bank

Fans und Feinde der so genannten "Nigeria-Connection" dürfen aufatmen: Endlich gibt es eine neue Variante der altbekannten Betrugsmasche. Jetzt ist es noch leichter, kein Millionär zu werden.


Die Nigeria-Connection verwandelt Geldgier in Gold: Über 3,5 Milliarden (!) Dollar sollen die Trickbetrüger mit ihrer Masche schon ergaunert haben
GMS

Die Nigeria-Connection verwandelt Geldgier in Gold: Über 3,5 Milliarden (!) Dollar sollen die Trickbetrüger mit ihrer Masche schon ergaunert haben

"Diese Nachricht", schreibt Ali Kaloma, "wird Sie vielleicht überraschen". Vielleicht aber auch nicht: Kaloma, sagt er, sei "Director and Funds Co-ordinator of the Finance/Contract Department of the FEDERAL MINISTRY OF PETROLEUM RESOURCES". Und natürlich - Öl ist ja nun mal schmutzig - hat er ein paar Milliönchen zu waschen. Dafür braucht er aber Hilfe - ganz so wie Hunderte seiner Freunde und Verwandte in Ministerien, Unternehmen und Hilfsorganisationen.

Hilfe brauchen auch die, die dann wirklich beim Waschen helfen, und eigentlich ist das gar nicht überraschend.

Seit mehreren Jahren treibt die so genannte "Nigeria Connection" ihr Unwesen: Einst per Brief und Fax, seit etwa sieben Jahren vornehmlich per E-Mail. Die Masche ist immer dieselbe und sollte langsam langweilig und uneffektiv werden: Da wird angeboten, dass man Millionen Tantiemen kassieren könne, wenn man nur noch

mehr Millionen aus irgendeinem Land herausbringe. Coole Sache, so einfach ist das: Wozu geht man überhaupt noch arbeiten?

Denn zum Nutznießer dieses großzügigen Angebots kann jeder werden, der einen E-Mail-Account sein Eigen nennt: Alldort sammeln sich manchmal täglich mehrere dieser dummen Offerten - irgendwo zwischen den Schönheits-Chirurgie-Angeboten ("Dear Wolfgang, increase your Breast Size"), den Briefen bisher unbekannter ehemaliger Klassenkameradinnen ("Re: Nochmal wegen neulich") und der Gewinnnachricht von dem Preisausschreiben, an dem man nie teilgenommen hat ("Don't miss out!").

Umso verwunderlicher ist es, wenn etwa die britischen Polizeibehörden davon ausgehen, dass an jedem durchschnittlichen Tag bis zu fünf Amerikaner in Londoner Hotels sitzen und auf ihren Geldkoffer aus Nigeria warten. Das Ende ist bekannt: Manchmal fehlt den Betrogenen nachher das Geld, wieder nach Hause zu fliegen. Allein im letzten Monat, so viel ist aktenkundig, verloren mindestens zwei Opfer mehr als jeweils 150.000 Euro.

Nigeria: Heimat eines sehr erfolgreichen betrügerischen "E-Commerce"
DER SPIEGEL

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Denn die alte Masche zieht noch, wenn auch immer weniger effektiv. Zudem sind die alten Methoden inzwischen gefährlich: Sich mit Opfern zu treffen, Geld als "Gebühren" zu verlangen - das alles sind Vor-Ort-Risiken, die immer öfter auch zu Verhaftungen führen.

Da war ein Update der "Rette-mein-Geld-und-werde-reich"-Schmonzette wahrlich überfällig.

Und das geht so: Statt persönliche Treffen anzuregen, präsentieren die Betrüger ihren Opfern eine Online-Banking-Website sowie eine passende PIN-Nummer, über die man schon mal die Millionen auf der Bank bewundern kann. Nach Zahlung der üblichen Geldschieber- und -wäschergebühren soll man dann die passenden TAN-Nummern bekommen, um die süß ergaunerten Gelder abzuheben.

Doch auch in diesem Fall ist weder auf Post noch auf E-Mail oder Ali Kaloma Verlass: Die TANs gehen irgendwie verloren. Dumm gelaufen.

So dumm, dass sich wahrscheinlich die meisten Betrogenen am Ende schämen, ihren Schaden auch nur anzuzeigen.

Eine E-Mail, die jeder kennt: So sehen typische "Nigeria-Briefe" aus

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Diese neue Variante des altbekannten Betruges wird von Experten als weit gefährlicher eingestuft als ihre Vorgänger. Die seriös wirkenden Bankseiten schaffen Vertrauen, und zwar fälschlicherweise. Versucht der Betrogene am Ende, über die Bank an den Betrüger heranzukommen, erlebt er ein böses Erwachen: Die Bankseite sieht zwar echt aus, ist es aber nicht.

So geschehen im letzten Monat in England. Selbst die Adresse der Bank erschien echt, denn sie beruhte schlicht auf einem echten Banknamen mit dem Vorsatz "The". Varianten ihres Markennamens hatte die betroffene Bank aber nicht gesichert. Das, berichtet die BBC, hat sich nun geändert: Alle denkbaren Varianten abdeckend, wird jetzt registriert, was das Zeug hält.

Die Nigeria-Connection wird das wohl kaum bremsen: Nie war es so einfach wie im Internet-Zeitalter, eine Bank zu eröffnen. Demnächst in Ihrem Postfach?

Frank Patalong



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