Versteigerung als NFT Meme-Vorlage »Disaster Girl« bringt 340.000 Euro

Als sie vier war, fotografierte ihr Vater Zoe Roth vor einem brennenden Haus. Ihr Lächeln wurde zum Webhit, Internetnutzer montierten es in unzählige Unfallfotos. Jetzt hat Roth das Originalbild als NFT versteigert.
Zoe Roth bei einem Auftritt 2019: Das bekannteste Foto von ihr zeigte sie als Vierjährige

Zoe Roth bei einem Auftritt 2019: Das bekannteste Foto von ihr zeigte sie als Vierjährige

Foto: Noam Galai / Getty Images for BuzzFeed

»Disaster Girl«: Millionen Internetnutzerinnen und -nutzer kennen Zoe Roth wohl nur unter diesem Namen. Die 21-Jährige ist eine Art unfreiwilliger Webstar, der in der Welt der Internet-Memes wohl für immer vier Jahre alt bleiben wird.

Bekannt wurde Roth durch ein Foto, das ihr Vater 2005 gemacht und zwei Jahre später mit dem Titel »Firestarter« ins Netz gestellt hatte: In der Nachbarschaft steht ein Haus in Flammen (das Ganze war übrigens ein kontrollierter Brand, für den die Feuerwehr selbst verantwortlich war), Roth schaut als kleines Mädchen in Kamera – mit einem einprägsamen Gesichtsausdruck, der sich als schelmisches oder gar diabolisches Lächeln interpretieren lässt .

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

2008 wird die Aufnahme durch einen Fotowettbewerb bekannter: Sie kursiert bald auf viel geklickten Portalen wie »Buzzfeed« und wird im Zuge dessen zu einem Running Gag der Onlinewelt. Von vielen ikonischen Unfall- oder Katastrophenfotos gibt es heute auch eine Variante, in die jemand den Kopf der vierjährigen Zoe Roth montiert hat. Wo immer auf einem populären Foto etwas brennt, explodiert oder untergeht , ist das »Disaster Girl« im Netz nicht weit weg. Das Motiv hat sich verselbstständigt.

Mehr eingebracht als erwartet

Mitte April war es nun Zoe Roth selbst, die mit dem Foto noch einmal bewusst und als erwachsene Frau in die Öffentlichkeit trat. Roth bot das 2560 × 1920 Pixel große Bild ihres Vaters als sogenanntes »Non-Fungible Token« (NFT) auf der Plattform Foundation an. Verkauft wurde jener NFT schließlich für zu diesem Zeitpunkt umgerechnet rund 340.000 Euro an einen Nutzer namens @3fmusic.

Glossar

»Non-Fungible Token« (NFT) bedeutet so viel wie »nicht austauschbare Wertmarke«. Es handelt sich um einmalige Besitzzertifikate für digitale Güter. Sie werden fälschungssicher in einer Wallet auf einer Blockchain hinterlegt. Die Zertifikate beziehen sich auf die jeweilige Originaldatei. Diese jedoch sind dadurch, anders als die Zertifikate, nicht kopiergeschützt. Die zertifizierten Dateien lassen sich so vervielfältigen wie jede digitale Datei, aber nur den NFT-Besitzerinnen und -besitzern »gehört« das jeweilige Original.

Sie habe nicht daran geglaubt, dass sie mit dem NFT so viel Geld machen könnte, sagte Zoe Roth diese Woche der US-Zeitung »The News & Observer« . Sie, die mittlerweile an der University of North Carolina at Chapel Hill studiert, habe eher mit einem Endpreis von um die 1800 Euro gerechnet. Ihr Vater und sie hätten auch einige Wochen Bedenkzeit gebraucht, bis sie der Auktion zustimmten.

Letztlich aber, so schreibt es die Zeitung, hätten sich Roth und ihr Vater sogar einen Manager und einen Anwalt ins Team geholt, die ihnen beim Aufsetzen der Auktion halfen. Deren Bedingungen sehen unter anderem vor, dass die Roths nun bei jedem künftigen Weiterverkauf des NFT zehn Prozent mitverdienen würden.

Zoe Roth will ihren Anteil angeblich spenden

All die »Disaster Girl«-Memes hätten Zoe Roth nie Einnahmen beschert, bilanziert »The News & Observer« dazu: Jetzt aber habe sie zum ersten Mal das Gefühl, die Kontrolle über das Foto zu haben, das sie als kleines Mädchen zeigt.

Das sieht auch die 21-Jährige selbst so: Die Möglichkeit, das Bild als NFT zu verkaufen, zeige, »dass wir eine Art von Kontrolle haben, eine Art Handlungsfähigkeit in dem ganzen Prozess«, sagte Roth der Zeitung. In einem Videointerview  betont sie aber auch, dass sie das Foto und die Memes dazu eher als eine Art »Funfact« über sich sehe, weniger als etwas, das sie als Person definiert.

Das Geld, das sie durch den NFT-Verkauf eingenommen hat, will Roths Familie übrigens aufteilen, auch ihr Bruder und ihre Mutter sollen von der Auktion profitieren. Zoe Roth hat dem Bericht zufolge vor, ihren Anteil für einen guten Zweck zu spenden.

mbö
Mehr lesen über