News-Aggregator Google verbündet sich mit Presseagenturen

Das Suchmaschinenunternehmen Google hat sich mit mehreren europäischen Nachrichtenagenturen geeinigt. Deren Fotos und auch Texte sind künftig auch über Google News abrufbar. Nicht dabei: die Deutsche Presseagentur dpa.

Hamburg - Das Abkommen werde Nutzern von Google News "einen schnellen und einfachen Zugriff auf Originaltexte und -bilder der Online-Dienste von acht der insgesamt elf zur epa gehörenden Nachrichtenagenturen" ermöglichen, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Abkürzung epa steht für European Pressfoto Agency. Die Agentur wurde im Jahr 1985 gegründet, sie gehört elf europäischen Nachrichten- und Fotoagenturen - darunter auch die dpa. Acht dieser elf Agenturen wollen künftig Material an Google verkaufen, sowohl Bilder als auch Texte. Google News wird sukzessive zum automatisch generierten Konkurrenzprodukt für redaktionell geführte Nachrichtenseiten im Netz.

Die dpa, wohl eine der größten der Agenturen im Verbund, macht dabei jedoch nicht mit, teilte ein Sprecher auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit. Andere epa-Miteigner  sind die italienische Ansa, die griechisch-mazedonischen Agenturen ANA und MPA, die österreichische APA und die belgische Agentur belga.

Google-News-Manager Josh Cohen ist der Meinung, den Urhebern der Bilder und Texte, die künftig direkt und nicht nur als Link über sein Angebot abrufbar sind, sei mit dem neuen Ansatz gedient: "Er identifiziert auch Journalisten und Herausgeber, die für die Erstellung und Verbreitung von Nachrichten hart arbeiten, als ursprüngliche Nachrichtenquelle."

Jörg Schierenbeck, Managing Director von epa sagte: "Der Vertragsabschluss mit Google ist für alle von Vorteil: Epa, die beteiligten Nachrichtenagenturen und Google profitieren von der Monetarisierung unserer Originalartikel und -bilder auf Google News. Die Internetnutzer und Leser profitieren von der anwenderfreundlichen Darstellung der von Nachrichtenagenturen veröffentlichten Inhalte."

Für die Nutzer soll der Schritt Google News auch übersichtlicher machen, sagte Cohen. Bei Meldungen aus dem epa-Bestand würden künftig nicht mehr diverse Artikel untereinander verlinkt, die alle auf dem gleichen Agenturmaterial beruhen. Stattdessen könne "Google News jetzt über eine von Google gehostete Seite direkt auf den Originalartikel verlinken."

"Geteilte Werbeeinnahmen"?

Für Google ist der Deal ein weiterer Schritt in Richtung eines Ausbaus von Google News zum vollwertigen Nachrichtenangebot, mit dem auch Geld verdient werden soll. Die Vereinbarung mit der epa ist nicht die erste. Auch mit den Agenturen AP und AFP hat Google - nach anfänglichen Rechtsstreitigkeiten - Verträge über die Verwendung von Inhalten abgeschlossen. Nun soll das Angebot offenbar verstärkt monetarisiert werden. Im Februar erst hatte Google angekündigt, in der US-Version von Google News künftig auch Werbung zu schalten.

Einer Äußerung des epa-Aufsichtsratsvorsitzenden Walter Grolimund zufolge kann man mit einer ähnlichen Ankündigung für Europa wohl bald rechnen. Im Zusammenhang mit der Vereinbarung sagte Grolimund, die Nachrichtenagenturen könnten nun "dank der mit Google geteilten Werbeeinnahmen neue Erträge für alle auf Google News gehosteten Artikel generieren."

Für die Nachrichtenanbieter, die mit Agenturmaterial arbeiten, wird Google News so zunehmend zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten - nicht nur, was die Verbreitung von Nachrichten betrifft, sondern auch im Hinblick auf Werbeerlöse.

Googles Geschichte

cis
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