New York Ärger ums Gratis-WLAN

Beim New-York-Besuch nutzen viele Touristen ihr Smartphone. Sie dürfte ein neues WLAN-Angebot freuen. Datenschützer raten aber zur Vorsicht.
"LinkNYC"-Säule in New York

"LinkNYC"-Säule in New York

Foto: Johannes Schmitt-Tegge/ dpa

New York wird zur Stadt des Gratis-WLAN: Neue Internet-Terminals , "LinkNYC" genannt, versprechen Millionen Bürgern, Touristen, und selbst Obdachlosen Zugriff zum Netz. Und das mit beeindruckender Geschwindigkeit. Die Macher schwärmen schon jetzt von der "Telefonzelle von morgen".

In der Tat dürften die bis zu 10.000 Säulen, die stadtweit in den nächsten acht Jahre einsatzbereit sein sollen, Menschen in New York das Leben etwas leichter machen. Smartphone-Nutzer können sich im Umfeld von 45 Metern zur Säule umsonst in das WLAN einloggen, teils reicht das Signal bis zu 120 Meter weit.

Mit bis zu 1000 Megabit pro Sekunde ist "LinkNYC" den Machern zufolge hundertmal schneller als andere öffentliche Drahtlos-Netzwerke in den USA. An USB-Anschlüsse zum Aufladen des Akkus wurde auch gedacht.

Notrufe per rotem Knopf

Gerade Touristen, die sich bei ihrem Stadtrundgang von Café zu Café hangeln, um den Weg zum Museum oder Restaurant nachzuschlagen, dürfte der Service helfen. Und selbst bei den New Yorkern, die ihr Telefon meist kaum aus der Hand legen und dauerhaft online zu sein scheinen, ist das Web noch nicht überall angekommen: Mehr als ein Viertel aller Haushalte der Metropole haben laut einer Studie von Ende 2014 zu Hause keinen Zugang zum Breitbandinternet.

Selbst wer kein Smartphone hat, kann an den drei Meter hohen Säulen mit einem integrierten Tablet umsonst surfen, in einem Kartendienst nach dem Weg suchen oder umsonst innerhalb der USA telefonieren - per Lautsprecher oder dank Kopfhörereingang auch mit Headset. Und: Wer auf den roten Knopf drückt, wird umgehend mit der Notrufzentrale verbunden.

Interaktion mit der "LinkNYC"-Säule

Interaktion mit der "LinkNYC"-Säule

Foto: Johannes Schmitt-Tegge/ dpa

Die ersten Säulen in Manhattan laufen bereits, 500 Stück sollen diesen Sommer in Betrieb sein. Mehr als 250 Geräte können einen Kiosk jeweils gleichzeitig nutzen. Bisher stehen die Terminals in Manhattan, andere Stadtbezirke sollen folgen.

Datenschützer haben Bedenken

Doch Datenschützern bereitet das kostenlose Highspeed-Netz Sorgen. Die zum Log-in notwendigen E-Mail-Adressen der User, besuchte Websites und die Verweildauer bei bestimmten Inhalten würden ab Log-in bis zu zwölf Monate gespeichert, kritisiert die Bürgerrechtsorganisation NYCLU in einem Brief an Bürgermeister Bill de Blasios Rechtsabteilung. Da viele Nutzer sich täglich einloggen könnten, ließen die Datenschutzrichtlinien sogar eine Hintertür offen, um die Daten letztlich auf unbestimmte Zeit zu speichern.

"Eine massive Datenbank dieser Art schafft ein unangemessenes Risiko für Missbrauch und unerlaubten Zugang", warnt die NYCLU. Die Gefahr: Sicherheitslücken und ein unbefugter Zugriff durch Regierung und Polizei. "Die private Online-Aktivität der New Yorker sollte nicht genutzt werden, um eine massive Datenbank in direkter Reichweite der NYPD zu erzeugen", sagt NYCLU-Direktorin Donna Lieberman. Nutzer gäben ihre politischen Ansichten, religiösen Überzeugungen oder Informationen über ihre Gesundheit und Familie preis.

Säule mit Hochhäusern

Säule mit Hochhäusern

Foto: Johannes Schmitt-Tegge/ dpa

Vor allem durch an den Säulen integrierte Kameras und sogenannte Umweltsensoren entsteht der Eindruck, dass New York bald noch stärker überwacht werden könnte. Weder die Kameras noch die Sensoren, die etwa die Temperatur und Umgebungsgeräusche registrieren sollen, seien derzeit in Betrieb, sagt "LinkNYC"-Managerin Jen Hensley auf Anfrage. Wann oder wofür genau sie eingesetzt werden wollen, sagt sie nicht. Die NYCLU fürchtet, dass diese Informationen direkt an die Polizei oder das stadtweite System zur Terrorabwehr einfließen könnten.

Johannes Schmitt-Tegge, dpa/mbö
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