Widerstand gegen iOS-Gebühren "New York Times" und "Washington Post" wollen weniger an Apple zahlen

Wer Geld verdient im App Store, muss 30 Prozent der Einnahmen an Apple abtreten. Das gilt allerdings nicht für Amazon. Das Onlineunternehmen zahlt nur 15 Prozent. Nun fordern US-Medien die gleichen Konditionen.
Zentrale der "New York Times" (Archivbild)

Zentrale der "New York Times" (Archivbild)

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MARIO TAMA/ AFP

Apple gerät weiter unter Druck wegen der Abgaben, die Entwickler an den App Store zahlen müssen. Nach dem "Fortnite"-Entwickler Epic Games und dem sozialen Netzwerk Facebook wollen nun auch US-Medien wie die "New York Times" und die "Washington Post" weniger Gebühren für Abos und In-App-Käufe abtreten, die anfallen, wenn ihre Leserinnen und Leser in den iPhone- und iPad-Apps der Medien eine Zahlung tätigen. 

In einem offenen Brief  (PDF) fordert der Handelsverband Digital Content Next (DCN) den Apple-Chef Tim Cook auf, die Abgaben für App-Anbieter zu senken. Das Ziel: Der Verband will die gleichen Konditionen wie Amazon, die nur 15 anstatt der üblichen 30 Prozent der Gebühren zahlen müssen. 

Der Konzern aus Cupertino hatte diese Sonderregel im Jahr 2016 mit Amazon verhandelt, die daraufhin bei über den App-Store abgeschlossene Prime-Video-Abos nur die Hälfte zahlen mussten. Laut Verband wüsste man gern, welche Konditionen die Mitglieder erfüllen müssten, um sich für eine vergleichbare Abmachung zu qualifizieren, heißt es in dem Brief. 

Briefwechsel machte Absprache mit Amazon öffentlich 

DCN wirft Apple vor, mit dem vermeintlich fairen Gebührenmodell die mächtigen Konzerne zu bevorzugen. In einem Blogbeitrag  teilt der Verband mit: "Es hat sich gezeigt, dass die scheinbar unverletzlichen App-Store-Regeln - die lange schon im Verdacht stehen, die Angebote und Apps von Apple zu bevorzugen -, offenbar sehr dehnbar sind für diejenigen, die genügend Macht für Verhandlungen haben." 

Der Deal war vor einigen Wochen bekannt geworden, als E-Mails zwischen dem leitenden Apple-Manager Eddy Cue und Amazon-Chef Jeff Bezos bei einer Anhörung vor dem US-Kongress veröffentlicht wurden. Darin heißt es , dass Amazon im Gegenzug für die günstigeren Gebühren die Prime-Video-App auf iPhones, iPads und Apple TV veröffentlichte. Außerdem nahm Amazon auch Apple-Geräte ins Sortiment auf. 

Amazon wollte sich auf Anfrage des SPIEGEL nicht zu den Sonderkonditionen äußern. Apple hat auf eine E-Mail am Freitagmorgen nicht reagiert. 

Streit über "Fortnite"-App löste den Protest aus 

Apple stellte in den vergangenen Tagen immer wieder klar, dass die 30-Prozent-Regel für alle gelte und für niemanden eine Ausnahme gemacht werde. Dass der Konzern mit einem Marktwert von zwei Billionen Dollar nicht von seinem Standpunkt abrückt und den App-Entwicklern entgegenkommt, um eine weitere Eskalation zu verhindern, irritiert Experten . Denn die Einnahmen aus dem App Store machen nur etwa ein Fünftel des Apple-Umsatzes aus. Im vergangenen Jahr waren es 54 Milliarden Dollar, während der Gesamtumsatz bei 260 Milliarden Dollar lag. 

Spieleentwickler Epic Games hatte die Welle der Kritik in der vergangenen Woche losgetreten. Über eine Hintertür hatte Epic den Spielern des Online-Shooters "Fortnite" günstigere Konditionen außerhalb des App Stores angeboten. Das wertete Apple als Regelverstoß und warf die erfolgreiche Spiele-App aus dem Angebot, was unter anderem zu kuriosen Angeboten bei Ebay führte. 

Nach dem Rauswurf aus dem App Store startete Epic eine von langer Hand geplante Kampagne. Der Softwarehersteller wirft Apple vor, seine Marktmacht als Monopolist zu missbrauchen und hat Klage eingereicht. Apple wiederum droht der Spielefirma, den Entwicklern die Zugänge zu sperren, wenn sie nicht bis kommenden Freitag die "Fortnite"-App regelkonform anpassen. Sollte Apple seine Drohung wahr machen, dann hätte das möglicherweise auch Folgen für Spiele wie "Pro Evolution Soccer" und "Mortal Kombat", die mit der beliebten Unreal-Engine von Epic programmiert sind.

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