E-Mail-Betrüger in USA festgenommen Weder Prinz noch aus Nigeria

US-Polizisten haben einen Mann festgenommen, der mit der "Nigeria-Masche" Hunderte Opfer betrogen haben soll. Im Netz sorgt die Nachricht für Heiterkeit: Wer fällt denn auf diese Geschichte noch rein? Viele.
Beispiel für Nigeria-Spam

Beispiel für Nigeria-Spam

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die Polizei hat im US-Bundesstaat Louisiana einen 67-jährigen Mann festgenommen, der als Teil eines kriminellen Netzwerks an einer der bekanntesten E-Mail-Betrugsmaschen mitgewirkt haben soll: an der Mär vom nigerianischen Prinzen.

Die meisten Menschen mit E-Mail-Postfach dürften von dem Trick in einer seiner zahlreichen Versionen schon einmal gehört haben: Per E-Mail wird man etwa davon unterrichtet, dass man das Vermögen eines Prinzen aus Nigeria geerbt hat. Oder darüber, dass Millionensummen von den Konten ehemaliger Machthaber ins Ausland transferiert werden sollen, und zwar mithilfe des angeschriebenen Opfers. Das soll für die Transaktion beispielsweise Zugang zu seinem Bankkonto gewähren oder bestimmte Gebühren zahlen. Als Belohnung für die Hilfe wird den Opfern ein Teil des angeblichen Vermögens versprochen.

Über Facebook hat nun das Slidell Police Department bekannt gegeben , nach 18-monatiger Ermittlungsarbeit einen Verdächtigen gefasst zu haben, der mit dieser Masche offenbar Erfolg hatte. Michael N. wird demnach vorgeworfen, als Mittelsmann an 269 Fällen von Betrug und Geldwäsche beteiligt gewesen zu sein und unter anderem Geld an Komplizen in Nigeria weitergeleitet zu haben. Dort existiert seit Jahren ein erfolgreiches Betrugsnetzwerk, das etwa laut der "Süddeutschen Zeitung" jährlich Schäden in Höhe von Hunderten Millionen Euro verursacht .

Viele spotten über die Masche - doch sie ist offenbar erfolgreich

Dabei ist der sogenannte "Nigeria-Scam " schon lange bekannt. Die "New York Times" verweist anlässlich der aktuellen Festnahme  noch einmal darauf, dass die ersten entsprechenden Betrugsbriefe schon 1989 per Telex verschickt wurden . Seitdem gibt es viele verschiedene Arten. Manchmal wurden für den Betrug Webseiten von Banken oder Behörden gefälscht, um die Sache plausibler erscheinen zu lassen. In vielen Fällen aber sind die E-Mails so unprofessionell, die Geschichten so haarsträubend, dass sich rund um den ominösen nigerianischen Prinzen längst ein Internet-Mem entwickelt hat .

So scherzte die Satire-Seite "Der Postillon" schon 2014: "Reicher nigerianischer Prinz bekommt ständig E-Mail-Absagen von Geschäftspartnern ". Und das sei doch sehr erstaunlich, schließlich verschicke der 32-Jährige täglich rund 1000 E-Mails mit einem "äußerst lukrativen Angebot". Dennoch habe er in den vergangenen zehn Jahren niemanden finden können, der ihm dabei helfen wollte, sein Erbe außer Landes zu schaffen.

Doch während die einen witzeln, fallen regelmäßig andere auf die Masche herein, schreiben die Polizisten aus Louisiana in ihrem Statement. Jährlich entstünden durch diese Masche Millionenverluste.

Die Geschichten sind wohl absichtlich haarsträubend

Schon vor Jahren hat ein Microsoft-Forscher herausgefunden, dass die E-Mails der sogenannten "Nigeria-Connection" wohl absichtlich so haarsträubend sind . Seine These: Wer eine völlig abstruse Geschichte glaubt - dass ein nigerianischer Prinz ihn zum Erben bestimmt hat - ist leichtgläubig genug, um auch bei den weiteren Schritten noch mitzumachen, also auch tatsächlich Geld zu überweisen. Die irre Geschichte ist demnach eine Art Filter, schließlich gehe es den Kriminellen nicht darum, möglichst viele skeptische Rückfragen zu beantworten. Vielmehr sei der Massenbetrug auf Effizienz aus, verdeutlicht die Studie (PDF ).

Anlässlich des aktuellen Falls warnen die amerikanischen Polizisten noch einmal eindringlich davor, Bankdaten und persönliche Informationen per E-Mail oder Telefon an Fremde weiterzugeben oder sich an irgendwelchen Transaktionen zu beteiligen. Sollte sich jemand am Telefon als Behördenmitarbeiter ausgeben, solle man um eine Rückrufnummer bitten und sich vergewissern, dass der Anrufer wirklich der ist, als der er sich ausgibt.

"Bekomme ich jetzt meine Million Dollar doch noch?"

Nicht zuletzt hilft bei überraschenden Versprechungen per E-Mail oft ein Plausibilitätscheck, erklärt Amtsleiter Randy Fandal vom Slidell Police Department: "Wenn es zu schön klingt, um wahr zu sein, ist es das wahrscheinlich auch."

Nachdem die Festnahme vor wenigen Tagen auf Facebook bekannt gegeben und von den US-Medien aufgegriffen wurde, machte sie schnell die Runde in den USA und im Netz. Unter anderem auf Reddit stellen Nutzer die Frage , wer denn auf den "20 Jahre alten Trick" überhaupt noch hereinfalle. Ein Kommentator gibt zu bedenken, bei Millionen verschickten E-Mails genüge bereits ein einziger Empfänger, der anbeiße. Schon damit werde die Sache für die Betrüger wohl zum lukrativen Geschäft.

Unter dem Polizei-Statement auf Facebook  wird die Festnahme ebenfalls ausführlich diskutiert - wenn auch nicht besonders ernsthaft: "Es gibt ihn wirklich!" schreibt ein Nutzer unter das Bild des grauhaarigen weißen Mannes, der - kaum überraschend - so gar nicht zur Vorstellung eines adligen Nigerianers passen will. "Ich glaube, er ist gar kein Nigerianer!", kommentiert ein anderer entsprechend, und ein Dritter fragt: "Also, bekomme ich jetzt meine Million Dollar doch noch?"

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