Menschen aus dem Computer Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Jecke,

Von


ein herzliches Alaaf (oder ausnahmsweise auch Helau) wünsche ich Ihnen als Rheinländerin aus meinem norddeutschen Exil. Während heute an vielen Orten die Gesichter ganz traditionell mit Masken oder Schminke verändert werden, ist die Digitaltechnik wesentlich weiter: Mittlerweile generiert Software sogar Gesichter von Menschen, die es gar nicht gibt - zu sehen etwa auf der Seite Thispersondoesnotexist.com (übersetzt: Diese Person existiert nicht.)

Wer von beiden ist echt?
West and Bergstrom

Wer von beiden ist echt?

Wer von den Ergebnissen beeindruckt ist, kann in diesem Quiz hier testen, ob er ein echtes Gesicht von einem künstlich errechneten unterscheiden kann. Die Forscher Jevin West und Carl Bergstrom von der University of Washington haben die Seite aufgesetzt. Ihr Ziel ist es nach eigenen Angaben, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie leicht Identitäten gefälscht werden können - und das Auge zu schulen, solche Fälschungen rasch zu erkennen.

Ich war beruhigt, dass es in den meisten Fällen gar nicht so schwer war. Doch ein paar Mal musste ich schon sehr genau hinsehen. Woran man computergenerierte Porträtfotos ganz gut erkennen kann, steht übrigens auch hier.

Es lohnt sich zum Beispiel, auf die Zähne zu achten (die oft merkwürdig aussehen) oder auf den Hintergrund (mit dem oft etwas nicht stimmt). Wir dürfen uns allerdings sicher sein, dass auch diese technischen Kinderkrankheiten bald verschwinden - und es in Zukunft Bilder von computergemachten Gesichtern geben wird, die sich mit dem menschlichen Auge fast nicht mehr von echten Gesichtern unterscheiden lassen.
(Die echte Person ist in unserem Beispielbild übrigens links zu sehen.)


Sie mögen Netzwelt-Themen? Dann abonnieren Sie Beiträge wie diesen hier. Der Newsletter Startmenü ist kostenlos und landet jeden Montagnachmittag in Ihrem Postfach.

Seltsame Digitalwelt: Instagram Alaaf!

Am Wochenende waren wir mit Familie und Freunden auf einem Karnevalsumzug - trotz Nieselregen bunt kostümiert und in guter Stimmung. Ein Familienmitglied war danach trotzdem enttäuscht. Das Wetter sei zwar kein Problem gewesen, sagte es, aber "der Mann vor mir hat mit seinem wilden Winken und Tanzen fast jedes meiner Fotos kaputt gemacht".

Soso. Gefeiert wird heute also in erster Linie fürs Foto - wer ohne Kamerabewusstsein ins Bild tanzt, stört. Diese Haltung ist nicht nur spaßbefreit, sondern hat einen weiteren gravierenden Nachteil: Wer die ganze Zeit ein Handy in der Hand hält, kann keine Kamelle fangen.


App der Woche: "Pocket Mini Golf"
getestet von Tobias Kirchner

Vivid Games

"Pocket Mini Golf "ist ein kleines, unkompliziertes Spiel. Mit dem Finger wird die Richtung und Kraft kontrolliert, die auf den Ball trifft. So gilt es, abwechslungsreiche und immer komplexer werdende Bahnen zu überwinden - natürlich mit möglichst wenigen Schlägen.

Dabei ist das Spiel nicht drauf aus, ein realistisches Ballverhalten zu simulieren. Es geht mehr um den schnellen Erfolg und so macht "Pocket Mini Golf" bereits nach wenigen Sekunden Spaß. In der kostenfreien Variante wird dieser allerdings von Werbeeinblendungen gestört, für ein wenig Geld lassen sich diese aber abstellen.

Kostenlose Version, werbefreie Variante für 1,19 Euro von Vivid Games: iOS, Android


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Das Problem mit den Falsch-Positiven" (vier Leseminuten)
    War der Versuch mit der Gesichtserkennungssoftware am Berliner Südkreuz-Bahnhof nun erfolgreich oder vielmehr ein Reinfall? Die Kollegen der "Süddeutschen Zeitung" rechnen nach - und zwar so, dass es jeder versteht.
  • "Wir haben Models gefragt, welche skurrilen Nachrichten sie auf Instagram bekommen" (fünf Leseminuten), schreiben die Kollegen von "Vice". Und die Befragten haben ganz sachlich berichtet, wie sie in den Kommentaren regelmäßig belästigt werden. (fünf Leseminuten)
  • "The Tinder Swindler" (Englisch, zehn Leseminuten)
    Wie ein Krimi liest sich die Geschichte der norwegischen Tageszeitung "Verdens Gang" über einen mutmaßlichen Betrüger, der auf Tinder Frauen kennenlernt, sie mit teuren Abendessen, Hotelübernachtungen und Flügen im Privatjet blendet - und sie später um viel Geld prellt.

Ich wünsche Ihnen noch einen heiteren Rosenmontag,

Judith Horchert

Mehr zum Thema
Newsletter
Startmenü - der Netzwelt-Newsletter


insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon_1193964 04.03.2019
1. Schlecht gefotoshopt
Am Gesichtsausdruck kann man es nicht erkennen aber die Detail in der Haut oder in den Haaren stimmen einfach nicht. problemlos von 10 Bildern 9 erkannt.
Trollflüsterer 05.03.2019
2.
Ist das krass! Ich habe nur zu max. 75% richtig gelegen. Beängstigend.
The Independent 05.03.2019
3.
Ich habe von 10 von 11 erkannt. Das ist deshalb aktuell noch vergleichsweise einfach, weil eben die Details noch nicht ganz stimmen. Zum Beispiel sind mitunter Wimpern unterschiedlich lang (man muss schon genau hingucken), unterscheidlich strukturierte Hautpartien - die nicht nebeneinander gehören -sitzen nebeneinander, und vor allem die oberen Zahnreihen werden oft so versetzt eingepasst, dass eine echte Person kaum fähig wäre, damit richtig zu kauen. Gerade Ski-Brillen werden mitunter so eingepasst, dass sie von der Nase rutschen würden.
The Independent 05.03.2019
4.
Zitat von spon_1193964Am Gesichtsausdruck kann man es nicht erkennen aber die Detail in der Haut oder in den Haaren stimmen einfach nicht. problemlos von 10 Bildern 9 erkannt.
Die Bilder wurden eben nicht mit Photoshop erstellt, sondern die Gesichter wurden ohne menschliche Hilfe von einem Computerprogramm errechnet. Hätte wirklich ein Mensch die errechneten Bilder nachbearbeitet (z.B. mit Photoshop), also auf physiognomisch unmögliche Details überprüft und diese dann elimiert, dann wären die Bilder zu 98%-100% stimmig und im Prinzip nicht mehr zu unterscheiden gewesen.
v4rian 05.03.2019
5.
100 % richtig gelegen. Als Fotograf der sich mit mit Bildretusche auskennt, keine große herausforderung!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.