New Economy "Den dicken Schmitz probeweise schlachten"

Beim Auftakt zu seinem Prozess wegen Insiderhandels wies Internetunternehmer Kim Schmitz alle Vorwürfe von sich. Ohne Erfolg: In München wurde er zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Außerdem verhängte das Amtsgericht eine Geldbuße in Höhe von 100.000 Euro.

München - Wenn Kim Schmitz, der sich "Dr. Kimble" nennt, redet, kann es länger dauern. Als ihn die Richterin Regina Holstein vom Amtsgericht München während seines Sermons unterbrechen will, bügelt "Kimble" sie mit den Worten ab: "Nehmen Sie sich doch ein paar Minuten Zeit". Immer weiter holt er aus: Das Ganze sei eine "Hexenjagd". Ganz Deutschland sei neidisch auf ihn, das wäre das eigentliche Problem. "Aber den dicken Schmitzkann man ja probeweise mal schlachten." Den Vorwurf des Insiderhandels bestreitet der ehemalige Internet-Unternehmer und Ex-Hacker.Er habe nicht eine Sekunde daran gezweifelt, dass seinHandel mit Aktien des Online-Händlers Letsbuyit.comlegal gewesen sei, sagte der 28-Jährige zum Prozessauftakt. Den Vorwurf des Insiderhandelskenne er nur aus Hollywood-Filmen, sagte Schmitz. DerDrei-Zentner-Mann, der sich nach dem Helden einer Fernseh-Serieaus den 60er-Jahren "Dr. Kimble" nennt, ist eine derschillernsten Figuren der New-Economy-Euphorie.Staatsanwältin Anja Hambach warf Schmitz dagegen vor, erhabe mit Aktien des Neuer-Markt-Unternehmens Letsbuyit.comInsiderhandel in elf Fällen betrieben. Er habe dem Chef desInternet-Händlers mitgeteilt, er wolle 1,15 Millionen Euro zurAbwendung des Konkurses investieren. Als potenzieller Investorhabe Schmitz gewusst, dass noch 1,15 Millionen Euro anInvestitionszusagen gefehlt hätten.Bereits einmal wegen Betrugs verurteilt Letsbuyit.com habe alsGegenleistung eine Pflichtmitteilung herausgegeben, um denAktienkurs nach oben zu treiben. Tatsächlich schossen die Titeldes Online-Händlers im Januar 2001 um rund 140 Prozent in dieHöhe. Schmitz habe seine Letsbuyit.com-Aktien nur einen Tag nachder Investitionszusage wieder verkauft, sagte Hambach. Inzwischen sind die Letsbuyit-Aktien mit Kursen um einenCent praktisch wertlos.Vor Gericht ist der Ex-Hacker kein Unbekannter. 1994 wurdeer bereits wegen Betrugs zu einer zweijährigen Bewährungsstrafeverurteilt. Schmitz muss sich zudem vor Gericht verantworten,weil er im vergangenen Jahr erneut am Steuer seinesLuxus-Mercedes ohne Führerschein ertappt worden war. Er istbereits in 14 Fällen wegen Fahrens ohne Führerscheinvorbestraft. Im jetzt ergangenen Urteil folgte die Richterin dem beantragten Strafmaß.

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