Nach Versteigerung Eines der bekanntesten Videos soll von YouTube verschwinden

»Charlie bit my finger – again« zählt zu den populärsten Webvideos. Die Auktion eines sogenannten NFT beschert einer Familie jetzt 622.000 Euro. Damit sind die Tage des Originalvideos wohl gezählt.
Szene aus »Charlie bit my finger – again«: Der Clip ist knapp eine Minute lang

Szene aus »Charlie bit my finger – again«: Der Clip ist knapp eine Minute lang

Foto: youtube / HDCYT

Update, 28. Mai: Mittlerweile steht fest, dass das Video doch nicht offline genommen wird. Das soll der Käufer des NFTs entschieden haben. Mehr dazu lesen Sie hier . Es folgt die Originalmeldung in unveränderter Form.

Irgendwann haben Sie einmal etwas ins Internet gestellt, das viral ging? Dann wäre jetzt wohl der richtige Moment, es als sogenanntes »Non-Fungible Token«, kurz NFT, zu verkaufen. Diesen Eindruck jedenfalls erwecken diverse Meldungen der vergangenen Wochen.

So verdiente beispielsweise die Familie von Zoe Roth, bekannt als das Mädchen aus dem Meme »Disaster Girl«, durch den Verkauf des Originalfotos als NFT rund 340.000 Euro. Und auch eine NFT-Auktion rund um den YouTube-Klassiker »David after Dentist« brachte Vater und Sohn umgerechnet knapp 10.000 Euro.

Glossar

»Non-Fungible Token« (NFT) bedeutet so viel wie »nicht austauschbare Wertmarke«. Es handelt sich um einmalige Besitzzertifikate für digitale Güter. Sie werden fälschungssicher in einer Wallet auf einer Blockchain hinterlegt. Die Zertifikate beziehen sich auf die jeweilige Originaldatei. Diese jedoch sind dadurch, anders als die Zertifikate, nicht kopiergeschützt. Die zertifizierten Dateien lassen sich so vervielfältigen wie jede digitale Datei, aber nur den NFT-Besitzerinnen und -besitzern »gehört« das jeweilige Original.

Dieses Wochenende ist nun ein NFT zu einem weiteren YouTube-Hit unter den Onlinehammer gekommen. »Charlie bit my finger – again« zählt zu den ersten großen Viralhits der Plattform: Das 2007 hochgeladene Video wurde bis heute über 880 Millionen Mal abgerufen, zeitweise war es das meistgesehene YouTube-Video überhaupt.

Ein Kind beißt das andere

Dabei könnte die Aufnahme banaler kaum sein: Der kleine Charlie beißt seinem älteren Bruder Harry auf den Finger – nicht nur einmal. Während Harry jammert, dass so ein Babybiss schmerzt, fängt Charlie an zu lachen.

Der Clip stammt aus Großbritannien. Ursprünglich habe man ihn nur auf YouTube hochgeladen, damit die Paten von Charlie und Harry in Übersee das Video sehen konnten, erklärte Howard Davies-Carr, Vater der mittlerweile 15 und 17 Jahre alten Jungs.

Das von ihm aufgenommene Video ist zweifellos Teil der Internetgeschichte. Aber wie lange wird man es noch online anschauen können? Charlie, Harry und ihr Vater haben angekündigt, den Clip nach Ende der NFT-Auktion von YouTube zu entfernen.

Sollte die Familie oder der Käufer nicht noch eine Planänderung verkünden, dürfte eines der bekanntesten Videos also bald aus dem Netz verschwinden. Derzeit findet sich am Originalvideo noch ein Hinweis mit dem Text »Wartet auf die NFT-Entscheidung«. Das Video ist zudem als »Nicht gelistet« markiert, was bedeutet, dass man es per Direktlink ansteuern , nicht aber über YouTubes Suchfunktion finden kann.

Der Meistbietende darf in einer Parodie mitspielen

In Aussicht gestellt haben Charlie, Harry und ihr Vater derweil eine Neufassung des Clips: Der NFT-Käufer soll eine Parodie mit den Originalstars aufnehmen dürfen. »Spielen Sie selbst mit oder überlassen Sie die Ehre dem größten ›Charlie bit my finger‹-Fan, den Sie kennen«, heißt es auf der Website zur NFT-Auktion , »und kreieren Sie eine urkomische moderne Version des klassischen Clips.«

Unabhängig davon, ob sie jemals erscheint oder nicht: Man darf bezweifeln, dass eine solche Neuauflage auch nur ansatzweise die Aufrufzahlen des Originalvideos erreicht. Finanziell aber dürfte sich die Auktion für die Familie Davies-Carr gelohnt haben. Der Höchstbietende mit dem Account-Namen @3fmusic zahlt laut Auktionswebsite umgerechnet mehr als 622.000 Euro.

@3fmusic ist in der NFT-Szene übrigens ein bekannter Name: Jener Account, der mit einer Musikproduktionsfirma in Dubai in Verbindung gebracht wird , hatte auch schon rund 340.000 Euro für das »Disaster Girl«-NFT ausgegeben und weitere schlagzeilenträchtige NFTs ersteigert.

mbö
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