Nigeria Connection Bauernfänger profitieren von der Krise

Die Wirtschaftskrise hat auch ihre Vorteile - zumindest aus der Sicht von E-Mail-Betrügerbanden, der sogenannten Nigeria Connection. Obwohl bei vielen Menschen zur Zeit das Geld nicht so locker sitzt, erleben die Internet-Bauernfänger ein finanzielles Hoch.

Die Nigeria Connection erreicht mit ihren Versprechungen von Millionenbeträgen immer mehr Arglose, die sich Hoffnungen aufs schnelle Geld machen. "Wir müssen härter arbeiten. Amerikaner haben kein Geld und das Geld, das sie nicht haben, hätten wir gerne", zitiert die "Washington Post" einen offenbar mit bösem Humor gesegneten 24-jährigen Nigerianer. Mitten in der Krise boomt das Geschäft mit der E-Mail-Abzocke.

Je weniger Geld in den Taschen der Menschen ist, desto mehr scheinen sie auf abwegigere Möglichkeiten der Geldbeschaffung zu hoffen. Da kommt eine E-Mail von einem verzweifelten Mitarbeiter der nigerianischen Petroleum-Corporation, der schnell Millionen außer Landes schaffen muss, manchem vielleicht gerade recht. Allein im vergangenen Jahr habe die auf Internetverbrechen spezialisierte Abteilung des FBI 33 Prozent mehr Fälle des sogenannten "scammings" aufgenommen, berichtet die "Washington Post".

Amerikanische Behörden schätzen, dass US-Bürger jährlich Hunderte Millionen durch Internetbetrug verlieren. Gerade die schlechte wirtschaftliche Situation bringe viele Opfer dazu, vielleicht doch ihr Glück mit einer der E-Mails zu versuchen.

Die Betrüger, die auch "Scammer" genannt werden, arbeiten immer wieder mit derselben Masche. Sie verschicken E-Mails an ahnungslose Staatsbürger in Amerika oder Europa mit der immergleichen Bitte. Angebliche Mitarbeiter großer Unternehmen oder vermeintliche Staatsdiener müssten Millionenbeträge außer Landes schaffen, damit sie nicht dem korrupten afrikanischen Staat in die Hände fielen. Dabei könnten die riesigen Geldsummen nur durch eine Transaktion an den Mailempfänger gesichert werden. Provisionen zwischen 10 und 30 Prozent werden versprochen - die Opfer werden so dazu gebracht, im Vorfeld Summen bis zu 25.000 Dollar an den Absender zu überweisen. Oft werden dafür Geschichten über Verhaftungen oder sonstige Komplikationen erfunden.

Die Masche wurde nicht in dem westafrikanischen Land erfunden, Nigerianer haben aber als erste die Massenproduktion solcher Briefe, Faxe, Mails aufgenommen. Die Nigeria Connection hat ihr Repertoire inzwischen aber noch vergrößert.

Neben dem Versprechen auf Überweisungen von Millionenbeträgen, erhalten auch immer mehr Menschen Mails mit Benachrichtigungen über angebliche Lotteriegewinne, die eingelöst werden müssten. "Ich verkaufe Gier. Du hast Dir nie ein Lotto-Los gekauft, glaubst aber an eine E-Mail, die Dir einen Lottogewinn verspricht? Das heißt, dass Du gierig bist", sagt einer der jungen Männer aus der Scammer-Hauptstadt Lagos der "Washington Post".

mcc
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